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Touring Car Masters: Spielberg
Fotos: Peter Tomschi

Touring Car Masters starteten mit Racing vom Feinsten

Mit vielen spannenden Fights und Tür-an-Tür-Duellen verwöhnten die Touring Car Masters ihre Fans via Livestream - hungrige Motorsportfreund:innen, die beim Saison Opener in Spielberg erneut nicht zugelassen werden konnten, erlebten kurzweilige, höchst spannende Sprint- und Enduranceläufe. In den Tabellen führen Georg Karner (Sprint) und Alois Rieder (Endurance).

Der Autor dieser Zeilen soll auf der Stelle - nein, entschuldigen Sie, das würde wenig Sinn ergeben - nein, er soll einfach binnen drei Tagen nach Versand dieser Presseaussendung tot umfallen - und zwar in jenem Fall, wenn er das Folgende nicht ehrlich meinen sollte und es also in der Folge auch nicht argumentieren könnte: Die Rennen der Touring Car Masters waren beim Saisonauftakt auf dem Red Bull Ring allesamt nicht nur spannend und sehenswert, sondern hatten auch ihre kleinen und großen Dramen, die Dramaturgie macht das Rennen, welche Rennserie auch immer- und: Mit diesen Rennen wurde auch aufgeräumt mit - in den letzten Jahren ohnehin spürbar weniger gewordenen Sprüchen, wonach die Damen und Herren TCM-Piloten, ganz sicher keine Teenies auf dem Weg in die Formel 1, ihre teuren Fahrzeuge inklusive sich selbst schonen würden. Die TCM hat in letzter Zeit bereits des Öfteren spannenden Motorsport geboten - und sie hat die neue Saison, die leider wieder unter dem widerlichen „Banner“ des Coronavirus beginnt, mit ausgezeichneten Rennläufen eröffnet, obschon sich die bisherigen Meister und Hauptdarsteller dieser noch jungen Rennserie, wie Erich Kirchmayr, Clemens Stadler oder John Ford quasi durch die Bank entschuldigen ließen. Sie alle werden aber, so bald es geht, in die laufende Saison einsteigen...

Georg Karner als verlässlicher „Zwischentitel-Umsetzer“

Aufmerksame Leser:innen unserer TCM-Aussendungen wissen, dass sich der Autor dieser Zeilen normalerweise nicht selbst erwähnt. Daher seien Sie unbesorgt - dass es nun gleich zweimal geschieht, ist reiner Zufall. Denn selten kommt es vor, dass eine Zwischenüberschrift von einem Piloten derart konsequent umgesetzt wird. „Georg Karner will es wissen“ lautete dieser „Zwiti“ in der Vorschau - dass Karner bereits im Vorjahr mehrmals sein großes Potential gezeigt hat, war noch lange keine Garantie dafür, dass es auch so kommen wird - noch dazu in der maximalst möglichen Form.

Schließlich sind am vergangenen Wochenende wirklich starke, in manchen Fällen aber auch schwer einschätzbare Piloten in die TCM gekommen. Beim bislang erfolgreichsten Rennfahrer aller Zeiten, Michael Schumacher, reichten rund drei Jahre Pause und ein Fahrzeugwechsel, um das Formel 1-Publikum von Grand Prix zu Grand Prix zu enttäuschen - „Schumis“ Landsmann Rupert Atzberger pausierte satte 19 Jahre (!), ehe er mit dem bildhübschen KTM X-Bow GTX in den Motorsport zurückkehrte. Einige Testfahrten, rund 1.000 Runden hat Atzberger im Vorfeld absolviert - wohlwissend, dass es sich im Vergleich zu seinen vor zwei Jahrzehnten pilotierten Autos um eine völlig andere Technik handelt...

