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IMSA: 24h von Daytona

Wayne Taylor Racing gewinnt in Daytona

Die Cadillac-Mannschaft sichert sich den dritten Sieg in Folge, BMW gewinnt die GTLM, Lamborghini die GTD.

Fotos: IMSA/ LAT

Renger van der Zande, Ryan Briscoe, Scott Dixon und Kamui Kobayashi haben für Wayne Taylor Racing die 58. Ausgabe der 24 Stunden von Daytona gewonnen. Mit ihrem Cadillac DPi V.R stellten sie darüber hinaus einen neuen Distanzrekord für den US-Klassiker auf.

833 Runden oder 4.798,08 Kilometer spulte der Cadillac #10 ab. Das sind 25 Runden oder 168,24 Kilometer mehr als Action Express Racing im Jahr 2018. Für Wayne Taylor Racing ist es der vierte Sieg, drei davon kamen in den letzten vier Jahren.

Mit nur sechs Cautions blieb die Anzahl der Gelbphasen angesichts des kleinen Starterfeldes von 38 Fahrzeugen erwartet niedrig, war aber trotzdem höher als 2018 - damals hatte es nur vier gegeben. Allerdings schrieb das Rennen Geschichte, weil es mit sieben Stunden und 48 Minuten die längste Grünphase in der Historie des Rennens gab. Der letzte Restart fand etwas mehr als vier Stunden vor dem Ende statt. Aus diesem Grunde blieb ein Herzschlagfinale diesmal aus.

WTR ab der Nacht klar am schnellsten

Der WTR-Cadillac übernahm kurz nach dem letzten Restart die Führung vom JDC-Miller-Cadillac #5 von Sebastien Bourdais, Loic Duval und Joao Barbosa, der den dritten Platz belegte. Auf dem Weg zum Sieg überstand das Siegerquartett eine Stop-and-Go-Strafe von 60 Sekunden, weil man in einer Gelbphase die rote Boxenampel überfahren hatte. Zum Glück für das Team folgten mehrere Cautions, wodurch der Caddy die verlorene Runde zurückerhielt.

Die zweite Position ging an die Polesetter Oliver Jarvis, Tristan Nunez und Olivier Pla im Joest-Mazda #77. Der weiße Mazda führte das Rennen vor allem in der ersten Hälfte lange an. Ab der Nacht erwies sich der WTR-Cadillac jedoch als das leicht schnellere Auto und Mazda musste sich mit Position zwei abfinden. Eine Durchfahrtsstrafe für Überholen unter Gelb in den frühen Morgenstunden half auch nicht weiter.

Beim ersten Auftritt im Mustang-Sampling-Design, das bis 2019 Action Express Racing geziert hatte, holte JDC-Miller Motorsports ein Podium. Der Caddy leistete ebenfalls Führungsarbeit, in den vier Stunden nach dem letzten Restart verlor er aber fast eine Runde. Rückstand im Ziel: 1:25 Minuten.

Nach hinten konnte man nicht weit zurückfallen, denn der Penske-Acura #6 (Montoya/Cameron/Pagenaud) hatte auf Rang vier schon fünf Runden Rückstand. Wirklich vorne auftauchen tat der Acura ARX-05 während des Rennens nie. Ein Wechsel der Nase nach starkem Aufsetzen in der 14. Stunde sorgte dann für einen Rundenrückstand, den selbst die amtierenden IMSA-Meister nicht mehr aufholen konnten.

Siegchancen hätte hingegen der Action-Express-Cadillac #31 (Conway/Nasr/Derani/Albuquerque) gehabt. Immer in Schlagdistanz gelegen, waren die Hoffnungen kurz vor der Dreiviertelmarke dahin, als der rot-weiße Cadillac langsam an die Box rollte. Kurz zuvor hatte er bereits einen Reifenschaden erlitten. Elf Runden gingen verloren, am Ende blieb Platz sieben.

Mazda vs. Acura

Die kontroverseste Szene des Rennens ereignete sich bereits in der vierten Stunde, als der Penske-Acura #7 (R. Taylor/Castroneves/Rossi) eliminiert wurde. Harry Tincknell startete im Mazda #55 eine Attacke vor der Bus-Stop-Schikane, die nie gutgehen konnte. Helio Castroneves wurde in die Reifenstapel geschleudert.

