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Formel 1: Kommentar

Hast du das wirklich nötig, Heinz?

In seinem neuen Formel 1-Jahrbuch „Grand Prix Story 2014“ leistet sich Heinz Prüller einen üblen Seitenhieb auf seinen direkten Nachfolger Ernst Hausleitner.

Michael Noir Trawniczek
Fotos: Red Bull/GEPA, Residenz Verlag

Lieber Heinz,

es war einmal ein großer Sportjournalist, ich war 13 und beim Grand Prix von Österreich und da sah ich dich, wie du mit einem kleinen Notizblock völlig verschwitzt von einem Team zum nächsten gehirscht bist. Ein Idol, damals schon. Später, bei unserem ersten Backstage-Interview für motorline.cc, im Jahr 2004, in jenem Cafe und an jenem Tisch, wo du einst mit Jochen Rindt gesessen hast, wurden aus einer halben Stunde zwei Stunden.

Alle 30 Minuten kam ein Anruf vom Funkhaus und du hast immer gesagt: „Ja, ich weiß, ich bin gleich da.“ Und ich sehe es noch, wie du plötzlich hellhörig wurdest, weil ich wusste, dass 1979 die Ligier die ersten beiden Rennen dominiert haben und nicht, wie du zunächst gesagt hast, die Ferrari. Ich kann es jetzt ja verraten: 1979 war meine erste Saison, die ich voll verfolgt habe und daher wusste ich das – sonst weiß ich nichts auswendig, so wie du, das war damals einfach nur ein Zufall…

Wie auch immer: Du hast die Formel 1 in Österreich zu dem gemacht, was sie heute ist. Du hast Millionen von Menschen glücklich gemacht, wenn du ihnen am Sonntag beim Rennen deine Geschichten erzählt hast, aus erster Hand, liebevoll erzählt. Und ich denke, dass du genau mit deiner Art die Menschen beeindruckt hast – weil man gespürt hat, dass du großen Respekt vor den Piloten verspürst, die auch heute noch ihr Leben riskieren, in jedem Rennen. Du warst jahrzehntelang der unangefochtene „Mister Formel 1“ dieses Landes – eine Ikone also, die ihresgleichen sucht.

Vor ein paar Jahren jedoch hat sich etwas geändert: Der ORF wollte einen neuen Kommentator, Ernst Hausleitner ist seither der neue „Mister Formel 1“ in diesem Land. Umso beeindruckender ist es, dass du immer noch bei einigen Rennen live vor Ort bist, für Österreichs größte Tageszeitung berichtest und am Ende jeder Saison deine Fans mit dem Jahrbuch „Grand Prix Story“ erfreust. All das müsstest du eigentlich nicht mehr tun - du machst es, weil es dir eine Herzensangelegenheit ist.

Im Umschlag des neuesten Jahrbuchs erwähnst du deinen Mitarbeiter Robert Höpoltseder in lobender Art und Weise. Dort steht geschrieben: „Robert Höpoltseder, mehr als ein Copilot der Grand Prix Story, ist Oberösterreichs Top-Reporter für Ski und Formel 1.“

Bei allem Respekt vor der Arbeit von Robert Höpoltseder – wir alle wissen, dass auch jener Mann aus Oberösterreich stammt, der deine Nachfolge angetreten ist: Ernst Hausleitner. Dein Buchumschlag ist also nichts anderes als eine schallende Ohrfeige für jenen Mann, der bekanntlich nicht nur dein Nachfolger als Formel 1-Kommentator ist, sondern auch Skirennen für den ORF kommentiert.

Und jetzt frage ich mich wirklich: Hast du denn so etwas nötig? Ernst Hausleitner und Alex Wurz sind mehr als nur würdige Nachfolger – sie machen ihren Job erstklassig und zeitgemäß. Freilich könnten sie das nicht, hättest du nicht die Formel 1 in Österreich dermaßen populär gemacht. Aber fällt es dir wirklich so schwer, zu akzeptieren, dass ein jüngerer Kollege nachgefolgt ist? Hast du nicht das Gefühl, dass du dir mit solchen Seitenhieben eigentlich dein eigenes, verdientes Denkmal beschädigst?

Was die Formel 1 und den Job anbelangt, werde ich mir niemals herausnehmen, dir irgendwelche Ratschläge zu geben. Aber auf einer menschlichen Ebene möchte ich dir gerne eines sagen: Richtig gut wird es dir erst dann gehen, wenn du die Arbeit deines Nachfolgers zumindest respektieren kannst.

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