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Ö-Rallye unter Covid19: Supergau mit Hoffnungsschimmer?
Fotooriginal: IG Rallye/Harald Illmer, Effekte: NT

Ö-Rallye unter Covid19: Supergau mit Hoffnungsschimmer?

Zahlreiche Absagen folgten den neuen Covid19-Verordnungen. Veranstalter wie Mario Klammer (Weiz) sehen Rallyes damit als undurchführbar, doch es gibt leise Hoffnung...

Noir Trawniczek

Die seit 1. Juli geltenden Covid19-Lockerungsverordnungen für Veranstaltungen stellen für Österreichs Motor- und Rallyesport eine Katastrophe dar. Gleich nach Bekanntwerden der Verordnungen hagelte es Absagen aus dem Rallycross- und Slalom-Bereich. Nun musste auch die Rallye Weiz die Reißleine ziehen. Die neuen Verordnungen würden es schlicht unmöglich machen, eine Rallye abzuhalten, stellte ein schwer enttäuschter OK-Chef Mario Klammer fest. Somit sind auch die weiteren Rallyes zumindest mit einem Fragezeichen versehen - denn es sind nicht nur die Zuschauerbeschränkungen, welche den Ogranisatoren Kopfschmerzen bereiten....

Während im Bereich Kunst und Kultur explizit darauf hingewiesen wird, dass „Personen, die zur Durchführung der Veranstaltung erforderlich sind“, nicht in die Höchstbesucherzahl einzurechnen sind, wird im Sportbereich unterschieden zwischen Sportveranstaltungen mit einer fixen Zahl an TeilnehmerInnen wie etwa dem Fußball und Veranstaltungen, bei welchen es keine bestimmte Anzahl an TeilnehmerInnen gibt, wie etwa Radrennen, Laufveranstaltungen und demnach auch Motorsport-Veranstaltungen.

Bei letzteren müssen laut Verordnung die PilotInnen und wohl auch die Mechaniker hinzugezählt werden: Bei Veranstaltungen ohne fix zugeteilte Sitzplätze sind das zurzeit 100 Personen beziehungsweise ab 1. August 200. Womit man de facto keine Zuschauer zulassen könnte und man bei angenommenen zwei Mechanikern pro Auto gerade eimal 50 Teams zulassen dürfte. Somit schränkt die Covid19-„Lockerungs“-Verordnung nicht nur weiterhin die Anzahl der Zuschauer ein, sondern auch die Teilnehmer. Außerdem orten die Veranstalter zahlreiche offene Fragen, sodass es zurzeit unmöglich erscheint, eine Rallye zu veranstalten.

Helmut Schöpf, Veranstalter der Niederösterreich-Rallye, erklärt: „Wir brauchen klare Regeln. Auch die Bezirkshauptmannschaften, welche die Rallyes zu genehmigen haben, brauchen eindeutige Richtlinien.“ Laut Schöpf müssen vor allem auch für 2021 Lösungen gefunden werden - das Thema Coronavirus werde uns weiter begleiten, daher sei es dringend nötig, zumindest für die kommende Saison gangbare Lösungen herauszuarbeiten...

Heuer kein Rallye-Staatsmeister?

Von den neuen Verordnungen betroffen sind neben dem Motorsport auch zahlreiche weitere Sportarten wie etwa Radrennen oder Läufer, wie Michael Fehlmann, Generalsekretär der AMF (Austria Motorsport), bestätigt: „Wir arbeiten sehr eng mit Sport Austria zusammen (ehemals Bundessportorganisation BSO, d. Red.) und wir sind nicht die einzigen, die davon betroffen sind, es sind unzählige Sportarten! Wir hatten in den letzten Wochen und Monaten ausgezeichnete Kontakte zu Sport Austria und tauschen uns entsprechend aus.“

