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Timo Scheider über DTM-Erfolgsgewichte: Pokert eine Marke für Norisring-Finale? Im DTM-Titelkampf machen dieses Jahr Details den Unterschied
Motorsport Images

Timo Scheider über DTM-Erfolgsgewichte: Pokert eine Marke für Norisring-Finale?

Der Norisring ist die große Unbekannte der DTM-Saison 2021 - Riskiert ein Hersteller ein schlechtes Hockenheim-Wochenende, um beim Finale im Vorteil zu sein?

"In der Vergangenheit, wo wir auch schon Saisons mit Erfolgsgewichten hatten, haben wir sowas geplant, dass wir am Wochenende vor Norisring nicht so gut sind. Weil wir wussten: 'Wir kriegen sonst Probleme am Norisring.'" Das sagt Timo Scheider im 'ran-racing-Podcast' mit Blick auf den Meisterschaftskampf 2021 und seine eigene Zeit in der DTM.

Das Thema "Erfolgsgewichte am Norisring" ist besonders heikel, denn der Stadtkurs in Nürnberg ist in dieser Saison nicht einfach nur das Saisonhighlight, sondern gleichzeitig auch das Saisonfinale. Und derzeit sieht alles nach einem spannenden Meisterschafts-Vierkampf zwischen Liam Lawson (Ferrari), Marco Wittmann (BMW), Kelvin van der Linde (Audi) und Maximilian Götz (Mercedes-AMG) aus.

Vier verschiedene Fahrer von vier verschiedenen Marken dürfen sich also noch realistische Hoffnungen auf den Titel machen. Das ist zusätzlicher Zündstoff hinter den Kulissen. Zumal ohnehin immer wieder laut darüber spekuliert wird, dass man bei AF-Corse-Ferrari gerne mit der BoP-Einstufung spielt, zuletzt von Dreifach-Champion Rene Rast.

Unter den Voraussetzungen, die das aktuelle DTM-Reglement liefert, wäre es demnach durchaus im Bereich des Möglichen, dass am Hockenheim-Sonntag und/oder am Norisring-Samstag hoch gepokert wird. Denn in Artikel 40.13 ist festgehalten: "Das benannte Erfolgsgewicht ist ausschließlich im darauffolgenden Rennen vom entsprechenden Bewerber im jeweiligen Fahrzeug zu platzieren."

Timo Scheider: Warum auf dem Norisring jedes Kilo zählt

Einer der Titelkandidaten könnte demnach durchaus mit Platz vier oder fünf vorliebnehmen, um beim Finale am Norisring nicht mit Gewichts-Handicap an den Start gehen zu müssen. Zur Erinnerung: Der Sieger eines Rennens muss beim darauffolgenden Lauf mit 25 Zusatz-Kilo starten, der Zweitplatzierte mit 18 und der Drittplatzierte mit 15.

Erfolgsgewichte spielten zuvor in der DTM schon eine gewichtige und auch politische Rolle, bis sie Ende 2017 abgeschafft wurden. Warum man damals im Audi-Lager am jeweiligen Rennwochenende vor dem Norisring scheinbar nicht volles Rohr gefahren ist? Scheider liefert für diese Herangehensweise eine nachvollziehbare Erklärung.

"Am Ende des Tages dreht sich alles um die Performance. Wenn du weißt, du kommst irgendwann an die Strecke, wo du sowieso mit der Bremstemperatur Probleme hast, wo du mit Beschleunigen, Bremsen und Reifenverschleiß Probleme hast, dann ist jedes Kilo, was du Beschleunigen und Abbremsen musst, ein Thema", so der DTM-Meister von 2008/2009.

"Der Norisring ist immer eine spezielle Herausforderung gewesen", betont Scheider. Er nennt dafür die Boxenstopps in der GT3-DTM als Beispiel: "Man steht da, länger als in der Vergangenheit in der DTM. Da kann die Bremsflüssigkeit schon mal anfangen zu kochen."

Erst ein GT3-Rennen in der Norisring-Geschichte

"Dann fährst du raus und das Bremspedal ist weich, weil Luft in der Bremse ist. Das sind Sachen, die kennen die mit dem GT3-Auto noch nicht, und schon gar nicht mit so einer Masse am Norisring." GT3-Rennen gab es auf dem Stadtkurs in Nürnberg in der Vergangenheit schließlich nur zwei an der Zahl.

2008 startete das ADAC GT Masters im fränkischen Monaco. Die Duos Dominik Schwager/Klaus Ludwig (Corvette) und Tim Bergmeister/Marc Basseng (Porsche) gewannen die beiden Läufe im DTM-Rahmenprogramm. GT3-Autos auf dem Norisring zu pilotieren ist daher für alle Fahrer im aktuellen Feld Neuland.

Das alles sind Zutaten für eine dramatische Meisterschaftsentscheidung in der DTM-Saison 2021. Im Titelkampf ist vier Rennen vor Schluss noch alles drin. Lawson, Wittmann, van der Linde oder Götz: Wer fuchst am Ende seine Gegner aus, und mit welchen Mitteln? Das ist die große Frage, die man sich vor dem abschließenden Double-Header stellen muss.

Motorsport-Total.com

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