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Willi Stengg im Motorline-Talk

„Wir konnten nicht mehr kostendeckend agieren!“

Willi Stengg junior (im Foto ganz links) nimmt zur Absage der 1996 von seinem Vater Willi Stengg senior (im Foto ganz rechts) initiierten Wechselland-Rallye Stellung und blickt im Gespräch mit motorline.cc zurück auf die beinahe 25-jährige Geschichte des Events...

Foto: Daniel Fessl

Willi Stengg junior (im Foto ganz links) nimmt zur Absage der 1996 von seinem Vater Willi Stengg senior (im Foto ganz rechts) initiierten Wechselland-Rallye Stellung und blickt im Gespräch mit motorline.cc zurück auf die beinahe 25-jährige Geschichte des Events...

Bis 2017 war Willi Stengg junior bei der Wechselland-Rallye lediglich für die Sicherheitsstaffel verantwortlich - die Organisation des seit dem Gründungsjahr 1996 fix etablieren ORM-Laufs (Österreichische Rallye Sttaatsmeistrschaft) oblag seinem Vater Willi Stengg senior. Willi junior konnte die Heimrallye gleich im zweiten Jahr gewinnen und dieses Kunststück im Jahr 2006 wiederholen. 2017 übergab Willi senior krankheitsbedingt seinem Sohn eine bereits fertiggeplante Rallye, 2018 war der Generationenwechsel in der Organisation vollzogen, am 17. Mai des Vorjahres verstarb Willi senior im Alter von 69 Jahren. Sein Sohn möchte die Wechselland-Rallye nicht für immer aufgeben - die Absage gleicht eher dem vernunftorientierten Ziehen einer Reissleine, denn auf die Kosten haben Vater und Sohn schon immer geachtet. Als reine ORM-Veranstaltung mit lediglich 45 bis maximal 50 Teams scheint das kostendeckende Arbeiten so gut wie unmöglich zu sein...

Willi, vor ein paar Tagen hast du die Wechselland-Rallye endgültig abgesagt - was waren die wichtigsten Gründe?

In den letzten Jahren sind die Starterzahlen stark gesunken und wir konnten ab einem gewissen Punkt nicht mehr kostendeckend arbeiten. Wir sagten uns immer wieder: Wir probieren es! Wir haben bei der Austrian Rallye Challenge (ARC, d. Red.) angefragt - man hätte bei uns fahren können anstatt im Ausland. Leichter fiel mir die Absage immer wenn ich an die Aussage eines Veranstalters einer ARC-Rallye dachte, der genau zu unserer Anfrage meinte, die ARC sei nicht für Wünsche der ORM-Veranstalter zuständig...

Die Wechselland-Rallye gibt es seit 1996 - sie wurde von deinem im Vorjahr verstorbenen Vater Willi Stengg senior sehr erfolgreich über beinahe 25 Jahre veranstaltet...

Die Veranstaltung gab es vorher schon als Hartberger Ring Rallye - nachdem diese verschwand und nach einer kurzen Zwangspause übernahm mein Vater die Rallye. Im Premierenjahr gab es noch keinen Veranstalter-Sponsor, danach übernahm gleich mal Sebring unter Angelika Kresch über Jahre hinweg diese schöne Verantwortung. Danach folgten die Jahre mit Bosch als Hauptsponsor. Grundsätzlich galt damals: Mit dem Startgeld der Teams sollte die Hälfte der Kosten abgedeckt werden. Davon haben wir uns zu weit entfernt...

Ich hab ein Bild im Kopf - wenn ich es abrufe, kommen bittere und auch sehr schöne Gefühle: Es muss mindestens zwei Jahre zuückliegen - bei der Siegerrampe oben am Hauptplatz wollten die Fans, dass Willi nochmal sein Trillerpfeiferl bedient. In diesem Moment war so vieles da: die volle und ehrliche Dankbarkeit der Fans, der große Respekt aller Helfer und Aktiven, und seine völlig normale Angst vor dem Tod. Ich hab das mit dem Pfeiferl in den Jahren davor nicht so recht mitbekommen - was hat es mit dem Trillerpfeiferl auf sich? War er so miitärisch streng damit?