Nach dem Qualifying für das erste Sprintrennen war klar: Enttäuscht hat Ruper Atzberger wenn überhaupt, maximal sich selbst - denn nur einer konnte schneller als der Rückkehrer fahren: Bernhard Löffler in seinem aus dem Vorjahr wohlbekannten Lamborghini Hurracan GT3. Die beiden Augenweiden, der schwarze Lambo und der ebenfalls dunkel gehaltene KTM X-Bow GTX waren eine gute „Visitenkarte“ in der ersten Reihe des ersten Laufs 2021. Allerdings nur so lange, bis das Feld auf die Strecke gesandt wurde. Die Techniker von HB Racing bemühten sich redlich - doch der Lambo wollte offenbar überhaupt nicht. Für Bernhard Löffler bedeutete dies, dass selbst wenn man das Problem bis zum Sonntag findet, er im zweiten Lauf von ganz hinten losstarten muss.

Für die Fans am Livestream wiederum ein möglicher Garant für eine interessante Aufholjagd mit spannenden Überholmanövern - dass man den Überblick zu keiner Zeit verlor, war das Werk des Kommentators Georg Gruber - Kompetenz und Charme als wunderbarer Trost für die Racingfans, da die Veranstaltung wie alle anderen in der fordernden dritten Pandemie-Welle nicht für Zuschauer zugelassen werden konnte...

Rennen 1: Zwei Fighting-Paare & ein explosiver Pulk

Relativ bald nach dem Start konnte sich Georg Karner an das Heck des führenden GTX heransaugen und gehörig Druck auf Leader Rupert Atzberger machen. Und weil sämtliche guten Dinge IMMER drei sein sollten, kommt noch einmal der Autor dieser Zeilen respektive dessen Mitschrift vor. Mindestens viermal findet man dort die Notiz: „Karner macht Druck auf Atz“. In Runde 7 dann schaut es zunächst so aus, als könnte Karner ausscheren und sich nun endgültig am GTX vorbeikämpfen - doch einmal mehr bleibt Atzberger vorne. Später, in einer der Boxen werden beide begeistert ihren Fight Revue passieren lassen, nicht ohne mehrmals zu betonen: „Es war ein knallhartes Duell - doch der Kampf war immer fair! Wir haben einander stets den nötigen Raum gelassen.“

Dahinter entwickelte sich zwischen dem drittplatzierten Denis G. Watt (Porsche 991 Cup II) und Stefan Fuhrmann (Porsche 991 GT3 Cup) ein stets an Dramatik zunehmender Fight. Zur Halbzeit nahmen die beiden nicht nur eine der Kurven Tür an Tür. Hart wurde Meter um Meter gekämpft, ohne jedoch das Gegenüber in eine Bedrängnis zu bringen. Doch dann, eine Runde vor dem Ziel, kommt es zur Kollission, die das Rennen für beide beendet.

Schon vor Rennhalbzeit begeistert das Trio Manuel Süßenguth, Gerald Hofer und Gastpilot Alois Rieder mit einem beherzten Fight - letztendlich konnte sich der schnelle Gastpilot durchsetzen. Dem es an Selbstbewusstsein ganz sicher nicht mangelt - eigentlich hätte er kommen und siegen wollen, sagt er wohl nicht hundertprozentig ernst gemeint, aber sicher zu 95 Prozent. So kann er jedoch erneut kommen - die Fans der Touring Car Masters haben sicher nichts dagegen. Schließlich konnte sich Rieder in der achten Runde mit einem gekonnten Manöver an dem ebenfalls erstklassig fahrenden Gerald Hofer sowie an Franz Lahmer vorbeikämpfen.

Am Ende feierte Ruper Atzberger den Rennsieg knapp - exakt 0,594 Sekunden vor Georg Karner - weil die Klassen 6 und 7 in der Sprintwertung der TCM nicht punktberechtigt sind, holte sich Karner somit die Optimalpunkteanzahl. Auf den Rennplätzen 2,3 und 4 also das Podium der Sprintmeisterschaft: Georg Karner vor Alois Rieder und Franz Lahmer. Auf Rang fünf der Sieger der Klasse 4, Gerald Hofer - die Klasse 2 gewann Daniel Drexel. Bei den KTM X-Bow gab es zudem ein schönes Duell zwischen Jungpilot Drexel und Bob Bau.

