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Formel 1: News

Max Mosley schreibt wieder Briefe

In einer langen Presseaussendung rechtfertigt sich die FIA für ihr Vorgehen – zugleich heißt es: „Technische- oder Budget-Freiheit – beides geht nicht!“

"Die FOTA hat zwei klare Ziele: Die Regeln der Formel 1 selbst schreiben und sich die kommerziellen Rechte sichern". So lautet der Kernsatz einer neuen Veröffentlichung der FIA, die ausführlich noch einmal den Ursprung des aktuellen Disputs aus ihrer Sicht darlegt. "Worum geht es bei dem Disput? Geht es um den Versuch einiger Teams, sich die kommerziellen Rechte zu sichern? Oder ist es nur ein Streit von Einzelnen? Oder will man der FIA die Hoheit über das Regelwerk entreißen? Es geht um all dies", heißt es in der Erklärung.

"Es geht auch um technische Freiheiten. Aus Sicht der FIA und einiger Teams kann es technische Freiheit geben, die Freiheit für Innovationen. Man kann auch die Freiheit für unbegrenzte Ausgaben haben, aber beides gemeinsam geht nicht", stellte die FIA ihre Sicht der Dinge dar. Man habe am Beispiel des Wettlaufs der Motorenentwicklung vor einigen Jahren viel gelernt. Die Kosten seien nur durch eine Einfrierung der Entwicklung gesenkt worden, einen anderen Weg habe es nicht gegeben.

"Kostensenkung nur mit klaren Regeln"

"Wenn man diese Erkenntnisse auf ein gesamtes Formel-1-Auto überträgt, dann muss man einsehen, dass man es kaum schafft, die Kosten zu senken, ohne klare Regeln dafür zu schaffen. Das hat beim Motor nicht funktioniert und das wird beim Chassis nicht funktionieren", schrieb die FIA weiter. Mit einem Verbot von Materialien oder der Einführung kleinerer Triebwerke habe man dem Kostendruck nicht Herr werden können. "Wie beim Motor, könnte man nur Ersparnis erzielen, wenn man das Chassis einfriert. Das wäre absurd."

FIA und Rechteinhaber FOM hätten die Formel 1 in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten zur größten Motorsportveranstaltung der Geschichte gemacht. Dass die FOTA nun versuche, die Macht über Regelwerk und Kommerz zu übernehmen, sei aus Sicht der FIA nicht hinnehmbar. Der Motorsport-Weltverband machte deutlich, warum man den Aussagen der Werksteams nur bedingt traut.

"Als sich Honda 2008 zurückzog, war das Team bereits für 2009 eingeschrieben und somit eigentlich an die Formel 1 gebunden. Das Beispiel hat uns gezeigt, dass jeder Hersteller jederzeit aufhören könnte. Die FIA hat keine Handhabe in einem solchen Fall. Außerdem wurde uns klar, dass sich womöglich zum Jahr 2010 noch weitere Hersteller verabschieden werden", so die Einschätzung von Max Mosley und seiner FIA. Renault, Toyota und das BMW Sauber F1 Team würden angeblich auf der Kippe stehen.

Keine Garantien der Werksteams

"Die FIA musste reagieren. Wir haben zwei Schritte vollzogen. Zuerst haben wir Herrn di Montezemolo gefragt, ob es eine Garantie der Hersteller gibt, auch 2010 an der Formel 1 teilzunehmen. Zweitens sind wir in Gespräche mit der FOTA getreten, mit dem Ziel, die Kosten auf ein Niveau zu senken, sodass ein Rückzug von Herstellern unwahrscheinlich wird, Privatteams weiterhin überleben können und vielleicht offene Startslots durch neue Teams aufgefüllt werden können."

"Di Montezemolo versprach, uns die Garantien der Hersteller vorzulegen. Er hat das am 23. Februar noch einmal in einem Meeting bekräftigt. Seither ist jedoch nie ein solches Schriftstück vorgelegt worden. Es gab nicht einmal von di Montezemolos Muttergesellschaft FIAT eine solche Garantie", schrieb die FIA. Man habe gleichzeitig seitens der FOTA alle Gesprächsangebote bezüglich weiterer Kostensenkungen abgelehnt. "Das sei nicht nötig, sagte man der FIA."

Die FIA selbst sei unterdessen unter Zugzwang geraten. Man wollte unbedingt neue Teams für 2010 anlocken, brauchte also ein Regelwerk. Auf Grundlage dessen hätten sich potenzielle Neulinge Gedanken über einen Formel-1-Einstieg machen können. "Die FIA musste entscheiden, in welchem finanziellen Rahmen könnte ein neues Team agieren und wir mussten sicherstellen, dass ein Team mit begrenztem Budget nicht gefährlich langsam ist."

"FOTA will gar keine Einigung"

Daher habe der Weltrat im März eine freiwillige Budgetgrenze und technische Freiheiten für Budgetlimit-Teams auf den Weg gebracht. "Ferrari hat in diesem Zusammenhang zwar gegen das Budgetlimit, nicht aber gegen die technischen Freiheiten gestimmt." Klartext: Ferrari hatte sich angeblich nicht sofort entschieden gegen das Parallel-Reglement gewehrt. Weder die FOTA, noch Ferrari-Präsident di Montezemolo seien anschließend zu Gesprächen bereit gewesen.

Der Höhepunkt des Disputs sei aus Sicht der FIA Ende vergangener Woche erreicht worden. Nach einer fünfstündigen Sitzung sei man sich in fast allen Details eines möglichen Kompromisses einig geworden. Man vereinbarte, dass sich die Finanzexperten am Montag mit den restlichen Einzelheiten beschäftigen sollten. "Doch die FOTA gab sofort ein Statement heraus, in dem es hieß, dass keine Fortschritte erzielt worden seien. Eine solche Unwahrheit legt nur einen Schluss nahe: Die FOTA ist an einer Einigung gar nicht interessiert."

Die FIA widersprach der Teamvereinigung in allen Punkten. Man habe bereits mehr technische Freiheiten für alle Teams etabliert, man sei in der Formel 1 auf ein unabhängiges Gremium als Regelwächter angewiesen, man könne sich auf nur ein einziges Reglement einigen, die Teams dürften ihre Ausgaben allein kontrollieren und die DNA der Formel 1 bliebe erhalten. Schlusssatz: "Die FIA arbeitet entschlossen an einer Einigung und ist bereit, einen tragbaren Kompromiss einzugehen." Man fügte der Erklärung viele Dokumente als Nachweis der eigenen Bemühungen an. Natürlich handelte es sich nur um Auszüge der umfangreichen Korrenspondenz der vergangenen Monate.

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