(lacht) Nein, das lief die meiste Zeit über eigentlich sehr entspannt - vor allem in den letzten Jahren, in welchen er als Pensionist wirklich viel Zeit hatte für die Rallye. Und das hat sich total super auf die Organisation ausgewirkt. Er hat sich immer was Neues überlegt. Ich selbst habe 2017 die bereits fertige Rallye übernommen, 2018 habe ich dann ebenfalls Neues ausprobiert. Unser Credo lautete stets, dass wir für die Fahrer jedes Jahr rund 30 Prozent an neuen Prüfungen liefern wollten - und das ist nicht schlecht gelaufen eigentlich. Auch die Strecken im benachbarten Bundesland, da hat uns Niederösterreich mit unterstützt. Zum Glück hatten wir am Ende OBM als Hauptsponsor - die hätten uns auch weiterhin unterstützt...

Jetzt haben wir nicht erst einmal erlebt, dass sich Regionen, Gastronomie, Hotels und Firmen nach dem auch für sie spürbaren Tod einer Rallye - bei derJahresabrechnung - oftmals komplett neu aufstellen im Bezug auf Akzeptanz und Sponsorentätigkeiten - die Wertschätzung des Events wird quasi aufgefrischt und zugleich verschwinden oftmals auch langjährige Spannungsfelder ganz von selbst, sodass sich mancherorts eine regelrechte Lust auf ein Rallye-Comeback ergab. Der Jännerrallye tat eine solche Pause zum Beispiel gut - dürfen die Fans auf ein Comeback der Wechselland-Rallye im Jahr 2021 hoffen?

Naja, man darf dabei nicht vergessen: Die Jännerrallye ist eine extreme Prestige-Rallye! Die hat in ganz Europa eine Alleinstellung als großartige und perfekt organisierte Winterrallye. Aber wer weiß: Vielleicht erleben auch wir den Jännerrallye-Effekt? Von den Gemeinden war Pinggau jedenfalls jene, die uns tatsächlich in jedem Jahr mit gleichbleibender Kraft untertstützt hat.Da kann man nur Danke sagen...

Gerüchten zufolge denkt Rallycross-Zampagno Erich Petrakovits schon seit einiger Zeit an eine eigene Rallye und soll auch bereits mit dir gesprochen haben...

Das stimmt, er hat Interesse an der Fortführung der Rallye gezeigt - und vielleicht ergibt sich ja nächstes Jahr eine derartige Möglichkeit. Jetzt gilt es einmal, das Erlebte zu verdauen und die Batterien neu aufzuladen...

Aber du würdest sowohl als Veranstalter weitermachen, wenn das Budgetrisiko wegfallen sollte als auch Interessenten wie Petrakovits als Berater oder in einer Funktion zur Seite stehen?

Auf alle Fälle - ich will ja nicht, dass die Rallye für immer stirbt. Nur: Es muss was passieren! So wie es zuletzt gelaufen ist, kann es nicht funktionieren. Zurzeit befinden wir uns als Veranstalter irgendwie auf dem falschen Weg - offenbar haben wir zu viele Rallyes in unserem Land, wenn dann nur 45 Autos am Start stehen...

Was war der schönste Moment in der Geschichte der Wechselland-Rallye? Der von deinem Vater und der von dir selbst...

Für ihn war es wohl der Start des VW Polo WRC mit Raimund Baumschlager. Für mich war es der erste Sieg bei meiner Heimrallye.

Und gab es einen klaren Tiefpunkt in der Geschichte der Wechselland-Rallye?

Ja, ganz eindeutig: Der tragische Tod von Beppo Harrach-Copilotin Jutta Gebert - das war furchtbar...

Gab es eine organisatorische Entscheidung, die man im Nachhinein bereut hat als Rallye-Veranstalter?

Schwierige Frage, zumal ich ja nicht direkt in der Organisation im Einsatz war. Aber es gab eine Prüfung direkt in Graz - die ist supergut angekommen,doch wir haben die Kosten komplett unterschätzt...

Seit 1996 war die Wechselland-Rallye ein anerkannter ORM-Lauf - das ist beinahe ein Vierteljahrhundert und mehr als beachtlich! Wie würdest du das damit zusammenhängende Erfolgsrezept dieser Rallye in einem Satz beschreiben?

Die Rallye wurde von meinem Vater recht gut und straff geführt - ihm war eine kostengünstige Veranstaltung von Beginn an wichtig, er hat stets die Kosten so niedrig wie möglich gehalten. Und wir waren Vorreiter - hatten in Pinggau einen Rundkurs mitten durch die Ortschaft, als es das in der ORM noch nicht einmal gab...

Willi Stengg,danke für das Gespräch! Und: Möge es 2021 ein Comeback der Wechselland-Rallye geben...

Vielen Dank.

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