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Formel 1: Interview

Webber: Kunstgriffe schaden dem Sport

Mark Webber kritisiert DRS und bröselnde Reifen: Überholen sei nicht die oberste Priorität, die Formel-1-WM nicht Super Mario Kart.

Vom erhofften Spannungsbringer zum ultimativen Totengräber des Rennsports? Weltweit diskutieren Experten, ob der Formel-1-WM die Einführung des DRS-Klappflügels und künstlich verschleißender Reifen wirklich gut getan hat. Die Anzahl der Überholmanöver mag gestiegen sein, trotzdem fühlen sich viele Motorsportfans von den Maßnahmen vor den Kopf gestoßen. Auch Mark Webber meint, dass weniger Überholmanöver bei echtem Racing besser sein könnten.

Der ehemalige Formel-1-Pilot, der in der Langstrecken-WM 2015 gemeinsam mit Timo Bernhard und Brendon Hartley für Porsche den ersten Weltmeisterschaftstitel seit 1986 geholt hat, zweifelt daran, dass die Formel-1-WM mit ihrer Herangehensweise ("Mehr Überholmanöver um jeden Preis") den richtigen Weg beschritten hat. "Das einzige Ziel war, mehr Überholmöglichkeiten zu schaffen", führt der Australier aus, "aber vielleicht sind sie etwas über das Ziel hinausgeschossen."

Die Formel-1-WM begann ab etwa 2005, sich der wahrgenommenen Überholproblematik zu widmen. In der Ära der gerillten Reifen beklagten viele Fans Langeweile. Die Gründe sind bekannt: Verwirbelte Luft ("dirty air") verhindert ein effizientes Heranfahren an den Gegner. Als Maßnahmen wie der verstellbare, extrabreite Frontflügel in Kombination mit dem auf die heutigen Maße verkleinerten Heckspoiler nicht die erhoffte Action brachte, wurden DRS und die selbstzerstörenden Reifen eingeführt. "Heute haben wir viele Überholmanöver, aber das ist auch nicht das Gelbe vom Ei", urteilt Webber.

Der 39jährige begründet seine Meinung: "Wir müssen uns fragen, was wir wollen: Wenn man viele Überholmanöver sehen will, kann man zu Formel-Ford- oder Kartrennen gehen." Das Hauptaugenmerk auf Überholmanöver zu legen könnte dementsprechend völlig falsch gewesen sein. "Ich mochte es beispielsweise auch, Fernando Alonso und Michael Schumacher in Imola zuzusehen, wie sie sich Runde für Runde gehetzt haben", spricht der Australier die dortigen Duelle der beiden Ex-Weltmeister in den Jahren 2005 und 2006 an.

Zu Überholmanövern kam es nicht, was zum Teil an der Strecke lag; zum anderen Teil aber auch an den Fahrer selbst, glaubt der neunfache Grand-Prix-Sieger: "Die guten Fahrer machen keine Fehler, deshalb sind sie ja die besten." Trotzdem solle man solche Duelle genießen anstatt zu kritisieren, dass es keine Action gegeben habe. "Wenn man jetzt hingeht und Fallen à la Super Mario Kart auspackt, um das Racing interessanter zu machen, kann es für den Motorsport generell schwierig werden", schickt er einen deutlichen Warnschuss in Richtung Formel-1-WM.

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