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"Spirit of Dakar" zum Spartarif

Die "Budapest-Bamako" sprengt alle Rekorde und will der internationalen Offroad-Szene etwas zurückgeben, das sie lange vermisst hat.

Marathonrally.com; Bilder: bamakodakar.org

Dem 1986 verstorbenen Dakar-Gründer Thierry Sabine würde ein Lächeln übers Gesicht ziehen, könnte er sehen, was derzeit unter ungarischer Leitung passiert: der Geist einer langen, echten Afrika-Rallye für (fast) jedermann.

Angefangen hat die "Budapest-Bamako" 2005, als ein kleines Häuflein "Verrückter" mit alten Autos von Ungarn gen Bamako in Mali aufbrach, um für ein kleines Budget den echten Afrika-Flair zu erleben. Im Starterfeld: Mercedes W123, Polski-Fiat 126, Buggies, der unselige Trabant, etc. Das Startgeld: symbolisch, ein Witz.

Die Autos wurden in Afrika verschenkt oder verkauft, die Erlöse neben gesammelten Geldern gespendet. Auch das hat sich entwickelt: Spenden im Wert von über 500.000 Euro kamen alleine 2008 zusammen.

Spaß wird ernst

Während die lustige Idee einige Nachahmer fand, stellten sich in der Budapest-Bamako immer mehr Geländewagen auf. Die Absage der Dakar in Afrika 2008 löste den grossen Boom aus, und Veranstalter Andras Gal Szabo erkannte seine grosse Chance.

Fortan plante er eine doppelte Veranstaltung: eine Rally für Geländewagen und eine "Spaß-" und Touristikveranstaltung für alle Fahrzeuge.

Was nun passierte, war schier unglaublich. Teilnehmer aus aller Welt gaben ihre Nennungen ab, wollten dabei sein, wenn es für vergleichsweise wenig Geld durch Afrika geht. Schnell mussten die Nennungen geschlossen werden.

Das Ergebnis: Statt 35 Teilnehmer wie zu Beginn sind es jetzt 212 Pkw, 31 Motorräder, 5 Lkw und sogar 3 Busse. Insgesamt 620 Teilnehmer zählt die Rallye - damit übertrifft sie sogar das Pkw-Starterfeld der Dakar.

Spirit of Dakar

"Die einstige Dakar Rally hat den Spirit vorgelegt - wir starten nicht in Paris und beenden die Rally nicht in Dakar - aber wir geben den gleichen Spirit weiter", so Veranstalter Szabo. Die Route ist gigantisch: 9.000 Kilometer, zuerst quer durch Europa (Ungarn, Österreich, Italien, Frankreich, Spanien), dann quer durch Afrika.

Hierbei wird Marokko, die West-Sahara, Mauretanien und Mali durch quert. Zwischen Tidjikja, Atar und und Kiffa in Mauretanien fährt die Rallye sogar auf berühmten Strecken der "Dakar".

Tourismus und Rennsport

Zwei Routen gibt es - aus einfachem Grund. Die Teilnehmer der Rallye fahren durch teilweise heftiges Gelände, die Touristen auf den grossen Asphaltstrassen entlang des Atlantischen Ozeans und der Grenzregionen zu Senegal und Gambia.

In Sachen Rallye nimmt man es nicht ganz so ernst, der Schwerpunkt liegt in der korrekten Navigation und dem Durchkommen, weniger in der gefahrenen Zeit: "Wir wollen Spaß, Motorsport, neue Freundschaften, Eindrücke, Erlebnisse und schöne Parties miteinander verbinden" so Andras Gal Szabo.

Der Hit sind jedoch die Startgelder. Schon ab 1.200 Euro inklusive maximal 4 Personen/Fahrzeug (inkl. Frühbucher-Rabatt) konnte man nennen, für 2.400 Euro (Spätbucher) sogar noch bis September - wenn die Nennungen nicht schon vorher geschlossen worden wären.

In der Touristik-Klasse wurde pro Person abgerechnet, ab 300 Euro pro Person (inklusive Fahrzeug) ging es hier los. Für die Touristik-Klasse gab es zudem ein spezielles Angebot: Wer sich mit einem 2-Minuten Video bewarb und eine besonders ausgefallene Idee für seine Teilnahme hatte, konnte pro Monat zwei Gratis-Startplätze gewinnen.

They never come back...?

Die günstigen Preise kann Szabo anbieten, weil er die Rück-Logistik offen lässt. Im Prinzip muss jeder selbst sehen, wie er nach Hause kommt, kann sich aber organisierten Gruppen anschließen.

Der Großteil der Rallye-Teilnehmer bringt die Fahrzeuge nach Dakar und verschifft sie dort gen Heimat (und fliegt selbst nach Hause), Andere wieder fahren im Konvoi wieder zurück - und bei den Touristen verschenken oder verkaufen einige ihre Autos und fliegen ohne Untersatz gen Heimat.

Gespart wird auch im "Drumherum". "Zum Spirit gehört, dass jeder und die Gruppe sich selbst helfen. Wenn das Fahrzeug kaputt ist, muss man selber reparieren, eine Werkstatt aufsuchen oder sich im Team helfen. Es gibt auch kein grosses Catering - jeder bringt sein Essen mit oder schließt sich mit anderen zusammen", so Szabo.

9.000 Kilometer Spaß

Nicht gespart wird bei der Sicherheit. Ärzte-Teams begleiten die Rallye, dazu ein Helikopter für Rettung, Rennleitung und gelegentlich die Presse. Bei der Bewältigung der Kosten helfen Sponsoren und letztlich auch Veranstalter Szabo selbst, der viel in die Rallye investiert.

"Selbst inklusive Rücktransport per Schiff und Flüge für zwei Personen ist die Rallye immer noch ausserordentlich günstig", erklärt ein britischer Teilnehmer, "ohne Ersatzteile und Sprit kann man für Startgeld und Rücktransport ca. 5.000 Euro rechnen - für mehr als 9.000 Kilometer Spaß."

Mutig startet die Budapest-Bamako 2009 an dem Tag, an dem die Dakar in Buenos Aires die Ziellinie überquert: Am 17. Jänner. Das Ziel wird am 1. Feber im malischen Bamako erreicht.

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