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"Was zum Teufel ist da passiert?" Seltenes Gefühl: Pierre Gasly auf seiner ersten Führungsrunde seit Monza 2020
LAT Images

Gaslys Monza-Wunder hält nur kurz: "Was zum Teufel ist da passiert?"

Von Pole gestartet und am Ende nur Siebter: Pierre Gaslys Monza-Wunder hielt nicht lange, doch gerade das macht seine Leistung am Samstag so verblüffend

Am Samstag hat Pierre Gasly noch "etwas Magisches erlebt", am Sonntag kehrte er dann doch wieder in die Realität zurück: Beim Grand Prix von Italien in Monza (den er 2020 auf AlphaTauri schon einmal sensationell gewonnen hat) belegte der Alpine-Pilot den siebten Platz, 27,4 Sekunden hinter Sieger Kimi Antonelli auf Mercedes.

"Wir müssen zufrieden sein", sagt er. "Natürlich fängst du zu träumen an, wenn du das Auto auf Pole stellst. Wir waren alle auf Wolke 7. Aber man muss halt auch realistisch sein. Wir konnten ein paar Runden mit Lando kämpfen, der die letzten zwei Rennen gewonnen hat, wir waren am Ende drei Sekunden hinter Lewis, der schon die ganze Saison vorne mitfährt. Das ist für uns ein großer Fortschritt." Gleichzeitig gibt Gasly zu: "Ich wünschte, es wäre ein bisschen mehr gegangen als Platz 7."

Dabei hatte das Rennen genau so begonnen, wie er sich das in seinen Träumen vorgestellt hatte. Der 30-Jährige behielt am Start die Nerven und die Führung - und schrieb, als er mit 0,304 Sekunden Vorsprung auf George Russell erstmals über die Ziellinie fuhr, seine erste Führungsrunde seit Monza 2020 an.

Doch dass es mit dem ganz großen Traum vom Sieg vermutlich doch nicht klappen wird, bahnte sich schon ein paar hundert Meter weiter an, als Gasly am Beginn der zweiten Runde in einem Aufwasch zuerst Russell und dann auch Charles Leclerc überholen lassen musste. Nach Leclercs Crash und der roten Flagge konnte er sich aber immerhin drei weitere Runden auf Platz 2 halten.

Die Realität kehrte erst etwas später ein, als er in Runde 10 von Antonelli überholt wurde, der nach einem Powerunit-Wechsel am Mercedes von ganz hinten gestartet war. Gut zehn weitere Runden hielt er sich immerhin vor Weltmeister Lando Norris an zehnter Position, aber irgendwann musste er auch den McLaren-Piloten ziehen lassen.

Das war in Runde 21, und Gasly hatte inzwischen zehn Sekunden Rückstand auf das Führungsduo Russell-Antonelli und 3,5 Sekunden Vorsprung auf Arvid Lindblad im Racing Bulls. Ein Vorsprung, den er bis zur Zielflagge auf 17,8 Sekunden ausbauen konnte.

Noch vor halber Renndistanz war also die Magie der Poleposition verflogen. Wenn man das Glas lieber halbvoll als halbleer sehen möchte, könnte man aber auch sagen: Gaslys Rennpace ab Runde 21 war im Durchschnitt um vier Zehntelsekunden schneller als die von Lindblad. Und die Racing Bulls sind einer der direkten Gegner von Alpine in der Konstrukteurs-WM (62:75 Punkte aus Alpine-Sicht).

"Mir war schon klar, dass es heute über 53 Runden viel schwieriger wird", sagt Gasly. "Ich bin trotzdem zufrieden. Die zwei guten Starts waren überragend. Und es hat großen Spaß gemacht, mit den Jungs da vorne mitzumischen. Ich konnte mich ja ein Weilchen in diesem vorderen Zug halten. Das zeigt, wie weit wir in den vergangenen Wochen gekommen sind."

Hat das Zandvoort-Update die Wende eingeleitet?

Das Zandvoort-Update war für Alpine richtungsweisend. Die Performance in Monza dürfte für das Gesamtpaket dennoch schmeichelhaft gewesen sein. Streckenspezifisch war die Mercedes-Powerunit, die seit 2026 auch von Alpine verwendet wird, allen anderen Antrieben deutlich überlegen. Das wird sich vermutlich schon in einer Woche in Madrid nicht mehr so stark auswirken.

"Natürlich denkst du dir, wenn du morgens aufstehst: 'Geht da vielleicht mehr?' Aber gleichzeitig sind wir die Besten im Mittelfeld und nicht weit hinter den Autos vor uns. Das ist insgesamt sehr positiv", freut sich Gasly. "Die letzten 24 Stunden waren herausragend. Sowas will ich wieder erleben. Hoffentlich haben wir bald auch im Rennen mehr Pace, um diesen Kampf aufnehmen zu können."

Dass er im Qualifying dazu in der Lage war, gegen alle Superstars auf Pole zu fahren, im Rennen dann aber von der Alpine-Realität eingeholt wurde, kann man aus Gasly-Perspektive übrigens auch positiv sehen. Ihm muss am Samstag fahrerisch eine ganz außergewöhnliche Runde gelungen sein, um Mercedes & Co. zu schlagen. Solche Wunder schafft man vielleicht einmal - aber eben nicht 53 Mal hintereinander.

"Nach diesem Rennwochenende müssen wir zurück in die Fabrik und versuchen zu verstehen, was zum Teufel da eigentlich passiert ist", grinst Gasly. Denn die Poleposition sei "definitiv aus dem Nichts" gekommen. Und er hofft: "Ich bin mir sicher, wir haben schon ein paar Ideen, die für unser Paket in Zukunft besser funktionieren."

Nach Monza war übrigens sogar Teamchef Flavio Briatore zufrieden: "Wir waren in Bezug auf das, was heute möglich war, realistisch. Letztendlich zeigt das Ergebnis genau an, wo wir im Moment auf eine komplette Grand-Prix-Distanz stehen. Aber beide Fahrer haben einen fantastischen Job gemacht. Und es freut mich, dass Pierre am Samstag diesen Moment hatte, über den er sich mit dem Team freuen konnte."

Motorsport-Total.com

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