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ORM: Jännerrallye 2020

Warum verlor Simon Wagner einen sicher möglichen Sieg?

1:46 Minuten Vorsprung nach Tag 1 - doch am Sonntagmorgen fiel Simon Wagner mit breiten Reifen zurück. War es nur ein Fehlgriff oder gab es andere Gründe?

Michael Noir Trawniczek
Foto: Harald Illmer

Eine Presseaussendung von Simon Wagner - dort wird sinngemäß festgehalten, dass es in der Nacht von Samstag auf Sonntag geschneit habe und daher musste Wagner „als eines von nur zwei R5-Fahrzeugen die schneebedeckten Prüfungen mit breiten Reifen in Angriff nehmen“ - dabei verlor Simon Wagner nicht nur seinen gesamten Vorsprung von satten 1:46 Minuten sondern im Endeffekt einen sicher möglichen Sieg. Es wird in der Aussendung noch Streckensprecher Michael Denk zitiert, der von „stumpfen Waffen“ sprach - doch auf den Grund dieser Fehlentscheidung wird in der Aussendung absolut nicht eingegangen, er bleibt im Verborgenen...

Liest man die Aussendung, könnte man zu dem Schluss kommen, dass Simon einfach die falsche Wahl getroffen hat, sich klassisch verpokert hat und deshalb dieser Fehlgriff nicht näher erwähnt wird. Doch war es wirklich so? Hat sich Simon Wagner. - obschon mittlerweile so etwas wie der „Mister Jännerrallye der Neuzeit“ schlechthin - einfach nur verpokert?

motorline.cc-LeserInnen wussten schon nach SP12 mehr - denn via Motorline Rallye LIVE, den Regrouping-Interviews (Stimmen nach SP12), erklärte der Copilot von Julian Wagner, Jürgen Heigl: „Es gab (am Sonntagmorgen) welche mit schmalen und mit breiten Reifen, welche mit Schottter- und mit Asphalt-Fahrwerk - und dazu die verschiedenen Abstufungen. Simon hat in der Früh mit breiten Reifen fahren müssen, weil sie scheinbar die Bremsen nicht getauscht haben, da war die große Bremse montiert und da bringst du die schmalen (und kleineren, Anmerkung) Spikereifen nicht drauf.“ Und dann sagte Jürgen Heigl: „Unser Team hat entschieden, dass es sich einfach beide Varianten offen lässt. Warum sich das Team rund um Simon so verpokert hat - dazu will ich auch nichts Näheres sagen.“

Simon Wagner, im gleichen Motorline Rallye LIVE-Interview darauf angesprochen, erklärte als Begründung, warum man nicht, wie auch Baumschlager Rallye Racing, das Team von Julian Wagner und Jürgen Heigl, sich am Samstagabend beide Lösungen offenhielt: „Weil es die Version von Skoda nicht gibt - die muss man selbst basteln, die gibt es im Original nicht und es gibt auch keine Daten dafür. Darum haben wir den Weg wählen müssen...“

motorline.cc hat nun bei Baumschlager Rallye Racing angefragt - Raimund Baumschlager erklärt: „Hier wurden keine eigenen Bauteile verwendet, denn du darfst auch nur homologierte Bauteile verwenden.“ Was genau BRR anders machte als das Eurosol Racing Team von Simon Wagner wollte Baumschlager freilich nicht im Detail verraten: „Da steckt viel Knowhow drinnen und daher halte ich mich hier bedeckt.“

motorline.cc hat sich bei Manfred Stohl erkundigt - und einige Antworten erhalten. Ein wichtiges Detail ist die Servicezeit. Jene am Sonntagmorgen betrug lediglich 15 Minuten. In dieser Zeit ist ein kompletter Fahrwerks-Umbau nicht möglich. Stohl erläutert: „Du kannst aber, wenn du alle wichtigen homologierten Bauteile hast, die Radträger und Querlenker so vorbereiten, dass du am nächsten Tag beide Varianten nutzen kannst, auch mit nur 15 Minuten Servicezeit.“

Johannes Keferböck, der als einziger neben Simon Wagner ebenfalls mit breiten Reifen fuhr, erklärt gegenüber motorline.cc, dass in seinem Fall eine Mischvariante nicht zur Diskussion stand, sein Keane Racing Team habe ihm gesagt: „Man darf die Fahrwerke nicht mischen.“ In der Folge hätte dann der Eisspion eine krasse Fehlentscheidung getroffen. Raimund Baumschlager sagte dazu: „Man darf davon ausgehen, dass das, was wir alle gemacht haben, sicher erlaubt ist, solange man eben homologierte Bauteile verwendet.“

motorline.cc geht es hier nur um eine Frage: Warum hat Simon Wagner bei der Jännerrallye am Sonntagmorgen einen mehr als nur möglichen Sieg verloren? Hat er wirklich selbst total daneben gegriffen oder gab es andere Gründe? Die Antwort auf diese Frage liegt auf der Hand...

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