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Es ist vollbracht – ist es vollbracht?

Stell dir vor, es ist Revolution, und keiner geht hin: Kann die Wiedervereinigung von ChampCar und IRL die US-Formel-Szene noch retten?

Johannes.Gauglica@motorline.cc

Vor 10 Jahren wäre die Nachricht von der Beendigung des Streites zwischen ChampCar und der IRL noch internationale News gewesen - heute herrscht beredtes Schweigen.

Der Mangel an Echo spricht bereits Bände über den Zustand der Serie(n). Wie haben sich die Zeiten geändert: Ende 1994 hatte die CART IndyCar World Series die wahrscheinlich besten Rennen der Welt.

Mit einer weltweiten Fan-Gemeinde griff man in puncto Popularität die Formel 1 an. Heute sumpert die Monoposto-Szene in Nordamerika am Rande des Aussterbens dahin.

Geschichte eines Krieges

Um es für alle, die damals verhindert waren, kurz zu rekapitulieren: Ab 1996 stellten einige „Revolutionäre“ rund um den Indianapolis-Betreiber Tony George eine eigene IndyCar-Meisterschaft zusammen, weil ihnen die damalige IndyCar World Series, vereinfacht gesagt, nicht amerikanisch genug war.

Zuwenig amerikanische Fahrer, zu teuer: Es war wieder Zeit für den American Way. Soweit die Theorie.

Einige Zeit tat sich die IRL schwer, denn sie hatte neben dem traditionellen Indy 500 kaum weiteres Spektakel zu bieten.

Die IndyCar – nach der CART-Pleite 2003 dann ChampCar – World Series wiederum hatte die breitere internationale Basis, aber Indy als „Kronjuwel“ fehlte schmerzhaft.

Die dunklen Jahre

Im Hintergrund mischten auch Politiker aus anderen Motorsport-Branchen mit, wie zum Beispiel Bernie Ecclestone und die France-Familie. Denn sowohl die Formel 1 als auch NASCAR waren an einer Schwächung der IndyCar-Konkurrenz nicht uninteressiert.

Ab 2000 kamen die ChampCars (den Namen „IndyCar“ hatten sie inzwischen an die andere Meisterschaft verloren) zuerst sacht, dann immer deutlicher ins Trudeln. Große Teams wechselten die Seiten, zuletzt lockte Tony George die verbliebenen ChampCar-Mitstreiter mit Gratis-.Autos und einer saftigen Geldprämie.

Jetzt haben sich, nach längerem Buhlen und Flirten, die Bosse von IRL und ChampCar geeinigt, bereits heuer gibt es eine gemeinsame Saison. Die Tücken liegen wie immer im Detail.

Inkompatible Autos, Terminüberschneidungen, und die damit verbundenen Kosten: In den nächsten Wochen gibt es noch eine Menge Arbeit.

Was bleibt?

Aber all das interessiert kaum noch jemanden. Denn in den USA zählt längst nur mehr NASCAR. Die „open wheeler“ als Nischenprodukt lassen sich jetzt womöglich leichter dem verbliebenen Publikum näher bringen, aber die Fans sind schon lange in Richtung der Stock-Cars abgewandert.

Dasselbe gilt auch für talentierte Nachwuchsfahrer; heute zwängen sich kaum noch amerikanische „Rookies“ ins Formel-Cockpit. Wer eine Profikarriere anstrebt, sucht sie in der NASCAR-Welt.

Denn dort hat man wenigstens noch Aussicht darauf, als Racer seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Deshalb lässt sich die Zahl der US-Fahrer in IRL und ChampCars an den Fingern einer Hand abzählen.

Kurz gesagt: Der Friedensschluss kommt eine Minute vor 12. Für die Bosse der vereinigten IndyCar-Szene geht es ums Überleben, sonst droht ihnen der vereinigte Konkurs. Jetzt sind ein paar sehr clevere Ideen gefragt, und zwar rasch, bevor für Indy & Co. die Zielflagge fällt,

glaubt Ihr

Johannes Gauglica

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