RALLYE

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Der alte Wilde

Die BP Ultimate-Rallye war als Lauf zur historischen Rallye-EM von einigen Höhepunkten unter den Rallye-Veteranenfahrzeugen gekennzeichnet. Aber am erstaunlichsten war eindeutig ER. Denn ein über vierzig Jahre altes Rallyeauto, das so schnell ist, sieht man nicht jeden Tag.

Es waren mehrere Porsches am Start (das Match Rosner gegen Valter war besonders sehenswert), man sah – wenn auch nur kurz – einen Lancia Stratos (eine totale Rarität), und auch die Rückkehr von Stephan Förster mit dem Sunbeam-Talbot sowie der gelungene Einstieg von Michael Mascherbauer mit dem Rosenberger-Lancia waren eine gute Werbung für den historischen Rallyesport.

Aber es gibt wohl kaum ein Rallye-Fahrzeug, auch nicht unter den Historischen, das so unscheinbar aussieht und gleichzeitig ein solches Tempo hinlegt wie der Ford Cortina. Man muß natürlich wissen, daß es eines der leichtesten Autos ist, da sind auch 150 PS nicht so wenig. Zudem ist der Cortina im Fahrverhalten äußerst unkompliziert.

Natürlich hängt auch viel vom Fahrer ab, aber auch auf dieses Teil der Kette war Verlaß: Alois Nothdurfter zeigte sich in bester Form und spielte seine jahrzehntelange Motorsport-Erfahrung aus. Das tat er so gut und überzeugend, daß sich stellenweise sogar die größten Stars unter den Historischen in Acht nehmen mußten, wenn Alois Nothdurfter und Christoph Friesenegger in Aktion traten. Am deutlichsten wurde dies demonstriert beim ersten Durchlauf am Magna Racino:

Zweitschnellste Zeit, nur sechs Zehntel hinter dem Schnellsten, Jensen Valter. Die stärkste Ansage, die mit einem Fahrzeug wie diesem überhaupt denkbar ist. Wenn jemand bisher noch nicht erkannt hat, daß Alois Nothdurfter und sein Ford-Lotus Cortina eine absolute Klassenummer sind – spätestens hier hat er es erkannt.

Auch auf den Rallye-Prüfungen in der buckligen Welt ging es im Wesentlichen in dieser Tonart weiter. Es gab zwar zwischendurch Schwierigkeiten durch einen gebrochenen Verteilerfinger, und die Strecken waren eher Porsche-freundlich, als daß sie einem unterlegenen Herausforderer wie dem Ford-Lotus Cortina erkennbare Vorteile geboten hätte, aber Alois Nothdurfter packte alle seine Tricks aus, die er sich im Lauf seiner nationalen und internationalen Rallye-Starts angeeignet hatte, und fegte ein ums andere Mal über die schnellen Asphaltsprints, daß den Favoriten schwindlig wurde: Spektakulär wie fünf World Rally Cars. Jim Clark hätte es nicht besser gekonnt.

Vor allem die Zeiten zeigen, mit welch einem Kämpferherz Alois Nothdurfter am Werk war: Er fuhr immer wieder viertbeste Zeiten unter den Historischen, gar nicht so selten auch eine drittbeste Zeit, aber die absolute Krönung gelang ihm auf der ersten Prüfung von St. Peter: Dort war er Zweitschnellster. Gewiß, das war jene Prüfung, wo Christian Rosner seinen Reifenschaden hatte, aber auch einen Johannes Huber (Porsche) oder einen Bernd Rothensteiner (Escort) und all die anderen muß man erst einmal schlagen.

Das Ergebnis: Ein fünfter Platz, mit einer halben Minute Rückstand auf Konrad Friesenegger. Berücksichtigt man nun die Strafzeit von 1:30 Minuten, mit der Alois Nothdurfter in den Freitag gestartet war, so hätte er sich ohne dieser sogar mit Leichtigkeit vor Bernd Rothensteiner platziert – und wäre damit als bester Nicht-Porsche-Pilot Dritter geworden! Seine bisher beste Rallye in diesem Jahr war es, soviel steht fest.

Fest steht zudem: Alois Nothdurfter und Christoph Friesenegger haben frischen Wind in die Castrol Historic Staatsmeisterschaft hineingebracht, noch mehr, als ohnehin schon drin ist, und da bedauert man es direkt, daß sie zwei Saisonrallyes auslassen mußten. Die Teilnahme an der Steiermark-Rallye gilt hingegen als gesichert, da geht die Show gleich weiter. Und nächstes Jahr? Hoffentlich auch.

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