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Rallye-ÖM: Steiermark

Rasant gut

Porsche ist bei den Historischen das Maß der Dinge, aber auch wenn man einen Porsche hat und gut Autofahren kann, kann man besiegt werden.

Diese Erfahrung mußte auch ein Fahrer vom Format eines Ernst Harrach schon zur Kenntnis nehmen, weil er genauso vergeblich an der Überlegenheit eines Konkurrenten angerannt ist wie jetzt Sepp Gruber, und dieser Konkurrent heißt Christian Rosner. Dessen Porsche ist nämlich noch stärker, und wie gut er im Fahren ist, weiß man noch gar nicht wirklich genau, jedenfalls um nichts schlechter als Sepp Gruber. Und daß er seit kurzem mit Irmi Quendler als Copilotin fährt, hat ihn auch nicht gerade langsamer gemacht. Eine harte Nuß, kaum zu knacken.

Was Sepp Gruber bei der ARBÖ-Steiermark-Rallye widerfahren ist, läßt sich also am ehesten mit dem klassischen Begriff „Ehrenvolle Niederlage“ beschreiben. Das Porsche-Team des MSC Kitzbühel ist wieder einmal in seiner Originalbesetzung angetreten (Sepp Gruber/Günter Hain, das bewährte Erfolgsduo) und hat bei den Historischen alle besiegt. Bis auf Christian Rosner, den seit der Castrol-Rallye keiner mehr geschlagen hat. Und eines fällt noch auf: Noch nie war Sepp Gruber zeitenmäßig so nahe am Erzrivalen dran.

Für Sepp Gruber bleibt neben dem dennoch hervorragenden zweiten Platz immer noch das Erfolgserlebnis, einige Male eine schnellere Zeit als Christian Rosner und zugleich Bestzeit bei den Historischen gefahren zu sein. Kurz vor dem Ziel gab es noch Probleme, als er nach einem Totalausfall der Lichtanlage am Rundkurs Hall in die Büsche rutschte und erst nach ungefähr zwei Minuten mit Hilfe schiebender Zuschauer wieder auf die Strecke gelangte. Anschließend fuhr man auf der letzten SP vorsichtshalber mit dem Normal-Licht, um eine solche Situation auf der schnellen Bergabpassage zu vermeiden. Ohne die Schwierigkeiten mit dem Licht und einer Strafminute wegen zweier Frühstarts wäre es vielleicht doch zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Christian Rosner gekommen...aber immerhin: Gut ist alles gegangen, nichts ist geschehen.

Abgerundet wurde das erfreuliche Ergebnis noch durch den ebenfalls sehr guten vierten Platz von Bruder Alois, der sich mit Sepps Ford Escort RS 2000 trotz intensiver Vergaser-Probleme ein hervorragendes Duell mit Koni Friesenegger im Kadett geliefert hatte und wie viele andere Fahrer bei den Historischen hervorragende Rallye-Action geboten hatte.

In der Saison-Endwertung der Castrol Historic Trophy, wo er eine tolle Bereicherung war, wurde Sepp Gruber ebenfalls Zweiter. Sepp Gruber ist die ideale Verkörperung des Historischen-Teilnehmers: Ein Sportler ohne Star-Gehabe (was generell alle Rallye-Profis auszeichnet) und immer wieder für eine Show gut. Er weiß ganz genau, was das Publikum will, und setzt das optimal in die Praxis um.

Auch wenn die Castrol Historic Trophy nunmehr für dieses Jahr zu Ende ist, wird es heuer für Interessierte noch eine Gelegenheit geben, Sepp Gruber mit seinem Porsche 911 in Action zu erleben: Beim Mitropacup geht es noch um den Sieg in der Historischen-Wertung (hier kämpft er gegen die Italiener Muner und Guerra), und der endet bekanntlich bei der ADAC-3-Städte-Rallye, die diesmal am 5. November in der näheren Umgebung von Passau stattfinden wird.

Ob man Sepp Gruber auch im kommenden Jahr bei den österreichischen Rallyes sehen wird, steht jedoch in den Sternen: Eine möglicherweise bevorstehende Reglement-Änderung, die einige Teilnehmer – unter anderem auch ihn – vor die Wahl stellen könnte, entweder ihr Auto aufwändig umzubauen oder auszusteigen, könnte eine Verkleinerung des Historischen-Starterfeldes bewirken. Wobei die Frage durchaus berechtigt ist, ob es sinnvoll ist, etwas zu ändern, was sowieso gut läuft.

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