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Magic Christian

Großartiges Amerika-Gastspiel von Christian Klien – viele Safety-Car-Phasen, hartes Racing bis zum Schluss – vier Sekunden entscheiden

Es war in allen Klassen ein ereignisreiches Rennen in Road Atlanta, wir konzentrieren uns auf die Prototypen, denn dort spielte ein Österreicher eine Hauptrolle.

Drama gleich zu Beginn des Renntages in Georgia: Allan McNish hatte mit dem Audi Nr. 1 einen folgenschweren Ausrutscher im Warm-Up, nur eine Stunde vor dem Start des 1000-Meilen-Rennens! Der schnellste der Ingolstädter Silberpfeile musste statt aus Reihe 1 aus der Box hinterher starten.

Für die trainingsschnellste Peugeot-Mannschaft Minassian/Sarrazin/Klien wurden die ersten Stunden in Road Atlanta trotzdem keine lockere Solofahrt. In Amerika sind auch die nominell kleineren Prototypen der LMP2-Klasse siegfähig, sie fahren mit größeren Restriktoren – das würde man sich auch für Europa wünschen!

Jede Menge Konkurrenz: Roger Penske brachte drei Porsche RS Spyder, Acura hatte ebenfalls wieder drei Fahrzeuge im Rennen, dazu ein brandneuer Ginetta-Zytek. Nicht zu vergessen den zweiten Audi mit Lucas Luhr/Marco Werner. Insgesamt schnupperten sieben verschiedene Fahrzeuge in diesem Rennen Führungsluft.

Die 100.000 Fans in Road Atlanta pendelten zwischen Fadesse und atemloser Spannung: elf Gelbphasen zerrissen das Rennen in eine Serie von gnadenlosen Sprints zwischen den endlosen Safety-Car-Runden. Etliche Unfälle sorgten unter anderem für die „Auslöschung“ der Acura-Armada.

Der Kampf um die Spitze wurde dadurch nur noch angeheizt, bis zu fünf Autos balgten munter um die Spitzenplätze. Vone taktischem Cruisen war keine Rede.

Dahinter lancierte der mit zwei Runden Rückstand gestartete Allan McNish eine Aufholjagd mit Überschall – zu Beginn der dritten Rennstunde war der R10 TDI mit Nummer 1 wieder in derselben Runde wie die Leader.

"Go fast, don't wreck" war die Devise bei Peugeot, denn der Vorrat an Ersatzteilen war nach den drei großen Unfällen (Sarrazin und Minassian in Silverstone, Lamy im freien Training von Road Atlanta) ziemlich erschöpft. Genau zur 3-Stunden-Marke stieg Christian Klien ins Auto.

Mehrere Restarts nach Gelbphasen hatte der Vorarlberger zu bewältigen, die Peugeot-Crew verspielte den vom Fahrer erarbeiteten Vorteil immer wieder mit langsamer Boxenarbeit.

Klien war blendend disponiert und zeigte eine tolle kämpferische Leistung; der einzige Fahrer bei Peugeot ohne Erfahrung auf dieser Strecke drehte die schnellsten Runden des Tages.

Nach zweieinhalb Stunden Fahrzeit übergab er das Auto an Nic Minassian - und prompt verlor der Peugeot wieder in den Boxen die Führung. Audi etablierte sich in Führung.

Wie war die Fahrt auf Position 1?: „Man genießt das den ersten Stint lang, aber nach eineinhalb Stunden wird’s ein harter Job! In diesem Auto wird es sehr heiß.“ – Ein Nachteil des geschlossenenCoupés.

Ein weiterer ist die Sicht: es gibt eine Windschutzscheibe, die sich verdrecken kann. Das merkte man an den Rundenzeiten, mit ölverschmierter Scheibe drehten die Peugeot-Fahrer langsamere Runden.

Minassian hatte bei seinem zweiten Turn einige Schwierigkeiten mit der Sicht, das kostete dem Peugeot-Team etwas Terrain.

Klien übernahm das Auto dann wieder für den Schlussturn – rechtzeitig für die lange vorletzte Safety-Car-Phase zu bewältigen. Beim Restart eine Stunde vor Schluss formierten sich die Protagonisten um die Entscheidung:

Marco Werner im führenden Audi Nr. 2, Klien im Peugeot, Helio Castroneves im Porsche RS Spyder, und Allan McNish im Audi Nr. 1.

