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Triumph Scrambler 1200 XE - erster Test Triumph Scrambler 1200 XE

Vielseitiger Klassiker

Die neue Triumph Scrambler 1200 XE fühlt sich auf Asphalt und auf losem Untergrund gleich gut an. Der Bonneville-Twin ist ein Sahnestück.

Ralf Schütze/mid

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"Scrambler", zu deutsch "Kletterer", heißen seit den 1950er Jahren die leicht geländegängigen Motorräder, die als Vorreiter späterer Offroad-Spezialisten wie Motocross oder Enduro gelten. Hauptmerkmale: Mehr oder weniger grobstollige Reifen, ein höhergelegter Auspuff, breiter Lenker und längere Federwege als ein reines Straßen-Bike.

Triumph hat jahrzehntelang dieses Genre geprägt und phasenweise dominiert. Jetzt kommt immer mehr Konkurrenz auf, allen voran die BMW R nineT Scrambler und die Ducati Scrambler 1100. Mit der neuen Triumph Scrambler 1200 XE schlagen die Briten jetzt zurück - und zwar gewaltig.

Schon "King of Cool" Steve McQueen fuhr auf britische Bikes für Straße und Gelände ab - nicht nur im legendären Hollywood-Streifen "Gesprengte Ketten", sondern auch im echten Leben. Ein bisschen schwingt vom Flair früherer Triumph Scrambler-Modelle bis heute mit. Kein Wunder, gehört doch die jüngste Ausgabe mit 1,2-Liter-Zweizylinder (bekannt aus der Markenschwester Bonneville T120) zurecht zu Triumphs "Modern Classics": Puristisch und klassisch im Design, dazu jede Menge sichtbarer Technik und hochwertiger Handwerkskunst. So entstand mit der Scrambler 1200 XE ein Allrounder für die Straße, der selbst im härteren Gelände gut zurechtkommt.

Für wahrhaftige Offroad-Talente gaben Triumphs Ingenieure der XE riesige Federwege mit: 250 Millimeter vorne wie hinten. Das ist deutlich mehr als die Konkurrenz und übertrifft sogar klar die BMW R 1250 GS Adventure (210/220 Millimeter). Das führt auch zur exorbitanten Sitzhöhe von 870 Millimeter. Deshalb sollten Fahrer der Triumph Scrambler XE idealerweise über 1,80 Meter groß sein.

Dabei fährt sie sich relativ agil. Dazu trägt ein voll einstellbares Fahrwerk bei - samt hochwertiger Komponenten wie einer 47 Millimeter starken Upside Down-Vorderradgabel. Außerdem Kurven-ABS und eine schräglagenabhängige Traktionskontrolle. Mit sechs Fahrmodi kommt die 1200 XE überall möglichst gut zurecht, darunter die Hardcore-Einstellung "Off-Road Pro". Ein 21 Zoll großes Vorderrad erleichtert außerdem die Fahrt auf losem Untergrund. Gleiches gilt für zivile 207 Kilogramm Trockengewicht.

Als Kontrast zum Nostalgie-Look der Maschine hat Triumph Hightech-Details integriert. Dazu gehört neben den Fahrmodi vor allem ausgefeilte Connectivity. Die beschränkt sich derzeit zwar noch auf Telefon und Musik, wird aber im Herbst um Smartphone-Navigation im gut ablesbaren TFT-Display erweitert.

Die Serienausstattung ist dem stolzen Grundpreis der Scrambler 1200 XE angemessen, unter anderem mit Kurven-ABS, Heizgriffen, Handprotektoren und voller LED-Beleuchtung. Die Sitzposition auf der Britin ist so entspannt, wie man es von einem Scrambler erwartet.

So fühlt man sich im Sattel der hochbeinigen Triumph sehr wohl - ob auf Langstrecke, wo man auch ohne Windschutz bis zu Tempo 130 entspannt Kilometer fressen kann, oder in der Stadt und auch im Gelände.

Einzig massive Kritik an der gutaussehenden und talentierten Engländerin: Am höhergelegten Auspuff erhitzt sich das rechte Bein des Fahrers empfindlich. Für den Beifahrer ist das Problem mit einem massiveren Aluminiumblende gut gelöst, der Pilot hingegen fühlt sich schon bei frühlingshafter Temperatur wie jemand, der zu nah am Ofen steht.

Äußerst kultiviert gibt der Zweizylinder stets seine 66 kW/90 PS Leistung und satten 110 Newtonmeter Drehmoment ab. Souverän in jeder Lebenslage wirkt der Antrieb, der dank 270 Grad Hubzapfenversatz wie ein V2-Motor zündet und deshalb auch so kernig bollernd klingt. Praxisverbrauch in unserem Test: 5,4 l/100 km. Je nach Fahrweise liegt die obere Grenze bei 6,5 oder die untere bei gut 4 l/100 km. Das Getriebe lässt sich stets sehr geschmeidig schalten, und den Leerlauf findet man sehr leicht.

Alles in allem ist die 1200 XE ein klassischer Allrounder - so, wie es die Urväter der Scrambler-Modelle im Sinn hatten. In der Stadt ist sie ein ausreichend wendiges Nostalgie-Bike, das vor dem Café eine gute Figur macht. Auf Landstraßen, Fernreisen oder im Gelände wird man ebenfalls glücklich mit ihr. Natürlich kommt sie nicht auf das Niveau der jeweiligen Spezialmotorräder, aber ein Bike für alle Fälle ist sie dennoch auf imposante Weise. Da sie bei der Offroad-Tauglichkeit und auch bei der Connectivity ihre direkte Konkurrenz abhängt, liegt die Triumph Scrambler 1200 XE derzeit ganz vorne in ihrer immer beliebteren Klasse.

Klassik-Enduro mit flüssigkeitsgekühltem Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile, Hubraum 1200 ccm, max. Leistung 66 kW / 90 PS bei 7400 U/min, max. Drehmoment 110 Nm bei 3950 U/min, Sechsganggetriebe, Kette.
Stahl-Zentralrohrrahmen mit Unterzügen, USD-Gabel 47 mm mit 250 mm Federweg, Aluminium-Zweiarmschwinge, voll einstellbare Öhlins-Federbeine mit Ausgleichsbehälter, 250 mm Federweg, Kurven-ABS. Reifen vorn: 90/90-21, Reifen hinten: 150/70 R 17, Sitzhöhe: 870 mm, Tankinhalt: 16 Liter, Trockengewicht: 207 kg. Höchstgeschwindigkeit: k.A., Normverbrauch: 4,9 l/100 km, Schadstoffklasse: Euro4.
Preis: 14.550 Euro.

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