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Formel 1: Kommentar

Vergiss den Titel – werde eine gute Nr. 2!

Weil er im zweiten Teil der Saison 2012 endlich eine halbwegs passable Nr. 2 abgab, denkt Felipe Massa an den Titel. Welch Realitätsverlust, lieber Pippo…

Michael Noir Trawniczek

Felipe Massa ist ein Gläubiger – er glaubt, dass er 2013 „in der gleichen Position wie Fernando Alonso“ sein und damit Chancen auf den Weltmeistertitel haben würde…

Schließlich konnte er Ende des Vorjahres „Ergebnisse bringen“, wie er es nennt: Einmal Zweiter, einmal Dritter und zweimal Vierter – du hast Recht, Felipe, diese Ergebnisse schreien förmlich nach WM-Titel! Die Wahrheit ist: Der wegen Manager Nicolas Todt nahezu Narrenfreiheit genießende Massa-Clan musste nach den beschämenden Leistungen in der ersten Saisonhälfte 2012 um den Verbleib im Ferrari-Team bangen, weil man es den Tifosi nicht mehr erklären hätte können, warum dieser Massa eine Vertragsverlängerung erhält. Mit den „Ergebnissen“ konnte man es rechtfertigen, dass man einen Fahrer wie Massa behält, alle waren happy, Vater, Mutter, Bruder und Manager.

Dabei musste Massa im Vorjahr, in der schwierigen ersten Saisonhälfte, also vor den sensationellen Rennergebnissen, sogar zum Psychiater, wie er offen zugab. Dank seiner geistigen Kraft und seiner Familie, die stets rund um ihn präsent ist, konnte Massa wieder den Glauben an sich selbst finden, sagt er. Und dass Fernando Alonso sein bislang stärkster Teamkollege gewesen sei – natürlich, Michael Schumacher war ja eigentlich, wie schon bei Rubens Barrichello, immer ein bisschen langsamer als Massa und wie er zu sieben WM-Titel kam, lassen wir einfach mal offen…

Massa möchte „sich selbst besser verstehen“, sagt er. Dazu gehört vielleicht auch, sich selbst neutral einzuschätzen. Die Wahrheit ist doch: Massa war in der ersten Saisonhälfte der Sargnagel von Ferrari, da er nicht einmal im Ansatz einer N.2-Rolle gerecht werden konnte, während Red Bull Racing dank Vettel und auch Webber regelmäßig Punkte einfuhr.

Jetzt, nach einem zweiten Platz in der zweiten Saisonhälfte, an den Titel zu denken, ist, mit Verlaub, völlig unrealistisch, lieber Felipe Massa. Damit setzt du dich selbst nur unter Druck…

Von außen jedenfalls sieht es eher so aus: Es wäre dir, lieber Felipe Massa, weil du so ein netter Typ bist, wirklich von Herzen zu wünschen, dass du 2013 endlich eine anständige Nr. 2 abgibst und nicht so viele Punkte liegen lässt.

Denn bedenke: Ein weiteres Jahr wie 2012 würde dein Ende in der Formel 1 bedeuten. Und ich wage es, zu behaupten: Einen Formel 1-Weltmeister namens Felipe Massa wird es nicht geben. Never ever!

Muss ja auch nicht sein – neben Fernando Alonso eine gute Nr. 2 abzugeben, ist wirklich keine Schande. Also vergiss den Titel und erfreue dein Team mit vielen Punkten und zweiten Plätzen. Das ist kein leichtes Unterfangen, doch dazu wünsche ich dir alles Gute.

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