Der frühere IndyCar-Star war im Interview bei 'NBC' außer sich: "Das ist die Bus Stop, wo wir mit 190 km/h einlenken. Und dann sehe ich plötzlich ein Auto in mich hineinfahren. Wofür? Für ein Risiko, das sich nie auszahlt! Es ist nicht einmal dunkel. Wir fahren hier vier-und-zwanzig Stunden! Das ist einfach frustrierend." Penske reparierte den Acura in 30 Minuten, es blieb aber bei P8 mit 22 Runden Rückstand.

Der Mazda #55 erlitt eine leichte Beschädigung, die erst am Abend bei einem längeren Boxenstopp mittels Nasentausch behoben werden konnte. Bei jenem Boxenstopp ging auch der Anlasser zu Bruch. Der Mazda RT24-P verfügt jedoch über einen Ersatz-Starter, der bei jenem Boxenstopp angeschlossen werden musste.

Das half auch nicht mehr weiter, als die #55 in der drittletzten Stunde zu einem Reparaturstopp kommen musste, der vier Runden dauerte. Damit blieb Platz sechs hinter dem gelben JDC-Miller-Cadillac #85 (Piedrahita/Leist/Miller/Vautier).

DragonSpeed als einziger LMP2 ohne Zeitverlust

Starworks, PR1/Mathiasen und DragonSpeed machten die LMP2-Kategorie unter sich aus. Am Ende setzten sich die Favoriten Henrik Hedman, Ben Hanley, Colin Braun und Harrison Newey im DragonSpeed-Oreca #81 durch.

Der Dreikampf sah zunächst den PR1/Mathiasen-Oreca #52 (Keating/Trummer/Boulle/Aubry) das komplette erste Renndrittel lang in Führung. Erst in der neunten Stunde übernahmen die späteren Sieger erstmals das Kommando.

Zu jenem Zeitpunkt verabschiedete sich auch der Starworks-Oreca #8 (Dalziel/Heinemeier Hansson/Farano/Lapierre) aus der Entscheidung um den Sieg. Eine Verschlusskappe im Kühlwassersystem löste sich immer wieder. Das siedend heiße Wasser ergoss sich in den Innenraum und verbrühte Ryan Dalziel den Hintern.

Das ließ sich noch mit einem Pflaster und etwas Beißen auf die Zähne beheben, viel schlimmer war jedoch der Zeitverlust durch mehrere Reparaturstopps. Zwölf Runden gingen verloren, bevor der Oreca 07 wieder lief. Starworks konnte nur noch Schadensbegrenzung betreiben und holte Platz vier.

Der Zweikampf zwischen PR1/Mathiasen und DragonSpeed erfuhr seine Vorentscheidung am Vormittag: PR1/Mathiasen verlor zwei Runden, weil beide Spurstangen am Oreca getauscht werden mussten. Die Hoffnung lag jetzt auf Gelbphasen, um die verlorenen Runden zurückzugewinnen. Letztlich waren es eine zu wenige, der Oreca #52 kam mit zwei Runden Rückstand ins Ziel. Platz drei ging an den Era-Oreca #18 (Tilley/Merriman/R. Lewis/Minassian).

BMW ringt Porsche nieder, Pech für Lauda

Über viele Stunden war die GTLM-Klasse ein Vierkampf zwischen den beiden Porsches, dem BMW #24 und der Corvette #3. Nachdem Porsche und Corvette die Trainings bestimmt hatten, zeigten Jesse Krohn, John Edwards, Chaz Mostert und Augusto Farfus eine hervorragende Leistung im Renntrimm und sicherten sich den Klassensieg mit 14 Sekunden Vorsprung.

Der BMW M8 hatte auf den Geraden einen deutlichen Vorteil, während der Porsche aus engen Kurven wesentlich mehr Traktion aufbauen konnte. Immer wieder lieferten sich Porsche und BMW sehenswerte Kämpfe aufgrund der unterschiedlichen Charakteristik der Fahrzeuge.

Das entscheidende Manöver setzte Jesse Krohn eine Dreiviertelstunde vor Schluss, als er Nick Tandy in Kurve 1 überholen konnte. Tandy rutschte weit raus - da half nicht einmal mehr die vorzügliche Traktion des Porsche 911 RSR-19 bei dessen IMSA-Debüt. Krohn sicherte dem BMW M8 GTE den zweiten Daytona-Sieg in Folge - diesmal über die volle Distanz (2019 wurde im Regenchaos abgebrochen).

