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ERC/ORM: Jännerrallye 2013

Die Stimmung im Servicepark

motorline.cc auf der abendlichen Runde durch den Servicepark – ein erster Stimmungsbericht aus Freistadt, alle fragen sich: Wie wird das Wetter?

Michael Noir Trawniczek

„Letztendlich kannst du nur beten, dass es so geblieben ist, wie du die Strecke besichtigt hast“, zuckt Ernst Harrach mit den Achseln. Denn in Freistadt herrscht das große Rätselraten, wie denn am Freitag das Wetter sein wird.

Harrach sagt: „Die Besichtigung war ja Dienstag und Mittwoch – da liegt also ein ganzer Tag zwischen der Besichtigung und dem ersten Rallyetag, das ist dann schon recht heftig – vor allem deshalb, weil am heutigen Donnerstag wettermäßig sehr viel passiert ist, es gab Regen, Eisregen, teilweise Schnee. Wenn es regnet und dann kommen Minusgrade – dann werden die ersten Freitagsprüfungen extrem schwierig, vor allem SP 2 und SP 3.“

Eisspione verboten

Dass es mehr oder weniger ein „Blindflug“ wird, was die Streckenkonditionen anbelangt – dafür sorgt die FIA, denn in der neu erstarkten Rallye-Europameisterschaft ERC sind Eisspione nicht zugelassen. Kris Rosenberger lacht: „Laut Reglement dürfen die Piloten sich nicht einmal austauschen. Die Frage: ‚Wie war es auf der SP?‘ ist demnach bereits verboten.“

Rosenberger befürchtet wie viele andere auch die mitunter besonders gefährlichen Bedingungen mit versteckten Eisflächen: „Das ist am schlimmsten, wenn du mit Slicks oder Regenreifen rausfährst und dann hast du vereiste Prüfungen.“ Zugleich gilt auch für Rosenberger: „Je schlechter die Bedingungen, desto besser ist es für mich.“ Der VW Polo S2000-Pilot orientiert sich an seinen österreichischen Konkurrenten: „Mein Ziel ist in der ÖM der dritte Platz hinter Baumschlager und Harrach.“

Zu den Favoriten gehört Mini-Pilot Vaclav Pech, der zufrieden erklärte: „Wir hatten das gesamte Vorjahr über Probleme mit dem Differenzial – doch am Ende des Jahres haben wir zwei Monate hart gearbeitet, um dem Problem auf die Schliche zu kommen, und das hat funktioniert. Beim Shakedown lief alles rund, wir haben große und kleine Reifen ausprobiert.“

Pech: „Schnee kommt sicher!“

Während viele seiner Konkurrenten nur mit den Achseln zucken, wenn sie gefragt werden, mit welchen Wetterkonditionen sie für Freitag rechnen, antwortet Pech wie aus der Pistole geschossen: „Morgen gibt es Schnee und das ist gut für mich.“ Wie? Es kommt sicher Schnee? Pech lächelt, sagt dann aber ernst: „Ja, ganz sicher. Es kommt sicher Schnee – aber nur am Vormittag. Am Nachmittag kommt Regen.“ Warum er sich so sicher sei, ob er einen besonders guten Meteorologen zur Verfügung habe? Diese Fragen beantwortet Pech wieder nur mit einem freundlichen Lächeln…

Sein tschechischer Landsmann Martin Semerad wiederum, der in einem Mitsubishi Lancer Evo IX antritt, hat ohnehin andere Sorgen: „Ich hatte eine lange Pause, saß ein halbes Jahr nicht mehr im Rallyeauto. Zudem habe ich einen neuen Beifahrer. Test hatten wir auch keinen. Ich fahre hier also mein eigenes Rennen…“

