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Toto Wolff über Rennkalender Für die hart arbeitenden Mechaniker geht die längste Saison aller Zeiten zu Ende
Motorsport Images

Längster Rennkalender: "24 Rennen sind absolut an der Grenze"

Obwohl die Teams von mehr Rennen finanziell profitieren, finden nun auch Toto Wolff und Helmut Marko, dass 24 Grands Prix pro Saison zu viel sind

2024 war mit 24 Grands Prix und sechs F1-Sprints die längste Rennsaison in der bisherigen Geschichte der Formel 1. Mehr Rennen bedeuten mehr Geld, und somit haben die Eigentümer der Königsklasse den Kalender in den vergangenen Jahren immer weiter expandiert.

Noch im Jahr 2003, als Michael Schumacher zum sechsten Mal Weltmeister wurde, bestand der Kalender aus den "klassischen" 16 Rennen. 2004 waren es dann schon 18, 2005 19 Grands Prix. Erst 2012 wurde mit 20 Rennen eine bis dahin neue Rekordsaison gefahren, damals noch unter der Regie von Bernie Ecclestone.

2017 übernahm dann der amerikanische Medienkonzern Liberty Media die Formel 1 und expandierte diese vom Ausgangspunkt 20 auf 2018 erstmals 21 und 2021 erstmals 22 Rennen. 23 Rennen wurden übersprungen, sodass die Formel 1 2024 bei 24 Grands Prix angelangt ist. Und die nächsten Länder (unter anderem Ruanda, Südafrika, Südkorea, Thailand) stehen schon in der Warteschlange.

25 Rennen sind das regulatorische Limit

Das aktuelle Concorde-Agreement, so etwas wie die "Verfassung" der Formel 1, lässt bis zu 25 Veranstaltungen in einem Kalenderjahr zu. Aber Toto Wolff warnt: "Es ist über dem Limit. Und wir reisen ja noch bequem. Die Mechaniker, die auf- und abbauen, fliegen Economy. Man sieht in den Gesichtern der Leute jetzt: Es geht nicht mehr", sagt der Mercedes-Teamchef.

Ein besonders extremes Beispiel sei der letzte Tripleheader der Saison gewesen, mit Las Vegas, Katar und Abu Dhabi innerhalb von drei aufeinanderfolgenden Wochenenden: "Las Vegas ist brutal. Du siehst das Tageslicht nur ganz wenige Stunden, legst dich ins Bett, weißt nicht, ob du essen sollst oder nicht. Dann wachst du zu Mittag auf, oder ganz in der Früh, da waren wir alle unterschiedlich. Und das nimmt einem vom Rhythmus so mit, dass du dich davon kaum erholen kannst."

In einer Sondersendung des ORF anlässlich des Saisonabschlusses in Abu Dhabi trafen am Sonntagabend Wolff, Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko und Alexander Wurz aufeinander, der Formel-1-Experte des österreichischen Senders, der gleichzeitig Vorsitzender der Fahrergewerkschaft GPDA ist.

Und auch Wurz sagt wie Wolff: "Ich persönlich find's zu viel. Mir wären 16 Rennen am liebsten. Einfach von der sportlichen Übersättigung her." Aber: "Die weltweiten Einschaltquoten sind immer gut. Die Formel 1 boomt halt, und die Leute wollen es sehen. 24 geht für die Teams noch, geht für die Ingenieure gerade noch, auch für die Fahrer."

Es ist ein Konflikt, der in den vergangenen Jahren intensiv diskutiert wurde. Einerseits verdient die Formel 1 an mehr Rennveranstaltungen, und auch die Teams partizipieren von diesem Geldkuchen und profitieren somit finanziell. Andererseits klagen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Teams vor Ort an den Rennstrecken zunehmend darüber, dass die Belastungen zu hoch werden und wegen der immer länger werdenden Abwesenheiten von zu Hause kaum noch Zeit für Familie und Freunde bleibt.

Marko: Bei mehr Rennen brauchen wir zwei Crews

Selbst Helmut Marko, der einen Ruf als "harter Knochen" genießt, räumt inzwischen ein: "Ich glaube, 24 ist absolut an der Grenze. Wobei wir im Senior Management ja privilegiert sind. Aber man muss an die Mechaniker denken."

"Ein Beispiel: Das Rennen in Las Vegas findet zu später Nachtstunde statt. Du fliegst dann 14 bis 16 Stunden, und es geht in einer ganz anderen Zeitzone weiter. Ich glaube, man muss die ganze Reihenfolge besser koordinieren, um diese 24 Rennen im Kalender zu halten. Das ist auch eine Umweltsache, dass man nicht kreuz und quer durch die Welt fliegt. Aber mehr als 24 ist aus meiner Sicht aufgrund der Belastung nicht möglich. Außer du fängst mit zwei Crews an."

Ein besonders extremes Beispiel hat Toto Wolff und um Las Vegas miterlebt: "Ich hatte einen Termin, einen Sponsorevent auf Hawaii. Da war ich genau 18 Stunden. Ich bin von Austin sieben Stunden da rübergeflogen, dann 18 Stunden dort, und dann wieder zurück. Hawaii hört sich super an, aber wenn man nicht am Strand ist, sondern in einem Hotel und zu einem Event geht, ist es nicht so lustig. Das war brutal."

Doch auch wenn die Formel 1 angekündigt hat, den Rennkalender in Zukunft besonders geografisch besser zu gruppieren: Zumindest für 2025 ist keine unmittelbare Erleichterung in Sicht. Geplant sind wieder 24 Grands Prix, mit einem Saisonfinale am 7. Dezember. Und der Tripleheader mit Las Vegas, Katar und Abu Dhabi bleibt genau so, wie er 2024 war.

Motorsport-Total.com

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