Die beiden Porsches machten den zweiten Platz danach unter sich aus. Nach hartem Kampf, in dem sich die beiden Boliden sogar berührten, behielt Earl Bamber im Porsche #912 (Bamber/L. Vanthoor/Jaminet) die Nase vorn. Nick Tandy war im Porsche #911 (Campbell/Tandy/Makowiecki) ein zweites Mal in Kurve 1 weit rausgerutscht. Trotz mehrerer Versuche konnte er Bamber nicht mehr knacken.

Die Corvette #3 (Garcia/J. Taylor/Catsburg) kam beim Renndebüt der C8.R ohne Probleme durch, fiel aber im Vier-Stunden-Schlussstint deutlich gegenüber den Porsches und dem BMW zurück. Letztlich steht eine Runde weniger im Klassement als beim Klassensieger, was aber daran liegt, dass der siegreiche Cadillac zwischen dem Klassensieger und der Corvette lag. Einer Überrundung durch den BMW entging Corvette Racing knapp.

In den Abendstunden war die gelbe Vette in einen haarsträubenden Vorfall mit dem Aston Martin #98 (Lamy/Gunn/Lauda/Watson) verwickelt. Kurz vor Kurve 1 ging ein Überrundungsmanöver schief und die beiden Fahrzeuge berührten sich bei 290 km/h. Mit viel Glück segelten sie in die Auslaufzone, ohne etwas zu berühren.

P. Eng auf P5

Der Risi-Ferrari #62 (Rigon/Pier Guidi/Calado/Serra) hielt über 22 Stunden überwiegend in der Führungsrunde mit, konnte aber nie wirklich in den Kampf zwischen Porsche, BMW und Corvette eingreifen.

Eine Durchfahrtsstrafe zwei Stunden vor Schluss für drehende Reifen im aufgebockten Zustand und ein Reifenschaden eine halbe Stunde später warfen den Ferrari 488 GTE Evo aussichtslos zurück. Nach dem Reifenschaden entschloss sich die Mannschaft zur Aufgabe - auch aus Protest gegen die Balance of Performance (BoP).

"Wir haben absolut keine Chance, aus eigener Kraft zu gewinnen und müssen zu viele Risiken eingehen", klagt James Calado. "Wir haben beim [Vortest] Roar [before the 24] geschaut, was wir draufhaben und voll gepusht. Die anderen hatten mehr Reserven."

BMW verlor bereits frühzeitig ein Auto aus dem Kampf um den Sieg. Bruno Spengler überfuhr ein Trümmerteil, das eine Ölleitung beschädigte. Die Reparatur des RLL-BMWs #25 (de Phillippi/Eng/Spengler/Herta) kostete 13 Runden. Schon zuvor hatte bei einem Routinestopp eine Radmutter geklemmt. Trotzdem konnte der BMW das Rennen auf der fünften Position beenden.

Dabei ließ man noch die Corvette #4 (Gavin/Milner/Fässler) hinter sich, die in der Nacht ebenfalls mit einem Ölleck zur Reparatur musste. Diese dauerte bei Pratt & Miller jedoch mit acht Stunden bedeutend länger als diejenige bei RLL. Trotzdem nahm man die Zielflagge entgegen - mit 325 Runden Rückstand!

Lamborghini-Doppelsieg in der GTD, Bachler auf P4

Das Podium der GTD-Klasse ist eine V10-Party: Bryan Sellers, Madison Snow, Corey Lewis und Andrea Caldarelli sicherten sich den Klassensieg für sich und den Lamborghini Huracan GT3 von Paul Miller Racing. In der vorletzten Stunde lieferten sie sich einen knallharten Kampf mit dem Grasser-Magnus-Lamborghini #44 (Potter/Lally/Pumpelly/Mapelli), der Platz zwei holte.

Nach dem letzten Boxenstopp betrug der Vorsprung beruhigende 20 Sekunden, sodass Andrea Caldarelli das Auto nur noch ins Ziel tragen musste. Platz drei ging an den WRT-Audi #88 (Bortolotti/Ineichen/Morad/D. Vanthoor). Dieser hat im Endklassment eine Runde Rückstand, wurde aber nicht vom Lamborghini überrundet.