Zum ersten Mal in einem Evo IX startet Gerhard Aigner – für ihn wird es ein „Sprung ins kalte Wasser“, denn: „Wir hatten nur sechs Testkilometer – aber ich bin mit dem Shakedown zufrieden. Das Auto war angenehm zu fahren, es ist berechenbar.“ Den Luxus namens R4 oder Rennsprit gibt es beim „anderen Aigner“ nicht. Trotzdem verfolgt natürlich auch er ganz konkrete Ziele: „Wir wurden im Vorjahr siebtbeste Österreicher im Gesamtklassement – dieses Ergebnis zu wiederholen oder gar zu toppen, wäre natürlich schön.“

Fischerlehner: „Rätselraten taugt mir!“

Ebenfalls auf einem Evo IX, eingesetzt von Profi Willi Stengg und seinem Team, startet Martin Fischerlehner, der für einige Fans als „Geheimtipp“ gilt, schließlich konnte der frühere Radrennfahrer im Vorjahr in Freistadt bereits mit guten Zeiten glänzen. Fischerlehner sagt: „Wir konnten in der Tschechei 30 Testkilometer absolvieren, ich bin auch mit dem Shakedown sehr zufrieden, wir sind dreimal über die zwei Kilometer lange Strecke gefahren und konnten die zehntschnellste Zeit markieren. Wichtig ist, dass wir unterschiedliche Reifen probieren konnten, somit bin ich mit dem heutigen Tag zufrieden.“

Die Wahl werde am Freitag reifenmäßig „zwischen schmal oder breit“ fallen, Spikes werde man „auf jeden Fall“ einsetzen müssen. Fischerlehner, der heuer mit Startnummer 29 loslegt, setzt sich selbst nicht unter Druck: „Unser Ziel ist es, gut anzukommen. Auf den ersten drei Prüfungen werden wir uns warmfahren. Wichtig ist es, dass man keine Fehler macht und dass man die richtigen Reifen auf dem Auto hat. Keiner weiß, was morgen passieren wird, es herrscht das große Rätselraten – und das taugt mir!“

Strahlende Augen hatte auch der Deutsche Aaron Burkhart, schließlich fährt er in Freistadt zum ersten Mal mit einem historischen Boliden im Wettbewerb, mit einem Lancia Delta Intergrale. Der Unterschied zu einem modernen Wagen sei schon sehr groß, erklärte Burkhart: „Du musste höhere Lenkkräfte anwenden, die H-Schaltung ist auch noch sehr ungewohnt für mich, einmal habe ich statt dem fünften den dritten Gang erwischt. Aber für mich gilt: Je schlechter die Bedingungen, desto brutaler musst du fahre und desto besser ist es für mich.“

Danzinger: „Wünschen tu‘ ich mir den Sieg…“

In der 2WD der ERC möchte Hannes Danzinger im Renault Clio R3 von Schlager Rally Sport um den Sieg kämpfen. Teamchef Eddy Schlager erzählt: „Wir sind mit dem Shakedown zufrieden, wir konnten verschiedene Reifen ausprobieren. Als direkte Konkurrenten sehe ich unsere Landsleute Hermann Neubauer und Michi Böhm, dazu kommt noch der Italiener Chentre auf einem Fabia R2 und der Russe Titof auf einem DS3 R3, die man schwer einschätzen kann, ein Honda R3 scheint ebenfalls recht stark zu sein.“

Schlager gerät ins Schwärmen: „Kathi Wüstenhagen, die Co-Pilotin von Hannes, bringt ein ganz neues Level an Professionalität in unser Team.“ Am Abend stand noch ein „Debriefing“ auf dem Programm, wie man es von der Formel 1 her kennt. Schlager sagt: „Kathi leitet diese Treffen, sie bereichert unser Team ungemein – wir können von ihr noch einiges dazulernen.“

Hannes Danzinger zeigt sich ebenfalls zufrieden: „Der Shakedown war super, wir haben ein bisschen etwas ausprobieren können. Das Auto lief perfekt.“ Die Favoritenrolle sei „kein Problem“, versichert der selbstbewusst wirkende Danzinger. Welches Wetter er sich wünschen würde? Danzinger lacht: „Das Wetter ist mir egal – und wünschen tue ich mir einen Sieg!“

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