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Formel 1: Interview

Lauda: „Im Sport reicht das Resultat!“

Für den Ex-Piloten und Mercedes-Teamvorstand Niki Lauda erschließt sich die Welt der sozialen Medien nicht: "Meine Bekanntheit hat andere Gründe."

Der Formel-1-Pilot in seiner Freizeit, 360-Grad-Videos von der Auto-Präsentation und neuerdings sogar kurze Videos von den ersten Testfahrten: Die sozialen Medien sind mittlerweile nicht mehr aus der Formel 1 wegzudenken. Da kann die ältere Generation nur mit dem Kopf schütteln. Ex-Königsklassen-Boss Bernie Ecclestone wollte Facebook, Twitter und Co. so lange wie möglich aus dem Fahrerlager fernhalten. Weltmeister Niki Lauda braucht keinen Account.

Der ehemalige Pilot und heutige Vorstandsvorsitzende des Mercedes-Teams ist stolz darauf, noch mit den Leistungen auf der Strecke bekannt geworden zu sein. Sogar den Umstand, dass sein tragischer Unfall auf dem Nürburgring 1976 zu seiner Bekanntheit beigetragen hat, findet er immer noch besser als auf Follwerjagd gehen zu müssen. Aber die Nutzung, Reichweite und auch der Erlog durch sozialen Medien nimmt stetig zu. Das kann auch der 68-Jährige nicht leugnen.

"Der Berater von Rosberg, der das für Nico wirklich exzellent machte, sagte immer: 'Niki, du bist wesentlich mehr wert, wenn du drei Millionen Follower hast'", sagt Lauda im Kurier über den Rosberg-Manager Georg Nolte. "Das mag jetzt naiv klingen, aber ich behaupte, dass im Sport das Resultat reicht."

Rosberg als Beispiel für beide Seiten

Die Fakten sprechen eigentlich für Laudas Argument: Ein zweimal hintereinander vom Teamkollegen geschlagener Rosberg hatte Anfang 2016 noch 1,2 Millionen Facebook-Likes. Der Weltmeister Rosberg hat heute 2,6 Millionen. Dafür hat er aber nicht nur etwas auf der Strecke getan.

Zusammen mit seinem PR-Team hat er auch unter anderem mit zahlreichen Facebook-Live-Schalten an Reichweite gewonnen. Lewis Hamilton hat in gleicher Zeit nur etwa 300.000 Facebook-Fans hinzu gewinnen können. Der dreimalige Champion stand allerdings bereits vor einem Jahr bei über drei Millionen.

Auf diese Zahlenspiele hat Lauda in seinem Alter keine Lust. "Wenn ich heute zu meinem Sponsor gehe und sage, ich habe so und so viele Follower, würde der antworten: 'Ist uns egal'", sagt er. "Meine Bekanntheit hat andere Gründe."

"Weil ich am Nürburgring verunglückt bin. Weil ich drei Mal Weltmeister wurde. Und weil ich jetzt das Mercedes-Team mitführe", zählt er auf. "Darum geht's. Und nicht darum, dass mir Leute antworten, nachdem ich geschrieben habe, dass ich vor fünf Minuten am Klo war."

Lauda: "Die Dynamik ist beängstigend"

Der fünffache Familien-Vater (seine jüngsten Kinder sind die sechsjährigen Zwillinge Max und Mia) und Großvater sorgt sich aber auch im Privaten um die digitale Entwicklung. "Aufhalten kann ich diesen Trend nicht. Für meine Zwillingskinder werden soziale Medien eine wichtige Rolle spielen. Ich kann ihnen nur beibringen: Bitte twittert nicht, wenn ihr aufs Klo geht! Ich kann verstehen, dass es manchmal schwierig ist, das zu trennen. Für mich ist es auch einfacher."

Lauda ist in einer Zeit in den Fokus der Königsklasse gerückt (1971), in der es noch nicht einmal Fernsehübertragungen der Rennen gab. Und er schlägt heute in die Kerbe derer, die sich auch journalistische Sorge um den Social-Media-Trend machen. Mehr Twitter-Präsenz dafür aber weniger Interview-Termine und Hintergrund-Informationen für den Reporter: Das hat schon bei den Auto-Präsentationen beängstigende Dimensionen erreicht.

"Diese Blase mit Facebook, Twitter, Instagram und Co. hat eine ungeheure Dominanz im Leben eingenommen", klagt Lauda. "Jeder will dem anderen beweisen, ob er drei, zehn oder 300.000 Follower hat. Die Dynamik ist beängstigend. 99 Prozent des Inhalts auf Social Media sind Müll. Einige Medien haben sich daran gewöhnt und damit die fundierte Recherche ersetzt."

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