Motorsport/Formel 1: Reportage | 12.05.2013
Ein Happyend auch ohne Formel 1
Walter Grubmüller junior hat den Helm an den Nagel gehängt, dies hat sein Vater gegenüber motorline.cc bestätigt. Ein Karriere-Rückblick…
Michael Noir Trawniczek
Fotos: Paolo Pellegrini, www.waltergrubmueller.com
„Wir wollen in die Formel 1“, hat Walter Grubmüller senior einst im motorline.cc-Interview verlautbart. Im Auto saß freilich nicht der Multimillionär und frühere Speedway-Crack, sondern sein gleichnamiger Sohn Walter Grubmüller junior. Das Motto lautete stets: Geld spielt keine Rolle! Viele Jungpiloten würden sich einen dermaßen rennsportbegeisterten und finanziell potenten Vater wünschen…
Der heute 24-jährige Wiener startete mit elf Jahren im Kartsport, kletterte im Formelsport die Karriereleiter empor, stets mit eher mäßigen Erfolgen, als ihm 2009 in der hoch angesehenen Britischen Formel 3 der sogenannte „Knopf aufging“.
Denn in diesem Jahr wurde Grubmüller Vizemeister – lediglich der heutige Formel 1-Pilot Daniel Ricciardo konnte den Wiener schlagen, der Australier saß im erfahrenen und erfolgsverwöhnten Carlin Motorsport-Team. Grubmüller senior hat zwar keine Mühen gescheut und sich 2007 am Hitech Formel 3-Team beteiligt, doch die Erfahrung eines Teams wie Carlin ist dennoch nur schwer auszugleichen.
„Motorsport ist wie ein bewaffneter Raubüberfall“
Grubmüller senior erklärte damals in einem motorline.cc-Interview: „Wir haben uns bemüht, ein Carlin-Team zu kopieren, wir wollten uns die guten Dinge von den guten Teams abschauen. Nur: Wenn du irgendwo hinkommst, dann wird nur endlos Geld genommen – und umso mehr sie bekommen, desto weniger machen sie. Der heutige Motorsport ist wie ein bewaffneter Raubüberfall.“So war auch der 2010 erfolgte Aufstieg in die World Series, die Formel Renault 3.5, für viele als F1-Feederserie auf einem Level mit der GP2, für andere sogar höher einzustufen, nicht unproblematisch.
Grubmüller senior kaufte zwar erneut einen ganzen Rennstall, dennoch gab es offenbar beim Einheitsauto und damit beim Technikerstab Verbesserungsbedarf.
Dazu kam ein schwerer Unfall 2011 auf dem Nürburgring, bei dem sich der junge Grubmüller eine Fraktur des fünften Brustwirbels einhandelte...
Die Erfolge waren dünn gesät, in den Jahren 2010 und 2011 beendete Grubmüller die Saisonen auf den Gesamträngen 16 und 18. Im Vorjahr brillierte Grubmüller mit einem zweiten Platz, kam in der Gesamtwertung jedoch abermals nicht über Platz 17 hinaus.
Im Jahr 2011 versprach Grubmüller senior im Zusammenhang mit dem ersehnten Formel 1-Aufstieg seines Sohnes: „Wenn die Leistung passt, dann werde ich eine Möglichkeit finden, ihn dort hin zu bringen.“
Beinahe wäre der 24-jährige Wiener auch in der „Königsklasse“ gelandet. Denn als es um das Programm für 2013 ging, war auch ein Cockpit bei Marussia eine Variante. Das nötige „Kleingeld“ hätte der einstige Besitzer von Admiral Wetten und längst wieder im Lotterie-Geschäft vertretene Grubmüller senior wohl auftreiben können…
„Er möchte nicht mehr fahren“
Doch allein, Walter Grubmüller junior hat die Lust am Rennsport verloren. Er sei schon zu oft in schlechten Autos gesessen, hat der in England lebende Wiener seinem Vater erklärt. Walter Grubmüller senior hat am vergangenen Donnerstag gegenüber motorline.cc das Karriereende seines Sohnes bestätigt: „Er möchte nicht mehr fahren. Stattdessen kümmert er sich mit voller Begeisterung um unsere Firma. Freilich tut es mir Leid, dass wir unser Ziel nicht erreicht haben - aber es ist schön zu sehen, wie er jetzt richtiggehend aufblüht im Geschäft. Er hat Spaß an diesem Job und das ist das Wichtigste.“So gibt es also in der Geschichte von Walter Grubmüller junior ein Happyend auch ohne Formel 1. Und Walter Grubmüller senior kehrt als Mit-Initiator des neuen Stockcar Racing Cup Austria, den er gemeinsam mit Österreichs Rallye-Ass Manfred Stohl auf die Beine gestellt hat, zu seinen Wurzeln, auf die Sandbahn zurück.












