Spanisches WRC-Projekt 2027 | 02.05.2026
RMC: Vorbild für andere Verbände weltweit?
RMC Motorsport will ab 2027 mit einem eigenen Auto in der WRC antreten - Das Konzept dahinter könnte andere Verbände weltweit inspirieren
Der innovative Plan von RMC Motorsport für den Einstieg in die Rallye-Weltmeisterschaft dreht sich um die Förderung und Entwicklung nationaler Talente in Partnerschaft mit dem spanischen Motorsport-Dachverband. Könnte dies eine neue Richtung sein, um künftig mehr Teams in die WRC zu bringen?
Während Toyota, Hyundai und M-Sport-Ford akribisch ihre Fahrzeuge für die Asphaltpisten der Rallye auf den Kanaren vorbereiteten, gab das spanische Team RMC Motorsport seine Pläne bekannt, ein neues Auto zu bauen.
Das Ziel ist es, ab 2027 für die Hälfte der Saison in der WRC-Topklasse anzutreten, gefolgt von einer kompletten Saison im Jahr 2028. Die Pläne waren allesamt sehr interessant.
Der Tuner will einen neuen Prototypen bauen, der auf keinem aktuellen Serienfahrzeug basiert. Zudem werden Gespräche mit aktuellen Rally2-Motorenlieferanten geführt.
Außerdem wurde der dreifache WRC-Rallye-Sieger Dani Sordo für das Projekt gewonnen. Doch ein Teil dieses ambitionierten Plans, in die WRC einzusteigen, sorgte für Aufsehen und könnte anderen Teams als Vorbild dienen.
Um dieses Projekt in die Realität umzusetzen, ist RMC Motorsport eine Partnerschaft mit dem spanischen Motorsport-Dachverband - der Real Federacion Espanola de Automovilismo (RFEDA) - eingegangen.
Die FIA bezeichnet dies als eine "Partnerschaft neuer Art". Unter dem Namen WRT Rally1 Spain möchte RMC Motorsport effektiv ein "Team Spanien"-Szenario schaffen.
Ein spanisches Auto, ein spanisches Team und spanische Fahrer. Das soll einen Weg für nationale Talente in die WRC eröffnen. Es ist auch ein äußerst verlockendes Konzept, das ein Verband wie die RFEDA nicht ignorieren kann.
Als nationaler Motorsport-Dachverband hat er das Ziel, den Sport zu fördern, die Beteiligung zu erhöhen und Talente zu entwickeln. Und dieses Konzept erfüllt diese Anforderungen ohne Zweifel.
"Wir konnten die Gelegenheit, die die FIA uns geboten hat, Tuner wie RMC in den Bau der Rally1-Autos für 2027 einzubeziehen, nicht verstreichen lassen", sagt RFEDA-Präsident Manuel Avino.
"Diese Vereinbarung mit RMC erfüllt auch mehrere der Ziele, die ich zu Beginn meiner Amtszeit bei der RFEDA gesetzt habe. Als Präsident erfüllt es mich mit großem Stolz, Teil dieses Projekts zu sein."
"Es wird die Qualität und das Ansehen der spanischen Motorsportbranche zweifellos stärken und unseren Fahrern als Referenz und Inspiration für ihre sportliche Laufbahn dienen."
M-Sport sieht bei diesem neuen Konzept auch Probleme
Der Weg an die WRC-Spitze ist für junge Fahrer derzeit schwierig. Es gibt zwar die FIA-Rallye-Pyramide, die es ermöglicht, sich von zweiradgetriebenen Rally6-Autos bis zum allradgetriebenen Rally1-Auto hochzuarbeiten.
Doch mit derzeit nur zehn Plätzen in der Topklasse Rally1 bei Toyota, Hyundai und M-Sport-Ford ist es unglaublich schwer, in ein Spitzenteam zu kommen. Die Einführung von Tuner-Teams bietet einen weiteren Weg für junge Talente.
Könnte dieses Konzept also von anderen nationalen Motorsport-Verbänden weltweit aufgegriffen werden? Man stelle sich ein von der FFSA unterstütztes "Team Frankreich" oder ein vom ADAC gefördertes "Team Deutschland" vor.
M-Sport-Ford ist bekannt als ein Team, das stolz darauf ist, in junge Talente zu investieren und sie zu entwickeln. Der Weltmeister von 2019, Ott Tänak, und der aktuelle WM-Führende Elfyn Evans sind nur zwei Beispiele.
Das britische Team unterhält derzeit eine Zusammenarbeit mit der Motorsport Ireland Rally Academy, die irische Rallyefahrer fördert und vom Unternehmer John Coyne gegründet wurde.
Die Partnerschaft hat in diesem Jahr zu einem irischen Rally1-Fahreraufgebot bei M-Sport geführt, bestehend aus Josh McErlean und Jon Armstrong.
"Wenn ich darüber nachdenke, ist es wahrscheinlich ein interessantes Konzept [das RMC Motorsport vorgestellt hat]", sagt M-Sport-Ford-Teamchef Richard Millener gegenüber Autosport, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com.
"Viele Leute reden davon, dass nationale Verbände zukünftige Talente bis in die höchste Klasse finanzieren sollen. Warum also nicht ein Auto bauen, in das man seine Nachwuchstalente setzen kann?"
"Wenn das Talent dann die Mittel aufbringt, um das Auto einzusetzen, dann ist das fantastisch. Eine schöne Geschichte mit einem spanischen Auto, einem spanischen Team und spanischen Fahrern. Das könnte wirklich interessant sein."
"Es ist eine gute Möglichkeit, die Sache aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, den wir bisher nie eingenommen haben. Ich denke, es gibt aber auch Komplikationen."
"Nationale Verbände sind in der Regel gemeinnützige Organisationen oder Dachverbände, bei denen sichergestellt werden muss, dass das Geld richtig eingesetzt wird", gibt Millener zu bedenken.
"Ich weiß nicht, wie sie das kommerziell umsetzen wollen. Sie müssen darauf achten, das System nicht zu missbrauchen, um ein Auto zu bauen. Aber ich denke, das Konzept dahinter hat die richtigen Beweggründe."
"Sie wollen den Sport fördern und jungen Fahrern Chancen geben." Würde M-Sport dieses Modell für seine künftigen WRC-Pläne in Betracht ziehen? "Nein", antwortet Millener und verweist auf die aktuelle Partnerschaft mit der Irland-Akademie.
"Ich denke, bei der Akademie muss man darauf achten, sich nicht von der DNA zu entfernen, für die sie gegründet wurde, nämlich verschiedene Fahrer auf ihrem Weg durch den Sport zu fördern."
"Ich denke, was John gut macht, ist, dass er viele Eisen im Feuer hat, bei verschiedenen Herstellern und Serien. So verteilt man seine Ressourcen. In dem Moment, in dem man sagt, wir konzentrieren uns auf einen Bereich, geht der Breitensportgedanke verloren."
Die Partnerschaft zwischen RMC Motorsport und der RFEDA hat zweifellos für Gesprächsstoff gesorgt, und es ist sicher, dass Motorsport-Dachverbände weltweit aufmerksam verfolgen, was sich hier entwickelt.



