Faktisch lagen am Ende nur vier Fahrzeuge in der Führungsrunde, von denen aber nur zwei die volle Distanz schafften (auch hier spielte die relative Position auf der Strecke zum Gesamtsieger eine entscheidende Rolle). Das vierte Fahrzeug, das einer Überrundung durch den Paul-Miller-Lambo entging, war das der "guten Samariter" von Wright Motorsports #16 (Hardwick/Long/Imperato/Bachler).

Das Team hatte Black Swan Racing sein Ersatzchassis überlassen, nachdem diese im ersten Freien Training einen heftigen Unfall hatten. Genau jener Porsche #54 (Pappas/Bleekemolen/Müller/Estep) sah auf dem fünften Platz die Zielflagge. Bestes Fabrikat, das nicht aus dem Volkswagen-Konzern stammt, war der Turner-BMW #96 (Auberlen/Foley/Machavern/Klingmann) auf Platz sechs.

Schwere Stunden für Grasser Racing

Die GTD-Klasse zeichnete sich für vier der sechs Gelbphasen verantwortlich. Die erste Caution nach vier Stunden und 40 Minuten wurde wegen einer kuriosen Kollision ausgerufen: Alex Riberas fuhr im Heart-of-Racing-Aston-Martin #23 (James/Thiim/de Angelis/Riberas) im Windschatten des Precision-Performance-Lamborghinis #47 (Gdovic/Lux/Kvamme/Hoggard) von Eric Lux.

Dieser wollte die Boxengasse aufsuchen und fuhr entsprechend auf den abgeflachten Teil neben dem eigentlichen Oval vor dem Boxeneingang ("Apron"). Riberas realisierte das nicht und folgte ihm, um den Windschatten zu halten. Als der Lamborghini dann bremste, knallte Riberas ihm ins Heck. Beide Autos kreiselten auf die Wiese zwischen Start/Ziel und Boxengasse.

Der Aston Martin Vantage, der für den guten Zweck - ein Kinderkrankenhaus in Seattle - unterwegs war, war auf der Stelle eliminiert. Einige Zeit später folgte ihm auch der Aston Martin #98 (Dalla Lana/Turner/Gunn), der nach der Kollision mit der Corvette #3 mutmaßlich mit Folgeschaden in die Boxenmauer knallte. Damit waren beide Aston Martin nach nicht einmal einem Viertel der Renndistanz draußen. Der Lambo überstand den Unfall mit nur leichten Beschädigungen.

Die längste Grünphase aller Zeiten bei den 24 Stunden von Daytona wurde am Morgen beendet. Und prompt gab es binnen 90 Minuten zu drei Cautions.

Die erste davon löste der Riley-Mercedes #74 (Aschenbach/Keating/Robinson/Fraga) aus, der mit blockierender Hinterachse im Infield nach einem Boxenstopp zum Stehen kam. Die Reparatur kostete rund 20 Runden. Der einzige Mercedes-AMG GT3 im Rennen war zuvor bereits nach einer Kollision mit dem WRT-Audi in der Bus Stop zurückgefallen.

In der 20. Stunde kehrte dann das Lambo-Drama zurück: Zunächst brannte der Grasser-Lamborghini #19 (Nielsen/Legge/Calderon/Frey) ab. Für das reine Damenteam war das Rennen auf der Stelle beendet. Christian Nielsen stieg aus eigener Kraft aus dem brennenden Fahrzeug aus. Nur wenige Minuten nach dem Neustart war dann für den Precision-Performance-Lamborghini #47 endgültig Schluss. Der V10-Bolide strandete ohne Vortrieb.

Auch Porsche musste Abstriche machen: Nach langer Führung musste der Pfaff-Porsche #9 (Robichon/Kern/Olsen/Pilet) mit defekter Antriebswelle zum Reparaturstopp, der fast 50 Runden kostete. Es war das heißeste Eisen, das Porsche im Feuer hatte.

Die IMSA SportsCar Championship macht nun acht Wochen Pause. Am 21. März findet mit den 12 Stunden von Sebring der nächste US-Klassiker statt. Wie im Vorjahr wird die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) mit dabei sein, die am Freitag, den 20. März ihr 1.000-Meilen-Rennen ausfährt.

© Motorsport-Total.com

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