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Berger: „Ecclestone...ein richtiger Straßenköter“

Gerhard Berger über den Ritt auf Kanonenkugeln, den Interessenskonflikt zwischen Herstellern und Fans und die Verhandlungskunst des Bernie E.

Der Österreicher ist eine der schillerndsten Figuren des Motorsports. Über zehn Jahre ist Gerhard Berger als Fahrer selbst auf den internationalen Rennstrecken zu Hause gewesen. Bis zum Sommer 2003 war er Motorsportdirektor bei BMW und verantwortlich für die Formel-1-Rückkehr der Münchner Autobauer in der Saison 2000.

Im Lifestylemagazin Matador spricht der Motorsport-Experte über seine Erfahrungen als Formel-1-Fahrer, über Frauen im Fahrerlager und die Zukunft der Formel 1.

„Die Formel 1 schaut momentan einfach zu zahm aus...“, meint der Tiroler, der 1984 bis 1997 unter anderem für Ferrari und McLaren hinter dem Steuer saß. „Zu meiner Zeit war das ein Ritt auf Kanonenkugeln.“ Mehr Aggressivität auf der Piste wäre aufgrund der verbesserten Streckengegebenheiten durchaus zu verantworten, erklärt Berger. Deshalb sollten die Herausforderungen für die Fahrer erhöht und die elektronischen Hilfen vermindert werden. Viele Fahrer, da ist sich Berger sicher, denken so wie er.

Für die Automobilfirmen steht die Demonstration der technischen Kompetenz und damit eine ausgefeilte Elektronik an erster Stelle, weiß der 44jährige aus seiner Zeit als Motorsportdirektor bei BMW: „Wer zahlt, bestimmt die Bedingungen. Wenn man für einen Konzern arbeitet, vertritt man in erster Linie dessen Interessen - und die decken sich nicht immer mit den Erwartungen der Fans.“

Konkurrenz unter den Fahrern hält der Motorsportexperte für eine wichtige Voraussetzung - auch zwischen Fahrern eines Teams wie Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya bei Williams: „Aus Sicht des Teams ist ein harter Konkurrenzkampf unter den Piloten besser als Harmonie. Nur im Dauerclinch gehen die Fahrer bis an ihre Grenze.“

Wie es zu seiner Zeit um Frauen im Fahrerlager bestellt war, wollten die Matador-Redakteure von ihm wissen. „Das waren sehr nette Mädchen, keine Luder, wie die Presse gerne schreibt“, räumt Berger mit dem Klischee vom Boxenluder auf. „Es waren auch einige Damen darunter, die ein beachtliches Formel-1-Know-how hatten.“

Über die Qualitäten von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone verriet Berger: „Er ist ausgesprochen clever, ein richtiger Straßenköter, mit allen Wassern gewaschen... Er ist das größte Schlitzohr, das ich je kennen gelernt habe. Allein die Art und Weise, wie er Leute über den Tisch zieht, ist sensationell.“ Über den sechsmaligen F1-Weltmeister Michael Schumacher: „Ich traue ihm durchaus zu, noch zwei bis drei Jahre auf diesem hohen Level zu fahren. Im Moment kann er nur sich selbst schlagen.“ Über den jüngsten Deutschen Nick Heidfeld: „Er gehört einfach noch nicht zu dem engen Kreis von Fahrern, denen man zutraut, eine WM zu gewinnen.“

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