Takamoto Katsuta: Hintergrund | 17.04.2026
Wie der Japaner zum WM-Anwärter wurde
Takamoto Katsuta führt die WRC-Weltmeisterschaft an - Als erster japanischer Fahrer überhaupt - Was sich im Hintergrund zum Positiven verändert hat
Takamoto Katsuta ist ein echter Anwärter auf den Titel der Rallye-Weltmeisterschaft 2026. Vergangenes Wochenende wurde in Kroatien Geschichte geschrieben, als der Toyota-Fahrer als erster Japaner die WM-Führung übernahm.
Auf seinen historischen ersten Sieg in Kenia folgte unmittelbar ein zweiter Triumph in einem dramatischen Finale in der Powerstage. Thierry Neuville, der über eine Minute Vorsprung hatte, kam mit seinem Hyundai von der Straße ab.
Katsuta fehlten die Worte, als er von diesem kaum zu fassenden Moment erfuhr. Es wäre wohl kaum übertrieben zu sagen, dass niemand vorhergesagt hätte, dass der Toyota-Fahrer nach vier Läufen die WM anführen würde.
"Ich weiß nicht, ich habe nie daran gedacht [was es bedeutet, der erste japanische Fahrer zu sein, der die WRC-Gesamtwertung anführt]", sagte ein sichtlich überwältigter Katsuta nach seinem Sieg in Kroatien.
Sein Beifahrer Aaron Johnston fasste die Situation der beiden vielleicht am treffendsten zusammen: "Wenn man mir zu Saisonbeginn gesagt hätte, dass wir die Meisterschaft anführen würden, hätte ich gesagt, du träumst!"
Die Leistungen und die Statistiken sprechen eine klare Sprache. Katsuta hat einen außergewöhnlichen Start in eine bereits verrückte und unberechenbare Saison 2026 hingelegt.
Nach einem schwierigen Saisonauftakt in Monte Carlo mit Platz sieben kämpfte Katsuta in den folgenden drei Rallyes jeweils um den Sieg. In Schweden war er einem ersten Sieg nahe, verlor ihn aber knapp um 14,3 Sekunden.
In Kenia, bei seinem 94. WRC-Start, fuhr Katsuta klug und besonnen und gewann damit das härteste Rennen der jüngeren Geschichte. Und in Kroatien war Katsuta erneut im Kampf um den Sieg, bevor Neuville den entscheidenden Fehler machte.
Beeindruckender Start in die Saison
Katsutas unglaublicher Start ins Jahr 2026 lässt sich am besten verdeutlichen, wenn man ihn mit seinen früheren WRC-Vollzeiteinsätzen vergleicht. In diesem Jahr hat er in vier Rallyes 81 Punkte geholt.
Das ist mehr als doppelt so viel wie sein bisheriger Bestwert von 39 Punkten aus dem Jahr 2024. Zudem ist er der einzige Fahrer, der jeden Lauf in den Top 7 beendete. Katsuta hat sieben Punkte Vorsprung auf seinen Teamkollegen Elfyn Evans.
In der aktuellen Rally1-Ära haben nur der zweimalige Weltmeister Kalle Rovanperä (87 Punkte - 2022) und Evans (95 Punkte - 2025) nach vier Läufen mehr als 80 Punkte erzielt, und in beiden Fällen holten sie entweder den Titel oder wurden Vizeweltmeister.
An Katsutas Tempo hat es nie Zweifel gegeben, doch die Konstanz war stets ein Bereich, mit dem er zu kämpfen hatte. Das lässt sich in diesem Jahr bislang nicht behaupten. Also was hat sich verändert?
Toyota-Vize-Teamchef und vierfacher WRC-Weltmeister Juha Kankkunen sagt, er habe nach dem emotionalen Sieg in Kenia eine Veränderung bei seinem Fahrer bemerkt.
Dieser Sieg nahm ihm den Druck und die Last ab, die er mit sich getragen hatte, solange er auf seinen ersten Triumph wartete. "Ein japanischer Fahrer mit einem japanischen Hersteller an der Spitze der Weltmeisterschaft. Das hat es noch nie gegeben."
"Ich bin so glücklich", sagt Kankkunen gegenüber Autosport, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network. "Er hat sich ein wenig verändert", so die Rallye-Legende weiter.
"Früher war er etwas zögerlich, aber jetzt ist er entspannter und konzentriert sich auf seine Aufgabe. Man sieht ihm an, dass er jetzt fokussierter ist als zuvor." Dieser Mentalitätswechsel hat auch Hintergründe.
Wer Katsuta im Hintergrund hilft
Eine weitere positive Veränderung, von der Katsuta in diesem Jahr profitiert, ist die Zusammenarbeit mit dem Weltmeister von 2019, Ott Tänak, der als Coach und Mentor fungiert.
Nachdem er sich zu einer Auszeit in dieser Saison entschlossen hatte, verfolgt der frühere Fahrer von Hyundai, Toyota und M-Sport-Ford die Wertungsprüfungen aus der Ferne und gibt Katsuta Ratschläge.
"Ott hat bei jeder Veranstaltung unglaubliche Arbeit geleistet. Er verfolgt im Grunde jede Wertungsprüfung im Fernsehen. Er weiß bereits, in welchem Abschnitt ich Zeit verloren habe und was passiert ist", erklärt Katsuta.
"Mental ist das eine enorme Hilfe, besonders an diesem Wochenende und auch in Kenia. Wenn ich zweifle, ob ich mehr riskieren oder vorsichtiger fahren soll, kann ich schnell mit Ott sprechen. Ich kann ihm vertrauen. Das ist eine sehr große Stütze."
Es wäre leicht, sich von dem beeindruckenden Saisonstart mitreißen zu lassen, doch Katsuta weiß, wie schnell sich die Dinge in der WRC ändern können. Er verzichtet bewusst darauf, an den Titelkampf zu denken.
"Vielleicht hilft mir mein kleines Gehirn sehr dabei, mit dem Druck umzugehen", scherzte er, als er in Kroatien auf die Tabellenführung angesprochen wurde. "Ich muss gar nicht über den Titelkampf nachdenken."
"Ich konzentriere mich einfach auf meine Arbeit. Ich habe sehr gute Unterstützung vom Team. Ich fühle mich stark genug, aber es gibt noch viele Dinge, an denen ich arbeiten kann. Also konzentriere ich mich darauf. Dann werden wir sehen, was die Zukunft bringt."
Angesichts der Dramatik, die bereits in nur vier Läufen zu erleben war, werden im WRC-Titelkampf zweifellos noch viele weitere Wendungen folgen. Doch Katsutas Tempo, sein neu gewonnenes Selbstvertrauen und seine Konstanz machen ihn zu einem echten WM-Anwärter.


