Das Premierenrennen der neu in die Touring Car Masters hinzugestoßenen Klasse 1 für TCR-Fahrzeuge konnte der 19-jährige Jungpilot Leo Pichler im Seat Leon TCR auf Gesamtrang zwölf klar für sich entscheiden, zumal Peter Eibisberger im Opel Astra TCR einen Ausfall zu beklagen hatte.

Rennen 2: Rote Flagge & mehrmaliger Führungswechsel

“A Trottel war i“, kommentierte sympathisch-ehrlich Bernhard Löffler, als er noch während des zweiten Laufs in der HB Racing Box erschien. Auf kalten Reifen drückte Löffler während der Einführungsrunde in einer ungünstigen Passage irrtümlich auf den Speedlimiter, wodurch das Heck seines Lamborghini Hurracan GT3 ausbrach und der Lambo schließlich an einer Leitplanke zum Stillstand kam. Erneut also keine einzige Rennrunde für Löffler - und das nach der Bestzeit im Qualifying...

Weil die Streckenposten ziemlich viel aufzuräumen hatten wurde das Feld zunächst vom Safety Car ein paar Runden lang angeführt, um es schließlich bei roter Flagge in die Boxengasse zurückzubringen, wo das Rennen unterbrochen wurde.

Nach dem Restart waren nur noch sechs Runden zu fahren. Georg Karner nützte in seinem Porsche 991 GT3 Cup die Startrunde, um gleich einmal den KTM X-Bow GTX von Rupert Atzberger zu überholen. In der fünften und somit vorletzten Runde jedoch konterte der Deutsche und eroberte die Führung zurück - dass er letztendlich nur als Zehnter im Klassement zu finden ist, liegt an den 30 Strafsekunden, die er wegen Überholen unter Gelb von den Sportkommissären aufgebrummt erhielt.

Somit fehlten Alois Rieder lediglich fünf Zehntelsekunden auf den nunmehrigen Sieger Georg Karner, sowohl im Rennen als auch in der Klasse 5 landeten der erwähnte Alois Rieder und Franz Lahmer auf dem Podium. Auf Gesamtrang vier konnte Gerald Hofer erneut die Klasse 4 der etwas schwächeren Porsche für sich entscheiden. Die Klasse 2 der Battle-X-Bow gewann erneut Daniel Drexel, in der Klasse 1 gab es ein elektrisierendes Duell der beiden TCR von Peter Eibisberger und Leo Pichler - diesmal hatte der aufstrebende Junior das Nachsehen, allerdings nur um winzige zwei Zehntelsekunden.

Tabellenleader Karner: „Die Saison ist noch jung“

Mit maximal möglichen 50 Punkten führt Georg Karner in der Sprint-Gesamttabelle vor Alois Rieder (36 Punkte) und Franz Lahmer (30). Wie er es zunächst schaffen konnte, den deutschen GTX-Piloten zu überholen, verriet Karner gleich nach dem Rennen in einem Video-Interview mit der Facebook-Seite der Touring Car Masters: „Ich habe nach dem Restart sehr auf das Aufwärmen gesetzt und dann meinen Porsche/Brembo-Bremsen vertraut , die mich durch die Remus-Kurve an Rupert vorbei getragen haben, so konnte ich mich für zwei Runden vor ihm breit machen, doch es hat nicht ganz gereicht, da er mich in der vorletzten Runde wieder überholen konnte. Ich hatte in der ersten Kurve einen leichten Einlenkfehler und schon hatte er mich. Dass er davor unter Gelb überholt hat, irritierte auch mich - für ihn ist es schade, dass er wegen der Zeitstrafe den Rennsieg verloren hat, denn er hätte das Rennen gewonnen.“

