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„Die gehören alle geschlagen!“

Der dreifache Staatsmeister Achim Mörtl spricht über sein bevorstehendes Comeback in der Rallye-ÖM, in der er die 2WD-Meisterschaft gewinnen möchte.

Michael Noir Trawniczek
Fotos: Unior, Daniel Fessl/www.motorline.cc, Achim Mörtl Facebook

Längst weiß man es in der Rallyeszene: Achim Mörtl hat bei seinem einmaligen „Spaß-Comeback“ bei der Herbstrallye Leiben [siehe Foto links oben, d. Red.] Blut geleckt und kehrt dank seiner Sponsoren Unior und ATC in die Staatsmeisterschaft zurück.

Der dreifache Rallye-Staatsmeister (1996, 1999 und 2006) kämpft in einem von Jaga Motorsport eingesetzten Citroen DS3 R3 um den Titel in der 2WD. Auf Facebook hat Mörtl bereits einen Teil des neuen Designs gepostet [siehe Foto links unten, d. Red.].

Mit Achim Mörtl kehrt eine schillernde Figur in den Rallyesport zurück – ein Mann, der sich selbst und auch sein Umfeld sehr gerne herausfordert, der mitunter auch recht unbequem sein kann - weil er einfach sagt, was er denkt. Auch im Gespräch mit motorline.cc spricht Achim Mörtl Klartext – nach zwei, drei ÖM-Rallyes möchte er 2WD-Siege feiern. Dass es wegen der internationalen Projekte von Hannes Danzinger und Hermann Neubauer derzeit nur wenige Gegner auszumachen gibt, etwa Michael Böhm im Suzuki Swift S1600, kümmert den 42-jährigen Kärntner nicht: Wer auch immer in der 2WD fahren wird, Mörtl will sie alle schlagen…

Achim, es gab im Internet bereits diverse Andeutungen, dass du in die Rallye-ÖM zurückkehrst, kannst du das bestätigen?

Ja, es ist ja wirklich kein großes Geheimnis mehr, nachdem es längst alle Spatzen vom Dach pfeifen. Ich fahre heuer mit einem Citroen DS3 R3 in der 2WD-Meisterschaft - ich habe mit Unior und ATC sehr gute Partner und ich möchte in Zusammenarbeit mit ihnen den Titel nach Kärnten holen. Also relativ einfach.

Du hast aber noch wenig Erfahrung mit einem vorderradangetriebenen Auto?

Ja, das ist Neuland für mich. Man muss da schon die Kirche im Dorf lassen: Ich bin fünf bis sechs Jahre nicht mehr Rallye gefahren – obwohl ich mit meiner Leistung bei der Herbstrallye sehr zufrieden war. Aber ich bin mit vierradgetriebenen Autos aufgewachsen und bin nie mit einem Zweiradantrieb gefahren.

Aber ich sage einmal: Da ich immer mit relativ viel Selbstvertrauen gesegnet war, brauche ich mir da keine großen Sorgen zu machen.

Wird es vor der ersten ÖM-Rallye einen Test geben?

Ja, wir werden wahrscheinlich einen Test machen – und wir werden wahrscheinlich die Thayaland-Rallye als Test-Rallye fahren, damit wir uns auch teammäßig aufeinander einspielen. Und ich werde vielleicht zwei Rallyes benötigen, bis ich den Speed des Autos voll ausnützen kann. Aber ich denke, dass ich nach zwei, drei Rallyes dabei bin.

Wer sitzt auf dem „heißen Sitz“?

Da ich ja schon relativ lang weg war und ich natürlich mit Größen wie Jörg Pattermann, Detlef Ruf, Klaus Wicha oder Sigi Schwarz die letzten Jahre verbringen habe dürfen und diese Kaliber bis auf Sigi Schwarz eigentlich nicht mehr in der Meisterschaft vertreten sind, habe ich mich für eine Kärntner Lösung entschieden: Ich fahre mit Jürgen Rausch.

Das ist ja auch ein erfahrener Co-Pilot…

Ja. Weißt du: Ich muss es mir so richten, dass es mir dann im Auto passt. Nach fünf Jahren habe ich eine gewisse Vorstellung, wie ich Rallyefahren will. Natürlich wird man am Beginn Kompromisse eingehen müssen. Aber ich denke, nach zwei Rallyes wird es sowohl mit dem Jaga Team als auch mit Jürgen und dem Auto an sich eingespielt sein. Ich bin da zuversichtlich – denke nur an Franz Wittmann, der 2000 wieder angefangen hat, mit 50 Jahren. Da bin ich ihm ja um acht Jahre voraus.

Du bist zwischenzeitlich auch als mentaler Berater, beispielsweise von Patrick Winter aufgetreten – würdest du unterstreichen, dass man für den Erfolg erst einmal im Kopf bereit sein muss?

Sicher. Es hat halt jeder unterschiedliche Auffassungen, wie er etwas tun will. Ich habe versucht, den Leuten, mit denen ich gearbeitet habe, zu erklären, wie man heutzutage gewinnt. Und ich glaube, dass ich hier einiges erzählen kann, denn ich habe nicht nur im Rallyesport Erfolge erzielt, sondern auch im Extremsport, wo ich Dinge gemacht habe, die nicht jeder macht. Da bedarf es eben einer gewissen Arbeitsweise.

