MOTORSPORT

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter
Nach 103 Jahren: neuer Weltrekord mit Dampf

Heiße Luft

Der älteste Rekord der Automobilgeschichte ist gefallen – nach 103 Jahren gibt es endlich ein neues "schnellstes Dampfauto der Welt".

Johannes.Gauglica@motorline.cc; Fotos: British Steam Car Challenge

Die Frage nach dem Wozu sollte man von vornherein gar nicht stellen: Rekorde sind da, um gebrochen zu werden! Das haben sich die Herrschaften vom Team der British Steam Car Challenge gedacht.

Dampfwagen waren in der Anfangszeit des Automobils nicht unbeliebt.

Aber die unpraktische Bedienung, speziell die Anheiz-Prozedur vor dem Start, und Kostengründe waren letztlich ihr Untergang. Die letzten Exemplare verschwanden in den 1930ern vom Markt.

Detail am Rande: Das heute noch gebräuchliche Wort "Chauffeur" (Heizer) hat sich aus der Dampfauto-Zeit gehalten.

Der zu schlagende Weltrekord stammte aus dem Jahr 1906 und wurde von einem Stanley Steamer aufgestellt, der über die fliegende Meile die Geschwindigkeit von 127,66 mph, also ungefähr 205,5 km/h erreichte.

Daneben setzten sich die Briten zum Ziel, quasi in einem Aufwaschen auch einen amerikanischen Rekord von 145,6 Meilen oder 234,3 km/h zu brechen. Dieser nicht von der FIA sanktionierte Rekord wurde 1985 erreicht.

Wieder unter Dampf

Für die Rekordfahrten reiste man auf die Edwards Air Force Base in Kalifornien.

Auf ihrem Gelände befindet sich das Rogers Dry Lake Bed, ein ausgetrockneter Salzsee, der auch als Ersatzlandebahn für das Space Shuttle dient.

Die Strecke muss sechs Meilen lang sein, allein werden 2,5 Meilen zum Beschleunigen gebraucht.

Und solches Terrain, noch dazu völlig eben und mit einem Niveauunterschied von weniger als 1% von einem Ende der Bahn zum anderen, findet man in ganz Europa nicht.

Unangenehmer Nebeneffekt: die Edwards AFB ist militärisches Sperrgebiet, Zuschauer waren also nicht anwesend.

Kein Leichtgewicht: Das fast acht Meter lange, drei Tonnen schwere Rekordfahrzeug holt sich seine Antriebskraft aus einer zweistufigen Dampfturbine mit LPG-Antrieb.

Sie produziert 360 PS und ermöglicht einen theoretischen Top-Speed von 274 km/h.

Rohre in der Gesamtlänge von über drei Kilometern sind im Inneren des Fahrzeuges verlegt – der Traum jedes Installateurs!

Der Teekessel singt!

Die Leistung der Brenner, in typisch britischer Messweise: heißes Wasser für mehr als 23 Häferln Tee pro Sekunde. "Tea time" ist aber nur kurz, denn mit dem Wasservorrat an Bord ist die Betriebszeit begrenzt.

140 Liter destilliertes Wasser werden mitgeführt, die Maschine verbraucht theoretisch eine Tonne Wasser in 25 Minuten. Es waren also zwei rasche "Aufgüsse" nötig, um den Rekord nach FIA-Regeln zu erreichen.

Nach zehn Jahren Entwicklungs- und Bauzeit war es am 25. August soweit – mit 139,843 Meilen in der Stunde oder 225,055 Stundenkilometern wurde der neue Weltrekord über die fliegende Meile fixiert.

Am 26. August setzte man nach und stellte eine neue Bestmarke für den fliegenden Kilometer auf, nämlich 148,308 mph oder 238,679 km/h.

Sämtliche Dampf-Rekorde sind damit in britischer Hand, vielleicht für die nächsten 103 Jahre? Von der Stanley Motor Carriage Co. ist keine Widerwehr zu erwarten, sie hat 1924 zu existieren aufgehört.

News aus anderen Motorline-Channels:

Weitere Artikel:

MotoGP Assen 2026

Premierensieg für Ai Ogura!

Ai Ogura gewinnt in Assen als erster Japaner seit mehr als 20 Jahren - Raul Fernandez und Jorge Martin auf dem Podium - Marco Bezzecchi gestürzt

Vor dem Langstreckenklassiker

24h Le Mans 2026

Der Langstreckenklassiker – nominell zwei Mal rund um die Uhr – ist inzwischen weit mehr. Und auch keine Rennwoche, sondern eigentlich inzwischen zwei bis drei Wochen. Diese Spanne resultiert aus dem Aufwand, den die Teams und Hersteller rund um dieses Mega-Event betreiben.

Kurioses Finale in Monaco

Antonelli gewinnt nach Rennabbruch!

Gebrochener Asphalt, Zeitstrafen und Ausfälle von Verstappen und Leclerc, aber Kimi Antonelli lässt sich von all dem nicht aus der Ruhe bringen

Rallycross Fuglau

Heiße Duelle in Fuglau

Länderspiele beim MTL-Rallycross von Fuglau. Dank dem internationalen Starterfeld gab es Siege für die Österreicher, Ungarn und Tschechen. In der Königsklasse der Supercars sorgte Lokalheld Norman Ganser für die Schlagzeilen des Wochenendes.

"Müssen sauberer werden"

Mick Schumacher nach P17 selbstkritisch

Mick Schumacher erklärt den Verbremser und die Strafe in Elkhart Lake - Und weiß selbst: Die Wochenenden müssen von jetzt an sauberer werden

Wenn der Renn-Samstag beginnt, dann ist er für die Teams und Fahrer genauso durchgetaktet, wie schon die Tage zuvor. Spätestens ab Mittag, wenn die Le Mans Startaufstellung alles versammelt, was im Motorsport Rang und Namen hat, dann weiß man vor allem eines: Man muss die nächsten rund 27 Stunden einfach nur noch 101 Prozent funktionieren.