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Nordschleife: endlich Lückenlose Überwachung Die Bagger rollen wieder auf der Nürburgring-Nordschleife
Nürburgring

Endlich: Lückenlose Überwachung der Nürburgring-Nordschleife ab 2025

Der Nürburgring arbeitet an einer umfangreichen Digitalisierungsmaßnahme, mit der sich die Nordschleife lückenlos überwachen lassen wird

Der lange geforderte vollständige Ausbau der Glasfaser-Infrastruktur auf der Nürburgring-Nordschleife wird in Angriff genommen. Es handelt sich um nur eine von zahlreichen Maßnahmen zur digitalen Infrastruktur rund um die 20,832 Kilometer lange Nürburgring-Nordschleife in den nächsten beiden Jahren. Das ganze System soll Anfang 2025 in Betrieb gehen.

Die Bagger sind bereits angerollt und es laufen umfangreiche Erdarbeiten. Die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG spricht von einem "der umfangreichsten Bauvorhaben in der bald 100-jährigen Geschichte des Nürburgrings", mit dem neue Maßstäbe gesetzt werden sollen.

Es handelt sich um die Umsetzung eines weitreichenden Projekts, das im Kleinen in den vergangenen zwei Jahren auf der Döttinger Höhe bis zum Übergang auf den Grand-Prix-Kurs erprobt worden ist. Die Maßnahmen sind:

- Verlegung unterirdischer Strom- und Glasfaserkabel um die gesamte Strecke
- Errichtung sturmfester Masten für spezielle HD-Kameras
- Aufbau von Off-Grid-Systemen (lokale, unabhängige Photovoltaik-Anlagen)
- Aufbau von LED-Panels für digitale Warn- und Flaggensignale

Künstliche Intelligenz ermöglicht Überwachung

Dabei wurde unter anderem in Zusammenarbeit mit dem japanischen IT-Konzern Fujitsu eine künstliche Intelligenz (KI) entwickelt. Diese soll dem Nürburgring zufolge "Gefahren, Unfälle oder sonstige außerplanmäßigen Ereignisse auf der Strecke erkennen und die Einsatzleitung dabei unterstützen, umgehend Maßnahmen zu ergreifen".

Hintergrund ist, dass die lückenlose Überwachung dadurch erst möglich wird. Durch die schiere Länge der Nordschleife lässt diese sich durch Menschen nicht in diesem Maße überwachen - oder es bräuchte einen Personalaufwand, der in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen würde. Die KI wird noch während des Baubetriebs ständig weiterentwickelt.

Bis jetzt absolvierte die KI bereits ein umfassendes Training und lernte verschiedene Bestandteile der Rennstrecke, wie "Fahrbahn", "Wiese", "Schotter", "Leitplanken" sowie die Fahrzeuge entsprechend einzuordnen.

Dazu gehört auch die Differenzierung zwischen verschiedenen Abweichungen wie Regen oder Schattenwurf sowie Fahrbahnverschmutzungen, Gegenständen oder Lebewesen. Die in Echtzeit erhobenen Daten werden unmittelbar einem System übergeben, das weitere Schritte, Alarmierungen und Warnungen auslösen kann.

Das ist insbesondere bei Touristen-, Einstell- oder Testfahrten (Industriepool) von Vorteil, wenn nicht alle Streckenposten besetzt sind und Ereignisse manchmal erst mit Verzögerung bei den Entscheidern einlaufen. Künftig können sie sich selbst im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild machen.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Nordschleife damit weiter entmystifiziert wird. Geschichten, von denen das 24-Stunden-Rennen lebt - etwa das Schnorren von Zigaretten am Streckenposten mitten im Rennen - sind schon seit Einführung von Onboard-Kameras nicht mehr möglich.

Mit der lückenlosen Überwachung fällt nun der Schleier des Abenteuers und des Mysteriösen weiter - ein Phänomen, mit dem beispielsweise der Rallyesport zu kämpfen hat.

Umwelt-Rating seit Anfang des Jahres

Außerdem verfügt der Nürburgring seit Beginn des Jahres über eine offizielle FIA-Umweltakkreditierung. Der Nürburgring erhält dabei zwei von drei Sternen. Jeder Stern muss einzeln beantragt und nach zwei Jahren erneuert werden - jeweils gegen eine FIA-Gebühr.

Der Automobil-Weltverband hat eine umfassende Liste mit 17 Punkten angelegt, die sich beispielsweise mit Emissionen, Biodiversität, Lieferketten, und Energie befassen.

Im Rahmen des Prüfverfahrens punktete der Nürburgring unter anderem mit 100 Prozent Ökostrom aus Wasserkraftwerken, Investitionen in Solarenergie (siehe oben) und intelligente Messsysteme für eine effiziente Gebäudeenergiesteuerung. Auch die Investitionen in die Ladesäuleninfrastruktur für Elektrofahrzeuge schlugen positiv zu Buche.

Der Nürburgring nennt dies allerdings nur einen "Zwischenschritt". Zur Erlangung des dritten Sterns plant die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG Verbesserungsprozesse in Sachen Abfallwirtschaft und Umgang mit Wasser. Beim Thema Lärm verfügt der Nürburgring bereits über Grenzwerte, die weit unter den FIA-Vorgaben liegen und ständig überwacht werden.

Nach mehreren Jahren von Neuasphaltierungen handelt es sich beim Aufbau der digitalen Infrastruktur nun um ein Großprojekt auf völlig anderer Ebene, das aber ebenso die Zukunftsfähigkeit der Rennstrecke gewährleisten soll.

Motorsport-Total.com

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