Zu seiner deutlichen Tabellenführung sagte Karner: „Die Saison ist noch jung - und ich hoffe, dass ich meine Leistung bei den weiteren Rennen konstant abrufen kann.“

1h-Rennen: Atzberger/Kox siegen - Rieder gewinnt TCM-Endurance

Für sein starkes Comeback nach 19 Jahren Pause hatte Rupert Atzberger für das einstündige Langstreckenrennen einen weiteren Talont in der Hand: die holländische Rennfahrerlegende Peter Kox pilotierte die halbe Rennzeit den KTM X-Bow GTX. Das Duo qualifizierte sich auf Poleposition - als Nachbar in der ersten Reihe winkte Bernhard Löffler, der sich nunmehr mit seinem Stallkollegen Roland Hartl einen der beiden HB Racing Lambos teilte.

Diese beiden Teams landeten letztendlich auch auf den gleichen Plätzen im Klassement - für die Endurance-Wertung der TCM sind aber beide Fahrzeugklassen nicht punktberechtigt, sodass Gastpilot Alois Rieder zumindest in der Endurance-Wertung das berühmte „Er kam, sah und siegte“ für sich beanspruchen kann. Stefan Fuhrmann und Gerald Hofer landeten in der Endurance-Wertung auf den Plätzen zwei und drei und belegen der Logik zufolge auch in der Endurance-Tabelle diese Positionen.

Ende April/Anfang Mai ist auf dem Slovakiaring das zweite Rennwochenende der Touring Car Masters in die Terminkalender der TCM-Family gebrannnt - ob es stimmt, dass der Monat Mai „alles neu“ macht, werden Nenn- und später die Ergebnislisten der TCM offenbaren. Eines ist sicher: Die Spannung bleibt bestehen - we are racing.

TCM-Kalender 2021

9.-10.4. Red Bull Ring (Österreich)
30.4.-1.5. Slovakiaring (SLO)
Weitere Termine:
28.-30.5. Salzburgring (Österreich)
Alternativtermin: 17.-19.9.
18.-19.6. Grobnik (Kroatien)
20.-21.8. Slovakiaring (SLO)
Ersatztermin falls eine Veranstaltung wegen Covid19 ausfällt:
8.-10.10. Adria Raceway (Italien)

Die Punktestände 2021:

Sprint gesamt:
1. Georg KARNER 50 Punkte
2. Alois RIEDER 36 Punkte
3. Franz LAHMER 30 Punkte
4.Gerald HOFER 24 Punkte
5. Alex G. ELLINGER 20 Punkte
6. Manuel SÜSSENGUTH 12 Punkte
7. LAFIX 8 Punkte
=. Stefan FUHRMANN 8 Punkte
9. Denis G. WATT 6 Punkte
10. Bob BAU 4 Punkte

Sprint Klassen-Leader
TCM1: Peter EIBISBERGER & LEO PICHLER
TCM2: Daniel DREXEL
TCM4: Gerald HOFER
TCM5: Georg KARNER
TCM6: Roland HARTL
TCM7: Rupert ATZBERGER

Endurance gesamt:
1. Alois RIEDER 25 Punkte
2. Stefan FUHRMANN 18 Punkte
3. Gerald HOFER 15 Punkte
4. Franz LAHMER 12 Punkte
5. Manuel SÜSSENGUTH 10 Punkte
=. Georg ZOLTAN 10 Punkte
7. LAFIX 8 Punkte
9. Daniel DREXEL 6 Punkte
10. Leo PICHLER 4 Punkte
=. Andreas HÖFLER 4 Punkte

Endurance Klassen-Leader
TCM1: Leo PICHLER & Andreas HÖFLER
TCM2: Daniel DREXEL
TCM4: Stefan FUHRMANN
TCM5: Alois RIEDER
TCM6: Roland HARTL & Bernhard LÖFFLER
TCM7: Rupert ATZINGER & Peter KOX

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