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Jean Todt im Pressegespräch

FIA-Präsident Jean Todt stellte sich im Rahmen einer Pressekonferenz im Wiener Hotel Sacher den Fragen der Journalisten - motorline.cc war dabei.

Michael Noir Trawniczek
Foto: ÖAMTC/APA-Fotoservice/Hautzinger

FIA-Präsident Jean Todt im Wiener Hotel Sacher. Der Franzose verrät den geladenen Journalisten, dass er einen Landsmann bewundern würde, nämlich Dietrich Mateschitz.

Todt präzisiert: „Als er begonnen hat, dachten nicht viele Leute, dass er es schaffen würde. Und er fand einen jungen Piloten, vom Kartsport an – und es hat funktioniert. Sebastian Vettel wurde Weltmeister. Natürlich hatte Sebastian ein gutes Auto – aber man braucht in der Formel 1 diese Kombination.“

Die neue Formel 1-Saison werde aufgrund der neuen Regeln und des neuen Reifenherstellers „sehr spannend werden und eine große Herausforderung für die Teams darstellen“, prophezeit Todt.

FIA-Akademie & Testrestriktion

Zu dem in Melk stattfindenden Shootout der neuen FIA-Akademie sagt Todt: „Alex Wurz, der in der FIA-Akademie als Instruktor tätig ist, ist ein sehr talentierter Pilot. Er hat eine gute Gabe, zu unterrichten. Auch in anderen Ländern, er arbeitet sehr professionell und wir arbeiten eng mit seiner Firma zusammen.“

Für junge Fahrer ist es aufgrund der Testrestriktionen sehr schwierig geworden, in der Formel 1 Fuß zu fassen. Todt sagt: „Das sehe ich auch so. Wir hatten zu viele Testfahrten in der Vergangenheit – doch jetzt haben wir vielleicht zu wenig Tests.“

Todt fügt hinzu: „Derzeit wird zu viel im Haus getestet, mit Computersimulationen und moderner Technik. Es ist meine Absicht, das zu ändern und für junge Piloten wieder etwas mehr Testgelegenheiten zu schaffen. Das muss natürlich limitiert sein – es ist sehr schwierig, denn wir wollen zugleich die Kosten gering halten.“

Motorenreglement ab 2013 fixiert

Zum Motorenreglement ab 2013 sagt Todt: „Das steht bereits fest und das habe nicht ich alleine bestimmt, dass wir wieder verwendbare Energie dabei haben und so weiter.“

Zu den Äußerungen von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, wonach man in Italien lieber einen Sechs-, als einen Vierzylindermotor sehen würde, sagt Todt: „Das Reglement ist ein Ergebnis langwieriger Diskussionen und Ferrari war dort stets vertreten.“

Todt fügt hinzu: „Wenn das Ergebnis gewesen wäre, dass wir acht oder zehn Zylinder wollen, dann hätte ich auch kein Problem damit gehabt. Was ich aber will, sind niedrigere Kosten, eine bessere Show und die Einführung neuer Technologien, welche auch für die Serie nützlich ist. Und ich habe das Gefühl, dass das Motorenreglement ab 2013 in diese Richtung geht.“

Todt verrät: „Sehr oft fragen mich Leute, ob ich denn keine Angst hätte, dass der Motorsport unpopulär werden könnte. Bald findet die Motorshow in Genf statt und wir haben bei der Motorshow in Paris im vergangenen Oktober gesehen, dass alle Tophersteller dieser Welt auf neue Technologien setzen.“

Chassisreglement noch offen

Während das Motorenreglement bereits fixiert ist, stellt Todt in Wien, angesprochen auf die jüngsten Bedenken von Pat Symonds klar: „Das Chassisreglement 2013 ist noch lange nicht beschlossen. Der Entwurf wurde vor zwei oder drei Tagen bei der Besprechung der technischen Arbeitsgruppe zum ersten Mal mit den Teams diskutiert."

Laut Symonds sei es nicht sicher, ob mit der Rückkehr des „Ground-Effekts“, wie er ab 2013 geplant ist, nicht das Überholen wieder erschwert werden könnte. Todt schmettert diese Bedenken ab: „Der Entwurf wurde von den besten Technikern der Formel 1 und unserer internen Expertengruppe basierend auf Zahlenmaterial aus unterschiedlichen Windkanälen erstellt. So sieht die wahre Situation aus.“

Todt zeigt sich verwundert über Symonds Wunsch, die Arbeitsgruppe Überholen, der er angehört hatte, wiederzubeleben: "Sie ist doch nach wie vor aktiv, sie wurde nie gestoppt. Wir haben lange, regelmäßige Besprechungen, bei denen all diese Themen durchgegangen werden."

Das Thema Überholen werde zudem überbewertet, findet Todt: "Das Überholen ist eine komplexe Sache. Wenn man mit Fans und Teams spricht, bekommt man unterschiedliche Antworten. Für manche ist es wie bei einem Fußballmatch: Manchmal steht es nach eineinhalb Stunden 0:0, obwohl es sehr eng war. Es könnte auch ein Rennen ohne Überholmanöver geben, das sehr spannend ist.“

Eine Inflation an Überholmanövern wäre laut Todt schlecht für den Sport: „Etwas Seltenes kann sehr außergewöhnlich sein. Wenn wir zehn Überholmanöver pro Runde haben, dann würden es die Leute nicht mehr schätzen. Ein Überholmanöver muss eine Spitzenleistung sein. Das versuchen wir beizubehalten. Die Essenz des Sports auf vier Rädern ist, dass das Überholen schwierig ist."

„Haben Sie den Sound jemals gehört?“

Auf die Frage von motorline.cc hinsichtlich der unlängst sogar von Bernie Ecclestone geäußerten Sorgen, was den Sound der neuen 1,6 Liter-Turbomotoren ab 2013 anbelangt, fragt Todt: „Haben Sie den Sound jemals gehört?“

Der Franzose verrät: „Ich habe ihn auf einer Simulation gehört – und ich empfand den Sound sehr aufregend. Die Zeiten ändern sich. Wir sollten da nicht zu emotional sein und die Dinge pragmatisch sehen.“

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