McNish machte sofort einen Platz gut und arbeitete sich an Werner und Klien heran, die Darbietung dieser drei Fahrer in der Finsternis ließ sämtliche Nachtrennen-Experimente der Formel 1 recht lächerlich aussehen. Mit gleißenden Scheinwerfern durch die Finsternis - so geht das, Bernie!

Klien musste sich Allan McNish beugen. Es war der 27. Führungswechsel an diesem Renntag. Der Schotte ist auch einer der gnadenlosesten Überrunder im Geschäft und arbeitet sich kaltblütig durchs Feld der langsameren Autos. Klien blieb ihm Meter für Meter nichts schuldig.

Der Vorarlberger hatte einige Stunden Rennerfahrung im Dunkeln aus Le Mans, aber diesmal ging es mit dem Messer zwischen den Zähnen durch die Nacht. "Wir hatten ein Balance-Problem, als es kühler wurde, war das Auto heikler zu fahren“, berichtete Christian Klien später – davon war allerdings an den Rundenzeiten nichts zu sehen.

McNish verteidigte seine Position hart, Klien musste mit zwei Rädern durch den Dreck („ich musste mit 300 km/h ins Gras, das war ein interessanter Moment…“), dadurch verlor er etwas den Anschluss und musste sich seinerseits gegen den zweiten Audi wehren.

Langsam, aber nur sehr langsam setzte sich McNish ab: Nach fast neuneinhalb Stunden lagen die schnellsten 3 Autos innerhalb fünf Sekunden. Und dann noch ein Auto in Troubles auf der Strecke, und noch eine letzte Gelbphase!

Den Restart erwischte McNish ideal, Klien nicht. Er fasste sofort drei Sekunden Rückstand aus, dahinter stellten Werner und Castroneves dem Peugeot nach. Die letzten 20 Runden waren ein Duell zwischen McNish und Klien.

Nach über neun Stunden Renndauer entschieden vier Sekunden zugunsten von Allan McNish/Rinaldo Capello/Emanuele Pirro – wieder kosten die langen Boxenstops Peugeot einen wichtigen Sieg. Sichtliche Enttäuschung im französischen Team, aber die Überraschung des Rennens heißt zweifellos Christian Klien.

Sein Resümee nach dem Rennen: "Diese 10 Stunden waren sicher mindestens so hart wie die 24 in Le Mans. Man kann es sich fast nicht vorstellen, wenn man aus der Formel 1 kommt. Aber es ist ein Sprint vom Start bis ins Ziel. 394 Runden lang hast du keine Sekunde,
in der du dich zurücklehnen kannst. Und wie man sieht - ein paar lächerliche Sekunden entscheiden dann, ob du in der
Mitte des Podiums stehst oder eben nicht.“

"Der Speed war da und wir haben keine Fehler gemacht. Und das ist schwierig genug, wenn man in einem Rennen zwischen 600 und 700 Mal überholen oder überrunden muss. Die schnellste Rennrunde tut einer Rennfahrerseele natürlich gut, obwohl es mir lieber gewesen wäre, wir hätten den Audi am Ende noch gepackt.

"Es waren sehr wertvolle Kilometer und ein wahnsinnig gutes Training für meine Reflexe. Ich freue mich schon sehr aufs nächste Mal.“

Fährt der Österreicher nächstes Jahr wieder für Peugeot? Auch BMW beginnt ja wieder ein Engagement in der Sportwagen-Szene, mit einem GT2-Auto.

Nach seiner Darbietung beim Petit Le Mans stehen Klien sicherlich einige Türen offen, freuen wir uns auf das Brodeln in der Gerüchteküche!

Die ALMS-Saison endet mit dem Rennen in Laguna Seca am 18. Oktober, in Europa sind die Sportwagen ja bereits in der Winterpause. Für 2009 ist einiges am Köcheln:

Acura arbeitet unter der Federführung von Nick Wirth am neuen LMP1, Audi denkt über einen neuen Prototypen mit V10-Diesel nach, und weiteres Gemurmel enthält das Wort "Porsche“.

Bei Peugeot hat 908-Designer Paolo Catone den Hut genommen. Wer wird ihn ersetzen, und welche neuen Ideen bringt er mit? - Es wird ein interessanter Winter!

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Peugeot mit Wurz & Klien Peugeot mit Wurz & Klien Qualifying Qualifying

ALMS: Petit Le Mans

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