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KTM 790 Duke - "The Scalpel" im Test KTM 790 Duke 2018

Schnittig und scharf

Eine neue, mächtige Größe in der Mittelklasse der beliebten Naked Bikes ist die KTM 790 Duke. Wir testen das messerscharfe 105-PS-Gerät.

Ralf Schütze/mid

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Klingt nach Übertreibung, ist aber keine: "The Scalpel" nennt KTM seine neue Naked Bike-Mittelklasse 790 Duke. Und die extrem wendige Österreicherin durchdringt tatsächlich mit chirurgischer Präzision jede Ecke oder Kurve, dass der Vergleich mit einem Skalpell durchaus angebracht scheint.

Lange Zeit gab's von KTM nur V2-Motoren und Einzylinder. Letztere erstaunlich kraftvoll und zuletzt auch kultiviert, aber doch stets an den bauartbedingten Grenzen der Physik. Der neue, "LC8c" getaufte Reihen-Twin wuchtet stattliche 105 PS Leistung und bärenstarke 86 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle. Aber macht so ein ideales Gerät für die heiße Jagd über kurvige Landstraßen auch im Alltag Spaß?

Typisch KTM: Der neue Zweizylinder im markentypischen Stahl-Gitterrohrrahmen ist kein konventioneller Reihenmotor. Der sogenannte Hubzapfenversatz um 75 Grad macht's möglich, dass er trotz seiner Bauart ebenso sonor bis markerschütternd brabbeln oder brüllen kann, wie man es von einem 75-Grad-V2 der österreichischen Marke gewohnt ist. Und: Der raue Sound des 105 PS starken Motors drückt deckungsgleich seinen kantigen Charakter aus. Wird sein Drehzahlhunger gestillt, belohnt er dies mit fulminantem Vortrieb, dennoch hat er auch von unten heraus reichlich Schmalz. Allerdings gibt sich der 0,8-Liter-Twin etwas launisch beim Dahinrollen - Konstantfahrruckeln nennt das der etwas genervte Biker.

Aber für gemütliches Dahincruisen ist diese Motor-Bike-Kombination auch wirklich nicht geschaffen. Stattdessen genießt man unentwegt das katapulthafte Lospreschen der KTM 790 Duke. Damit erfüllt der jüngste Ableger der herzöglichen Linie fahraktiver Motorräder ("Duke" heißen die wendigen Naked Bikes der Marke seit 1994) exakt die Erwartungen der meisten KTM-Fans.

Die maximale Schubkraft von 86 Nm Drehmoment der neuen Mittelklasse-Duke liegt zwar erst bei stolzen 8.000 U/min an. Großes Aber: Zwischen etwa 3.000 und knapp 10.000 Umdrehungen drückt die Kraft aus exakt 799 ccm Hubraum stets mit mehr als 70 Nm nach vorne. Über dieses relativ breite Drehzahlband hinweg glänzt der neue Reihen-Zweizylinder also mit Kraft pur und muss dabei nur mit megaschlanken 187 kg Leergewicht fertig werden. Zum Vergleich: Die direkten Rivalen haben meist deutlich mehr Speck auf den Hüften (Ducati Monster 821: 213 kg; Kawasaki Z900: 210 kg; Suzuki GSX-S 750: 214 kg). Und selbst die relativ leichte Yamaha MT-09 bringt immerhin acht Kilo mehr auf die Waage.

Dass die neue österreichische Mittelklasse mit einem Kaufpreis von 10.998 Euro (Deutschland: 9.790 Euro) auch nicht gerade teuer ist, überrascht angesichts der serienmäßigen Ausstattung umso mehr. Dafür glänzt die KTM 790 Duke mit einem großen Elektronik-Paket: Der von Bosch zugelieferte Quickshifter erlaubt fast immer geschmeidige Schaltvorgänge, ohne die serienmäßige Anti-Hopping-Kupplung betätigen zu müssen.

Vier Fahrprogramme machen's möglich, die Maschine exakt auf die Fähigkeiten und Vorlieben des jeweiligen Fahrers einzustellen. Der dazu gehörige "Track"-Modus ist sogar erstmals an einer KTM serienmäßig freigeschaltet. Dazu kommen Kurven-ABS (inklusive "Supermoto-Modus" mit blockierbarem Hinterrad) sowie eine schräglagenabhängige Traktionskontrolle. Einstellen und kontrollieren lassen sich diese komplexen Funktionen über einen großen TFT-Bildschirm (5 Zoll). Das Menü lässt sich intuitiv bedienen, das Display ist auch bei starker Sonneneinstrahlung gut ablesbar.