Das beginnt einmal bei dir selbst – dass es nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt, wenn du sagst, du tust alles, um zu gewinnen. Das ist Punkt eins, da hast du den größten Einfluss.

Das Zweite ist: Du musst dir ein Umfeld schaffen, dass dir erlaubt, zu gewinnen. Mit den Sportlern, die ich betreue, mache ich genau das Gleiche. Es gibt die trainierbaren Faktoren – das ist eben das Pensum, das ich trainieren kann, als Person. Also in meinem Fall der Rallyefahrer, ich selbst. Und dann gibt es beeinflussbare Faktoren – die kann ich zwar nicht trainieren, aber ich kann sie beeinflussen, zum Beispiel eben das Umfeld.

Und dann gibt es noch vorgegebene Faktoren, zum Beispiel das Auto. Das kann ich zwar mittels Setup-Abstimmung beeinflussen, doch es hat ein gewisses technisches Niveau und das muss ich auch einhalten, das kann ich nicht beeinflussen.

Ich unterrichte ja auch an der Bundessportakademie, da sage ich das auch immer: Erfolg ist ein Puzzle - und je mehr Puzzlesteine ich habe, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich Erfolg habe.

Um Erfolg zu haben, muss man auch die Gegner schlagen und einschätzen können – wie schätzt du deine Konkurrenten in der 2WD-Meisterschaft ein?

Da mache ich mich noch nicht so viele Gedanken. Das war auch seinerzeit so, als ich zum Beispiel 2005 gegen den Raimund gefahren bin. Mein Ziel war immer, dass ich in meiner Klasse vorne bin – und jetzt fahre ich halt nicht in der Top-Klasse, sondern unter Anführungszeichen ‚nur‘ in der 2WD, wobei diese Klasse international immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Ich habe vor, die 2WD zu gewinnen – und wenn mir das vielleicht nicht gleich gelingt, okay, dann sind diejenigen, die dort auch noch fahren, eben schneller. Aber nach zwei oder drei Rallyes möchte ich gewinnen. Da denke ich nicht so viel darüber nach, wer dort aller fährt, sondern ich sage: Die, die dort fahren, die gehören geschlagen! Die muss ich schlagen!

Als ich mit dem WRC gefahren bin, habe ich auch nicht gleich alles im ersten Jahr gewonnen, sondern erst im zweiten Jahr. Als ich 2005 gegen den Raimund gefahren bin, hat es auch zwei Rallyes gedauert, bis ich ihn geschlagen habe. Damals ist mir vorzeitig das Geld ausgegangen, obwohl ich mit einer Rallye Vorsprung in der Meisterschaft geführt habe. Damals war ich zwar schnell, aber ich war nicht gut genug im Geldaufstellen, damit ich die Saison fertig fahren konnte.

Die Saison 2013 ist gesichert?

Ja, nicht ganz, ein bisschen fehlt schon noch – aber sagen wir so: Dass wir die ersten fünf, sechs Rallyes fahren können – das schaut recht gut aus.

Das Comeback von Michael Schumacher hat die Menschen sehr beschäftigt – da ging es auch um die Frage, ob man in einem gewissen Alter noch stark genug ist, um an der Spitze mitzuhalten. Geht es bei dir auch ein bisschen darum, dass du dir beweisen möchtest, dass du noch stark genug bist?

Nein, eigentlich gar nicht. Das Ganze ist ja eigentlich durch Zufall entstanden. Ich war voriges Jahr mit dem Erwin Reiterer, der ja ein Kollege ist auf der Bundessportakademie, beisammen und wir haben gesagt: ‚Jetzt fahren wir eine Rallye zum Spaß!‘

Ich selbst habe zwar den Rallyesport immer noch verfolgt, aber ich hatte nie die Absicht, dass ich eine Saison fahren wollte. Ich habe dank meiner Sponsoren auch in der Weltmeisterschaft fahren dürfen und Österreichischer Meister war ich ja auch schon...

Und ob ich jetzt achtmal oder siebenmal Meister bin – das ist mir eigentlich nicht wichtig. Ich habe dann andere Herausforderungen gesucht, sportliche Herausforderungen auf dem Berg, oder Radrennen. Ich habe mir immer etwas gesucht, um mich fordern zu können. Jetzt, wo ich beschlossen habe, dass ich wieder Rallye fahre, da ist es auch wieder eine Herausforderung.

Kann man sagen, dass du bei der einen vermeintlichen ‚Spaß-Rallye‘ wieder Blut geleckt hast?

Na klar! Wenn ich mal drinnen sitz – klar taugt mir das! Es war aber nie so, dass ich gesagt habe: ‚Ich muss unbedingt wieder fahren!‘ Aber es hat sich einfach die Möglichkeit ergeben, dank meiner Sponsoren, dass ich eben wieder Rallye fahren kann – und zwar auf eine Art und Weise, wie ich es machen möchte.

Da ist das Umfeld lässig, die Sponsoren sind an Bord, der Reinhard Pasteiner hilft mir auch mit seiner Firma ATC – das sind lauter lässige Leute im Umfeld und da freue ich mich jetzt richtig drauf!

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