Zu Stimmen, wonach die AMF in den Verhandlungen mit den Ministerien „mehr auf den Tisch hauen“ müsse, sagt Fehlmann: „Weder Austria Motorsport noch Sport Austria sind Behörden mit entsprechender Entscheidungsgewalt - wir tun unser Bestes in den unzähligen Verhandlungen, um Motorsport wieder möglich zu machen - schließlich ist der Motorsport unser Aufgabenbereich und wir haben nicht vor, uns selbst abzuschaffen.“

Doch mit den unklaren Regelungen der aktuellen Covid19-Verordnungen erscheint es fraglich, welche Rallyes heuer noch stattfinden können - in punkto NÖ-Rallye muss Helmut Schöpf spätestens nächste Woche eine Entscheidung treffen. Sollte sich bis dahin nichts an der Lage ändern, scheint wohl die nächste Absage zu drohen. Was die Frage aufwirft, ob mit einer Absage der NÖ-Rallye die gesamte Rallye-Staatsmeisterschaft (ORM) 2020 wackelt? Michael Fehlmann sagt: „Entschieden wird das in den Meisterschaftsausschüssen der AMF - doch bei weniger als drei Rallyes erscheint es wenig sinnvoll, einen Staatsmeistertitel zu vergeben.“

Doch noch Licht am Ende des Tunnels?

Droht der ÖRM also der Supergau? Ein Jahr ohne Meistertitel? Und: Sind heuer noch Rallyes möglich oder muss man sogar 2021 mit Rallye-Absagen rechnen? Motorline.cc hat sich im Sportministerium umgehört, in der Hoffnung, einige Punkte der umstrittenen Verordnungen klären zu können. Dabei erklärte ein Sprecher des Ministeriums, dass man bereits an neuen Regelungen arbeiten würde, welche den zurzeit leidenden Breitensportarten und auch dem Motorsport mehr entsprechen sollen:

„Wir haben den Motorsport sehr wohl im Auge - wobei gerade Rallye-Veranstaltungen sehr komplex gestaltet und schwer zu reglementieren sind. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass die letzte Entscheidung stets das Gesundheitsministerium trifft. Dort wollen wir unsere für die Breitensportarten modifizierten Covid19-Regelungen in den kommenden Tagen vorbringen. Und es ist auch nicht so, dass wir dort noch gar nichts vorgebracht hätten, ganz im Gegenteil, wir sind sehr gut vernetzt mit dem Gesundheitsministerium. Diese Regelungen müssen dann aber auch in eine Verordnung zu gießen sein und das Gesundheitsministerium ist zurzeit auch mit anderen Dingen wie den erhöhten Infektionszahlen beschäftigt...“

Während also in Österreich manche Experten befürchten, dass es in der Saison 2020 gar keine Rallyes mehr geben wird, gibt es nun zumindest den Hoffnungsschimmer, mit deutlicheren, dem Sport mehr entsprechenden Regelungen doch noch Rallyes zu ermöglichen. Eines ist klar: Dass es möglich ist, Rallyes auch im Zeitalter von Covid19 abzuhalten, zeigen unsere tschechischen Nachbarn, wo am Wochenende die Rallye Bohemia steigt respektive schon vor drei Wochen eine Rallye völlig problemlos absolviert wurde. AMF-Sekretär Fehlmann sagt dazu: „Zu unserer Agenda gehört auch, dass wir die Regelungen unserer Nachbarstaaten genau beobachten – um daraus mögliche Schlüsse für die Situation in unserer Heimat ziehen zu können.“

Im Motorline Video Talk haben Michael Fehlmann (AMF), Helmut Schöpf (NÖ-Rallye) und der Leiter der Forschungsstelle Sportrecht an der Universität Wien, Prof. Mag. Dr. Wolfgang Brodil, seines Zeichens selbst leidenschaftlicher Rallye-Drifter, über die aktuelle Lage gesprochen. Die Diskussionsrunde erscheint am Donnerstagnachmittag auf motorline.cc.

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