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Die kuriosesten Formel-1-Regeln
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Über Benzin, Proteste und Pokal-Größen

Erst unlängst gab die Disqualifikation von Sebastian Vettel nach dem GP von Ungarn wieder Anlass zum Kopf-Kratzen. Doch ist die vorgeschriebene Mindestmenge Benzin im Tank am Rennende eigentlich die "kurioseste" Regel der F1? Wir haben nachgeforscht.

Am ersten Sonntag in diesem August ging ein chaotischer Grand Prix in Ungarn zu Ende. Den Sieg auf dem Hungaroring beim insgesamt elften Rennen in dieser Formel-1-Saison, beanspruchte Esteban Ocon mit seinem Team Alpine für sich. Zweiter wurde Lewis Hamilton im Mercedes, vor Carlos Sainz im Ferrari. Schon beim Start kam es zu einigen Berührungen im regnerischen Mogyoród, was eine frühe Rennunterbrechung zur Folge hatte. Valtteri Bottas war mit durchdrehenden Rädern der Auslöser, der durch die Karambolage beide Red Bull Wagen aus dem GP nahm. Damit war auch der Topfavorit der PayPal Buchmacher Max Verstappen aus dem Rennen. Der Niederländer war in dieser Saison häufig zu stark für seinen britischen Verfolger, befindet sich nach dem Grand Prix in Ungarn aber wieder auf Platz zwei der Fahrerwertung.


Sebastian Vettel von Aston Martin konnte das irre Rennen eigentlich auf dem zweiten Rang beenden, wurde aber laut offiziellem Schreiben wenig später von der FIA disqualifiziert. Dennoch wurde anfangs in weiteren Dokumenten der FIA Vettels Rennen mit 18 Punkten bewertet und sorgte somit für Verwirrung. Mittlerweile steht fest, dass die Leistungen von Sebastian Vettel nicht als Zweitplatzierter gewertet werden wird, sondern mit einer Disqualifikation. Doch was war passiert? Grund für den Ausschluss war eine der Formel-1-Regeln, nach welcher die FIA bei jedem Rennen eine Benzinprobe durchführt. Dabei müssen die Rennställe dafür sorgen, dass der erforderliche eine Liter im Tank des Wagens von der Rennleitung entnommen werden kann. Bei Aston Martin konnten nur 0,3 Liter herausgeholt werden, obwohl laut ihren Berechnungen über 1,7 Liter im Tank sein sollten. Das wird nun auf eine defekte Benzinpumpe zurückgeführt und Aston Martin möchte Protest einlegen. Wie erfolgreich das Vorhaben wird, bleibt abzuwarten, eine Entscheidung sollte in den nächsten Tagen erfolgen.


Für viele Beobachter war dieser Aspekt eine neue Regel und die Frage stellt sich: Was sind weitere kuriose Regeln in der Formel 1, von denen man im Vorhinein eventuell nicht wusste? Wir haben sie herausgesucht.


FIA entscheidet über den Weltmeister


Am Ende einer Saison entscheiden selbstverständlich zuallererst die eingefahrenen Punkte über den Weltmeistertitel. Sind diese Punkte allerdings identisch, haben Siege das meiste Gewicht. Wer also die meisten Erstplatzierungen vorweisen kann gewinnt. Sind diese ebenfalls gleich, folgen die zweiten Ränge und dann die dritten. Ist aber bei mehreren Fahrern jedes Detail identisch, entscheidet die FIA über den Gesamtsieg. Das dürfen sie mittels Kriterien, die sie für passend halten und dementsprechend nicht festgelegt sind.


Protestieren kostet Geld – Antreten auch


Wer mit der Rennleitung oder sonstigen Aspekten der FIA unzufrieden ist, darf seinem Unmut Luft machen. Das ist allerdings nicht gratis sondern kostet laut einem Artikel im Regelwerk 2000 Euro. Außerdem gibt es bei der Formel 1 ein Antrittsgeld zu zahlen, das mit erfolgreicher Saison höher wird. So ist ein bestimmtes Fixum für die Rennställe festgelegt und eine Summe, die pro WM-Punkt gezahlt werden muss. Der Punktpreis ist beim Weltmeisterteam höher, wodurch die besten Teams mehr zahlen als weniger erfolgreiche Teilnehmer.


Pokale folgen genauen Kriterien


Nach dem Rennen folgt die Prozedur auf dem Podium genauen Regeln. Auch die Details zu den Pokalen der Formel 1 sind exakt festgelegt. So ist das maximale Gewichtslimit eines Pokals auf fünf Kilogramm beschränkt und die Höhe des Cups des Siegers muss zwischen 50 und 65 Zentimetern liegen. Für die Plätze zwei und drei dürfen die Pokale zwischen 35 und 45 Zentimeter hoch sein.


Die besten drei Fahrer haben Anwesenheitspflichten


Am Ende des Jahres, nach Abschluss der Formel-1-Saison, findet die glamouröse FIA-Gala statt. Dort werden unter anderem Awards an Fahrer und Funktionäre vergeben. Dabei gilt, dass die besten drei Fahrer der WM-Wertung auf der Veranstaltung erscheinen müssen, für sie herrscht Anwesenheitspflicht. Ähnliches gilt für die drei besten Piloten nach einem Rennen: Sie müssen nach der Siegesfeier zusätzlich 1,5 Stunden für Interviews und Pressekonferenzen einplanen.


Maximal vier Fahrer pro Saison


Auch die Höchstanzahl an Piloten ist pro Rennstall festgeschrieben. So dürfen maximal vier Fahrer bei einem Team festgelegt werden, es sei denn die Gründe für einen weiteren Wechsel fallen unter höhere Gewalt. Auch wenn es in den seltensten Fällen vorkommt, kann das mehrfache Austauschen bei Bedarf immer mit entsprechender „höherer Gewalt“ begründet werden. Deshalb ist diese Regel relativ leicht auszutricksen.


Strecke des Monaco-GP ist unter der Mindestlänge


Laut den offiziellen Regeln müssen Formel-1-Strecken eine Distanz von mindestens 305 Kilometern erreichen. Dabei wird geschaut, welche geringstmögliche Rundenzahl pro Kurs benötigt wird, um diese Streckenlänge zu erreichen. In Monaco war dies allerdings nicht möglich, weil die Durchschnittsgeschwindigkeit im engen Stadtkurs deutlich unter den anderen Strecken liegt. Deshalb führt der Grand Prix im Fürstentum nur über 260 Kilometer.


Autos aus demselben Rennstall benötigen das gleiche Design – bis auf die Kamera


British American Racing (BAR) war ein Rennstall, der von 1999 bis 2005 in der Formel 1 aktiv war. Bereits in ihrem ersten Jahr hatte BAR die Idee, ihren Wagen zwei unterschiedliche Lackierungen zu verpassen. Das wurde von der FIA aber bald unterbunden und bis heute steht im Regelwerk, dass die Autos eines Rennstalls dasselbe Design haben müssen. Einen Unterschied machen dabei die OnBoard-Kameras aus. Zur besseren Unterscheidung der Wagen, ist sie nämlich in einem Fall schwarz und bei dem anderen Auto gelb.


Die Regeln der Formel 1 sind also detailliert und - wie man in einigen Fällen sieht - etwas kurios. Wie am Beispiel von Sebastian Vettel zu erkennen, sollte man sie aber stets auf Schirm haben. Ob in dieser Saison noch eine weitere dieser ungewöhnlichen Regeln greifen wird, zeigt sich nach der Sommerpause. Weiter geht es am 29. August, beim Grand Prix von Belgien in Spa.                

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