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Mitropa Cup: Rally Alpi Orientali

Friedl: "Öl(kühler)-Flüsterer ist gefragt"

Friedl/Treybal konnten ein technisches K.O. des Escort-Motors knapp verhindern und die Führung in der Historicwertung noch verteidigen.

Bildquelle: Friedl privat

In Italien stand der auch zum Mitropa-Cup zählende Historic-Europameisterschaftslauf, die traditionelle Rally Alpi Orientali in Cividale (östlich von Udine), auf dem Programm. Das Teilnehmerfeld von 65 Startern war nur so gespickt von legendären Rallyeautos: Lancia Stratos, Lancia 037, Fiat 131 Mirafiori und 124 Spyder, Escort BDA, Renault 5 GT Turbo, Talbot Lotus und natürlich Porsches wie Sand am Meer.

Als Co-Pilot nahm erstmals Peter Treybal, mit dem Eugen Friedl zuvor mehrere Jahre im Mitsubishi Evo erfolgreich unterwegs war, im Escort Platz. Wie bei allen Historic-EM-Läufen war mobiles Außenservice statt Servicezonen üblich, was beim Navigieren auch eine zusätzliche Herausforderung für die Mechaniker bedeutete.

Beim Besichtigen der malerischen Strecke wurde Friedl klar: Hier gibt es sogar noch mehr Kurven als auf Elba oder Korsika, eine wahre Kurvenorgie. Nicht umsonst wird diese Veranstaltung "Rallye der tausend Kurven" genannt. Es hat auf allen Prüfungen nicht mehr als zehn Geraden gegeben, die länger als 80 Meter waren. Die Wettervorhersage prognostizierte zu 100 Prozent Sonne, und bei 35 Grad Hitze durchzuhalten, war eine Frage der Kondition von Mensch und Maschine.

Am ersten Rallyetag attackierten Friedl/Treybal gleich vom Start weg, leider verhinderte aber ein kleines Vergaserproblem (Schwierigkeiten im mittleren Drehzahlbereich) ein besseres Zwischenergebnis. Das Problem konnte aus Zeitgründen beim Service erst am zweiten Rallyetag in der Früh gelöst werden. Bemerkenswert war die Zuschauerkulisse in den vielen Kurven – bei jedem Drift haben die "Tifosi" begeistert reagiert. Diese Momente, die man auch im Cockpit registrieren konnte, bleiben emotional in Erinnerung - elektrisierend!

Am Vormittag des zweiten Tages konnten Friedl/Treybal den gemeinsamen Spaß des ersten Tages fortsetzen, dabei haben sie aber manchmal auf die effizientere Linie "vergessen". Der Plan war nun, in die Nähe der Podestränge zu kommen und das in der Mitropa-Cup-Wertung vor Friedl/Treybal liegende deutsche Porsche-Team wieder einzuholen. Für die vorletzte SP 10, Mersino, war daher nochmals ordentlich Gasgeben angesagt.

Doch ab halber Distanz gab's wieder einmal "Alarmstufe rot": fallender Öldruck! Nicht schon wieder! Es stellte sich einmal mehr die Frage: Motor abstellen oder weiterfahren. Eugen Friedl entschied sich für die Risikovariante, das Tempo total herauszunehmen und die restlichen zehn Kilometer der Prüfung quasi im Schleichtempo zu beenden. Dass dies nicht die schlechteste Zeit des gesamten Feldes nach sich zog, verblüffte das Team: nur ca. zwei Minuten Zeitverlust. Die Ursache lag wieder – wie heuer schon einmal – beim Ölkühler, der undicht war. Nachdem dieses Szenario schon bekannt war, legten Friedl/Treybal mit eigenen Bordmitteln erneut den Ölkühler tot und installierten innerhalb von wenigen Minuten einen Bypass – fast schon Routinearbeit! Genügend Reserveöl hatten man im Auto mit. Jetzt galt es nur mehr, die letzte Prüfung zu überstehen.

Auch das war noch ein kleines Abenteuer: Bei einem sehr engen "Links 1"-Abzweig beschädigte man sich den Auspuff hinter dem Krümmer ziemlich heftig. Mit diesem Auspuffsound konnte man zumindest mit den lautesten Porsches mithalten. Schlussendlich waren beide froh, dass der Motor wieder "überlebt" hatte und man überhaupt das Ziel erreichen konnte. Gesamtplatz 25 und nur läppische zwei Sekunden haben auf den fünften Platz in der Mitropa-Cup-Wertung gefehlt. Trotzdem konnte Eugen Friedl die Führung im Mitropa-Cup Historic mit einem Punkt Vorsprung auf das siegreiche italienische Porsche-Team Pasutti verteidigen.

Zur genaueren Problemanalyse überlegt Friedl nun, vielleicht einen "Ölkühler-Flüsterer" zu engagieren. Vorsichtshalber wird jetzt einmal der nächste Mitropa-Cup-Lauf, die Rally Nova Gorica, ausgelassen, um dem Motor eine umfangreiche Kontrollrevision zukommen zu lassen. Eugen Friedl und Peter Treybal bedanken sich auch beim Serviceteam um Peter "Mr 11 Volt" und Martin "Moda", das in einem Mix aus Routine, Engagement, Navigationserfahrung und schnellem "Schrauben" tolle Arbeit geleistet hat.

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