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"Wir arbeiten hart an der Performance"

Auch McLaren-Teamchef Ron Dennis ist nicht zu 100 Prozent vom neuen Boliden überzeugt, sollte man in Australien zurückliegen, sei Selbstvertrauen gefragt...

Wir wissen: In der Formel 1 der Gegenwart werden Aussagen der Protagonisten nur noch in homöopathischen Dosen verabreicht. Und Aussage ist nicht gleich Aussage. Es gibt Aussagen, die wenig oder auch gar nichts aussagen, und diese nichts aussagenden Aussagen überwiegen im modernen Grand Prix-Sport. Kritik am eigenen Team oder Zweifel an der eigenen Konkurrenzfähigkeit sind nicht im Sinne der Marketingmaßnahme Formel 1 und daher nicht zulässig.

McLaren-Mercedes ist ein Paradebeispiel für das moderne Formel 1-Marketing. Testpilot Alex Wurz darf keine eigene Homepage veröffentlichen. Pilotenaussagen müssen mit dem Pressesprecher abgestimmt werden. Umso erstaunlicher waren die in letzter Zeit geäußerten Zweifel der Einsatzpiloten Kimi Räikkönen und David Coulthard, sowie jene von Testfahrer Alex Wurz.

Der Österreicher erklärte vor einigen Tagen, für ihn habe der BMW-Williams FW26 die Nase vorne. Räikkönen gestand öffentlich: „Es war schwer einen guten Eindruck vom Auto zu bekommen, da wir einige Probleme damit hatten und noch immer haben und ich konnte nicht genügend Tage damit fahren.“ Die Zuverlässigkeit des MP4-19 bereitet auch David Coulthard Sorgen – er überraschte gestern mit der Aussage, er wäre lieber schnell und unzuverlässig als langsam und zuverlässig...

Nun hat McLaren-Mercedes auf der teameigenen Website ein Interview mit Teamchef Ron Dennis veröffentlicht. Und obwohl rund 90 Prozent der Aussagen des Ron Dennis in die eingangs beschriebene Kategorie der inhaltsleeren Allgemeinformulierungen einzuordnen sind, räumt sogar der ob seiner Schmallippigkeit bekannte Edelmanager in den restlichen zehn Prozent gewisse Zweifel ein. Sollte man in Down Under zurückliegen, würde man über genügend Selbstvertrauen verfügen, um den Rückstand im Laufe der Saison aufzuholen.

Ist also Adrian Newey’s Wunderwaffe MP4-19 ähnlich wie der Vorgänger MP4-18 zwar schnell, aber filigran und wenig haltbar? Blufft McLaren-Mercedes? Möchte man die Konkurrenz in Sicherheit wiegen? Oder ist wirklich Feuer am Dach? Gerüchten zufolge soll der Motor keine 800 Kilometer halten, angeblich müsste man aus diesem Grund zumindest am Saisonbeginn die Drehzahl reduzieren.

Doch Gerüchte sind Gerüchte und entstehen immer aus Mangel an echten Informationen. Eine wirkliche Antwort auf all diese Fragen wird man auch von Ron Dennis nicht erhalten, wohl aber wird der erste Grand Prix der neuen Saison Aufschluss geben. Hier die vier Fragen an McLaren-Teamchef Ron Dennis:

Wie gut ist das Team auf den Saisonstart vorbereitet?

Die Saison 2004 entwickelt sich gut. Wir haben viele Testfahrten unternommen, welche nicht ganz ohne Probleme abliefen, aber dafür sind Tests ja auch da. Die meiste Zeit über waren wir bei den Tests sehr konkurrenzfähig, aber klarerweise kann man in diesem Stadium nicht wissen, wie stark die Konkurrenz einzuschätzen ist. Wie auch immer, die Dinge haben sich in die richtige Richtung entwickelt und wir sind mit unseren Fortschritten sehr zufrieden.

Können Sie uns etwas über das beabsichtigte Entwicklungsprogramm mit dem McLaren-Mercedes MP4-19 sagen?

Wenn wir in Australien den ersten Grand Prix starten, werden wir vier Chassis zur Verfügung haben, und nach unserer Rückkehr werden es dann fünf Chassis sein. Wir haben ein extrem intensives Entwicklungsprogramm vor uns, welches sich in den nächsten Monaten entfalten wird und welches uns hoffentlich mit zusätzlicher Konkurrenzfähigkeit versorgen wird.

Wenn wir in Australien eine starke Performance aufbauen könnten, wäre das großartig. Sollten wir in Australien ein wenig zurück liegen, wird uns das sicher das Vertrauen geben, dass wir aufholen können, denn wir arbeiten konstant und sehr hart an der Verbesserung unserer Performance.

Sind Sie ob der neuen Regeln im Jahr 2004 besorgt?

Das Regelwerk des Jahres 2004 hat eher die Art und Weise verändert, wie wir Motorsport betreiben, die Konfiguration des Wagens ist nicht so sehr betroffen. Wir haben uns an die relativ geringfügigen Änderungen wie dem Verbot der Launch Control oder dem Verbot der Automatikschaltung gut angepasst.

Erfreuen Sie sich des Grand Prix-Sports immer noch in jenem Maße, in welchem Sie dies am Beginn Ihrer Karriere taten?

Ich betrachte den Grand Prix-Sport klarerweise schon ein wenig nüchterner, aber das bedeutet nicht, dass da keine zu Grunde liegende tiefe Leidenschaft und Liebe für den Rennsport vorhanden ist. Das ist es ja, was mich antreibt.

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