Die neue 790er schließt mit ihren 77 kW/105 PS die bisherige Lücke zwischen den 73 PS ihres Vorgängers 690 Duke (mit nur einem Zylinder) und dem nackten Superbike 1290 Duke mit ihrem 177 PS starken V2-Motor. Dass KTMs Neue künftig kräftig im Kampf um die beliebte Mittelklasse mitspielen wird, liegt auf der Hand, denn wesentliche Stärken entdeckt man zahlreich und wirkliche Schwächen kann man ihr kaum anlasten.

Zwar konnte KTM den relativ moderaten Preis nur realisieren, indem an manchen Stellen nicht gerade die denkbar edelsten Komponenten Verwendung fanden. So greifen Stopper von einem spanischen Zulieferer in die Bremsscheiben, statt die des italienischen Spezialisten Brembo. Sie schlagen sich aber ebenso gut wie die Serienreifen von KTMs taiwanesischem Partner Maxxis.

Ebenso erfreulich: Bis knapp 1,90 Meter Körpergröße hat man auf der 790er bequem Platz, dank 825 mm Sitzhöhe und 1.475 mm Radstand. Über den breiten Lenker hat man das Naked Bike immer gut im Griff und kann es spielerisch um scharfe Ecken dirigieren. Trotz dieser Agilität fühlt man sich im Sattel der 790 Duke auch in schnellen Landstraßenkurven sicher und wohl.

Und selbst hohes Autobahntempo bringt die Oberösterreicherin hinter sich, ohne etwa mit Hochgeschwindigkeits-Pendeln zu nerven. Gewöhnungsbedürftig ist anfangs nur, dass sie in jede Schräglage geradezu hineinfällt. Aber auch daran gewöhnt sich der frischgebackene Duke-Fahrer sehr schnell und genießt am Ende die Leichtigkeit des Kurvenfahrens.

So extrem sich die KZM 790 Duke in Sachen Design und Fahrverhalten auch gibt, so sparsam geht sie erstaunlicherweise mit Sprit um: Wir kamen im Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn mit 3,7 l/100 km aus - zwar inklusive gemütlichem Cruisen, aber andererseits über weite Strecken zu zweit.

Dabei stellte sich allerdings heraus: Ein Duke-Besitzer wird die einsame Fahrt bevorzugen, denn ein Beifahrer sitzt relativ hoch und muss sich wegen der nicht gerade optimalen Griffe am Fahrer festhalten oder beim Bremsen am Tank abstützen. Der ist übrigens wegen des niedrigen Verbrauchs und trotz nur 14 Liter Volumen immerhin gut für rund 350 km Reichweite - mehr als genug für ein derart scharfes Naked Bike, das meist auf kurzen, aber intensiven Ausfahrten bewegt wird und dabei jede Menge Spaß macht.

Mittelklasse-Naked Bike mit flüssigkeitsgekühltem Viertakt-Zweizylinder-Reihenmotor, Hubraum: 799 ccm, max. Leistung: 77 kW/105 PS bei 9.000 U/min (wahlweise 35 kW/48 PS für Führerscheinklasse A2), max. Drehmoment: 86 Nm bei 8.000 U/min, Sechsganggetriebe, Kette.
Stahl-Gitterohrrahmen, vorn Upside-Down-Gabel mit 43 mm Tauchrohrdurchmesser, hinten Aluminium-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, vorn Doppelscheibenbremse, Durchmesser 300 mm, Vier-Kolben-Festsättel, hinten Einscheibenbremse, Durchmesser 240 mm, Ein-Kolben Schwimmsattel, Traktionskontrolle, Kurven-ABS.
Reifen vorn: 120/70 ZR17, hinten: 180/55 ZR17, Sitzhöhe: 825 mm, Tankvolumen: 14 l, Radstand: 1.475 mm, Leergewicht: 187 kg, zul. Gesamtgewicht: 430 kg, Beschleunigung 0-100 km/h: 3,3 s, Vmax: 235 km/h, WMTC-Normverbrauch kombiniert: 4,0 l/100 km.
Österreich-Preis: 10.998 Euro (Deutschland: 9.790 Euro).

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