Zwei Reifentöpfe und "Lex Rene Rast" | 21.04.2026
So sieht das neue DTM-Reglement aus
Die DTM hat kurz vor dem Auftakt das Reglement 2026 veröffentlicht: Wie die Teams jetzt strategisch gefordert werden und was es mit der Lex Rene Rast auf sich hat
Die DTM hat wenige Tage vor dem Auftakt in Spielberg, der dieses Wochenende stattfindet , das finale Reglement für die Saison 2026 veröffentlicht. Die zentrale Neuerung der Saison ist der exklusive DTM-Spezialreifen, der neben besseren Rundenzeiten und mehr Abbau vor allem eine bessere Kontrolle der DTM-Testbeschränkung ermöglichen soll, da die Pneus ausschließlich in der DTM genutzt werden und von den Teams an Pirelli zurückgegeben werden müssen.
Während ursprünglich sogar Thema war, dass die Teams pro Fahrzeug zum Beispiel 50 Reifensätze für die ganze Saison erhalten und dann komplett frei selbst entscheiden dürfen, wann sie diese nutzen, haben sich die Verantwortlichen nun für ein Zwei-Topf-System entschieden.
Was den Renntag-Topf angeht, bleibt die Regelung im Grunde unverändert: Wie bisher erhalten die Teams für den Saisonauftakt, der dieses Jahr in Österreich stattfindet, das Saisonfinale in Hockenheim sowie die reifenmordenden Strecken Zandvoort und Sachsenring vier Satz neue Reifen für die zwei Renntage.
Neues Reifenkonto für limitierte Tests und Freitage
Am Lausitzring, am Norisring, in Oschersleben und am Nürburgring sind es drei. Auch die Regelung, dass es am Samstag einen und am Sonntag zwei Pflichtstopps gibt, bleibt 2026 bestehen .
Große Änderungen gibt es beim Topf der Reifen für die limitierten DTM-Tests und Freie Trainings: Diese Sätze werden nicht einfach pro Wochenende verteilt, sondern auf einem laufenden Konto geführt. Je ein Satz neuer Reifen werden dem Auto gutgeschrieben, wenn es an einem DTM-Wochenende teilnimmt. Reifen für die vier offiziellen Testtage und den einen privaten Testtag bekommt man immer, egal ob man wirklich fährt oder nicht.
Verbraucht man Reifen, werden sie vom Konto abgezogen. Das Konto darf niemals ins Minus gehen. Damit zwingt die DTM die Teams zu strategischem Denken: Wer früh in der Saison viele neue Reifen verbraucht, hat später weniger zur Verfügung.
Drei neue Reifensätze in einem Freien Training erlaubt
Dafür ist es diese Saison theoretisch möglich, in einem Freien Training sogar drei neue Reifensätze zu nutzen. Denn es gibt Obergrenzen, wie viele neue Reifensätze überhaupt eingesetzt werden dürfen: Im Freien Training sind es maximal drei neue Sätze, bei einem offiziellen Testtag sind es sechs neue, bei einem privaten Testtag vier neue. Selbst wenn man also theoretisch noch viele Reifen auf dem Konto hat, darf man sie nicht unbegrenzt einsetzen.
Pro Rennwochenende dürfen in den zwei Freien Trainings maximal drei Reifensätze gefahren werden. Die Teams dürfen dabei auch auf ältere Reifen zurückgreifen - sogenannte Carry-Over-Sätze von früheren Rennwochenenden oder Tests.
Nach jedem Testtag und Rennwochenende greift eine klare Obergrenze: Pro Fahrzeug dürfen maximal fünf Reifensätze im Besitz des Teams bleiben. Alles darüber hinaus muss an Pirelli zurückgegeben werden - und ist damit endgültig aus dem Spiel. Diese Reifen werden aus der Zuteilung gestrichen und dürfen später nicht mehr verwendet werden.
Wie die DTM einen Reifen-Schwarzmarkt verhindern will
Eine Ausnahme gibt es nur für den offiziell genehmigten privaten Testtag: Dafür dürfen pro Auto bis zu vier zusätzliche neue Reifensätze aus der bestehenden Zuteilung bezogen werden. Der Haken: Diese zusätzlichen Reifen müssen vor dem nächsten Einsatz wieder zurückgegeben werden.
Damit will die DTM verhindern, dass der neue DTM-Reifen auf dem Schwarzmarkt verkauft wird und die Teams überhaupt die Möglichkeit zu unerlaubten Tests haben. Private Tests auf DTM-Strecken sind auch mit dem bisherigen Pirelli P Zero DHG nur im Rahmen der streng limitierten fünf Testtage pro Auto erlaubt.
Tests auf Kursen, die 2026 nicht Teil des DTM-Kalenders sind, sind hingegen für DTM-Teilnehmer auch mit dem neuen Spezialreifen erlaubt. Man müsste sich dabei allerdings aus dem während der Saison erhaltenen Reifenkontingent bedienen.
"Lex Rene Rast": Reglementlücke wurde geschlossen
Abgesehen davon wurde auch eine Reglementlücke aus dem Vorjahr geschlossen und eine Art "Lex Rene Rast" eingeführt: Denn das Schubert-Team nutzte im Vorjahr beim Sieg des Ende 2025 zurückgetretenen BMW-Piloten auf dem Nürburgring ein Schlupfloch im Reglement, als man wegen einer beschädigten Felge vor dem Restart einen zusätzlichen Reifen vom Freitag ins Kontingent holte.
Weil Schubert am anderen Rad die beschädigte Felge später durch eine intakte ersetzte, hatte man einen Reifen mehr zur Verfügung als die Rivalen. Dieser Vorteil wäre jetzt nicht mehr möglich, denn 2026 müsste das ausrangierte Rad aus dem Reifenkontingent gestrichen werden.

















