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Big Brother is watching you

Inboard-Aufnahmen der Rallye-WM sind oft das berühmte Tüpfelchen auf dem i, hin und wieder kosten sie einem Piloten aber auch den Job...

Jeweils zwei Inboard-Kameras in den World Rally Cars (WRC) liefern höchst reizvolle Bilder aus dem Cockpit und vermitteln so aktionsreiche Strecken-Atmosphäre, aber manchmal auch Aufschluss über potenzielle Fahrfehler hoch bezahlter Lenkrad-Akrobaten.

Jahrzehnte lang galten Cockpit-Gespräche in Rallye-Autos als diskrete Geheimnisse glücklicher Fahrer-Ehen, doch spätestens seit der professionellen TV-Vermarktung der Rallye-Weltmeisterschaft wird jeder Dialog erbarmungslos aufgezeichnet und oft sogar mit peinlichen Enthüllungsmomenten ausgestrahlt.

Hintergrund dieser hautnahen TV-Übertragung ist natürlich die Tatsache, dass der Rallyesport zwar eine der spektakulärsten Motorsport-Disziplinen ist, doch der Kampf gegen die Uhr und nicht der direkte Fight mit dem Gegner im Mittelpunkt steht. Ergo wird der interessierte TV-Zuschauer mit reizvoller Cockpit-Atmosphäre angeregt.

Die Idee, den Zuschauer ins Cockpit zu holen, ist nicht neu. Die Umsetzung wurde jedoch lange erschwert. Die zudem Platz raubende Ausrüstung von 16-Millimeter-Filmkameras (18 kg) war früher allenfalls bei geplanten Dreharbeiten tolerierbar, aber nicht im Wettbewerb. Allein die rund 18 Kilogramm Gesamtgewicht der antiquierten Kamera-Ausrüstung wirkten als Zumutung.

Die Miniaturisierung des Kamera-Equipments bis zu den modernen Digitalkameras vereinfachte über wenige Jahre die Realisierung wesentlich. Solch ein Recorder der späten Neunziger Jahre wog nur noch 1,2 Kilo und zeichnete über zwei Inboard-Kameras im Zigarren-Format wechselweise über einen programmierbaren Sequenzer Bilder aus Fahrersicht oder vom Cockpit auf. Der globale TV-Vermarkter ISC (International Sportsworld Communicators) verzichtet mittlerweile auf dieses Sequenzer-System und will sich heute absolut gar nichts mehr entgehen lassen.

Hinter den Fahrern laufen auf einer Standardplatine, die alle Hersteller beim WM-Lauf in ihre WRC installieren lassen müssen, zwei Recorder. Einer für die Kamera, die die Strecke filmt, der andere für die ebenfalls Zigarettenschachtel große High-Tech-Linse, die auf Fahrer oder Beifahrer gerichtet ist.

Die gesamte Ausrüstung (3,5 kg) wird von ISC-Technikern vor jeder Rallye installiert und später demontiert. Normalerweise werden die Recorder über die 12-Volt-Bordspannung versorgt und sind zum Beispiel an den Fresh-Air-Schalter des Turboladers gekoppelt. Doch für den Fall des Falles verfügen die Recorder auch über eine eigene Stromversorgung. An jedem Service werden die Akkus gewechselt und beide Videokasetten gegen neue ausgetauscht. Insgesamt 90 Kassetten pro Etappe müssen fünf Cutter in den mobilen ISC-Studios auswerten.

Platz für eine dritte Kamera bietet übrigens die GPS-Antennenbox auf den WRC-Dächern, die ansonsten zusammen mit der so genannten Silverbox für die Übermittlung von Daten wie Fahrzeug-Tempo oder -Standort (Tracking), Drehzahl, Gangwahl, Bremspedalbetätigung oder Zwischenzeiten (Splits) eingesetzt wird.

Und genau dieses Kontrollsystem kostete Freddy Loix vor einigen Monaten den Job und brachte ihm nur noch einen Platz auf der Reserveliste ein. Peugeot-Sportchef Corrado Provera konnte dem Belgier nämlich peinlich genau nachweisen, dass er gemessen am Team-Kollegen Grönholm immer zu früh bremste, zu früh schaltete und eben nicht mit dem erforderlichen Top-Tempo fuhr. Ein geläuterter Freddy Loix weiß nun zu genau, dass sein Werkseinsatz bei der OMV ADAC Rallye Deutschland (19.-22. August) eine unmissverständliche Bewährungsprobe ist.

Pro Rallye-Tag erstellt ISC in ihren mobilen TV-Studio-Trucks jeweils 15-Minuten-Beiträge aus den Inboard-Aufnahmen sowie den zahlreichen Drehs der Kamerateams am Boden und in der Luft (Helikopter). Via Satellit werden diese Beiträge täglich zeitgerecht an die TV-Partner in aller Welt überspielt.

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