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ORM: Weiz-Rallye

Hochspannung vor der Hitzeschlacht

Ein hochinteressantes Starterfeld fiebert bei Gluthitze dem Start der Weiz-Rallye entgegen. Wir haben uns im Servicepark umgehört…

Michael Noir Trawniczek
Fotos: noirphone

Gefühlte 80 Grad im Schatten begleiten die Weiz-Rallye – die Fans erwartet ein sehr attraktives Starterfeld, sowohl in der großen Division, genannt ORM als auch in der ORM2WD und in den Cups. Die Fahrer loben durch die Bank die interessanten Sonderprüfungen – der neue Serviceplatz hat nur einen Nachteil: Man muss an einem Freibad vorbeigehen…

Zu den Topfavoriten zählt naturgemäß Serienstaatsmeister Raimund Baumschlager. Er sagt: „Ich würde natürlich gerne schon hier den Titel fixieren – ich werde aber sicher nichts riskieren. Mein Auto wird hernach in Ungarn gebraucht.“

Der junge Deutsche Fabian Kreim, der ebenso einen von BRR eingesetzten Skoda Fabia R5 pilotiert, testet offiziell für die Deutschland-Rallye: „Fabian fährt hier zum ersten Mal mit den WM-Reifen und muss sich noch an diese Pneus gewöhnen.“ Nur, was wäre, wenn Kreim vor dem letzten Durchgang nur ein paar Sekunden auf einen möglichen Sieg fehlen würden? Baumschlager lacht: „Dann darf er natürlich um den Sieg fahren, das ist gar keine Frage.“

Interessant wird auch der Auftritt des jungen Finnen Teemu Suninen, der einen Skoda Fabia S2000 pilotiert, der vom Team des früheren WRC-Piloten Toni Gardemeister eingesetzt wird. Doch auch Suninen testet für die Deutschland-Rallye. Der frühere Kart-Vizeweltmeister fährt im S2000 zum ersten Mal auf Asphalt – an seiner Seite sitzt Mikko Markkula, der bereits Juho Hänninen und Andreas Mikkelsen navigiert hat.

Auch der nächste Siegkandidat betrachtet die Rallye lediglich als Test. Hermann Neubauer probiert im Zellhofer Ford Fiesta S2000 diverse Setup-Einstellungen für die Barum-Rallye. Das Testprogramm soll streng durchgezogen werden: „Ich achte überhaupt nicht darauf, was meine Konkurrenten machen, konzentriere mich voll auf das Testprogramm!“ Doch was wäre, wenn Neubauer vor dem letzten Durchgang nur wenige Sekunden auf einen Sieg fehlen würden? Neubauer gesteht: „Dann würde ich natürlich versuchen, den Sieg zu erringen.“

Mit Startnummer fünf kommen bereits die Topfavoriten der ORM2WD, Andi Aigner und Ilka Minor im Renault Clio R3. Michael Böhm schätzt diesen Wagen als sehr stark ein: „Es ist ein älteres Saugmotor-Modell und sollte hier auf Asphalt sehr stark sein.“ Böhm könnte mit einem Sieg den 2WD-Titel sichern, räumt aber ein: „Die Rallye ist sehr stark besetzt und Andi ist sicher der Topfavorit. Andi muss bei seinem One Night Stand auf keine Meisterschaft achten - ich werde versuchen, hier einen Mittelweg zu gehen.“

Zudem sind mit Willi Stengg, Günther Knobloch, Simon Wagner und dem deutschen Citroen R3-Piloten Philipp Knof weitere starke 2WD-Piloten am Start. Der frühere Staatsmeister Willi Stengg fährt mit Tina Maria Monego, die von ihrem China-Abenteuer mit Manfred Stohl einen Original-Fächer dabei hat, bei diesem Wetter ziemlich hilfreich.

Simon Wagner pilotiert wieder den Peugeot 208 R2, sein Bruder Julian fährt zum ersten Mal mit jenem Race Rent Austria Mitsubishi Lancer Evo III, mit dem einst Simon für Furore sorgen konnte. Als Copilot wurde der erfahrene Jürgen Heigl engagiert, bei Simon sitzt diesmal nicht Fred, sondern dessen Sohn Pirmin Winklhofer im Cockpit, der heuer bereits Raimund Baumschlager den Wag ansagen durfte.

Günther „Knobi“ Knobloch gibt sein 2WD-Debüt im Citroen DS3 R3 von Wurmbrand Racing – im kleineren DS3 R1 debütiert Benedikt „Benni“ Baier, einer seiner Konkurrenten ist eine bekannte Größe im Rallye-Journalismus: Reiner Kuhn wird im Rahmen der deutschen Citroen Racing Trophy ebenfalls einen R1 pilotieren.

Christoph Zellhofer, der Sohn des zweifachen Staatsmeisters Max Zellhofer, gibt ebenfalls sein Rallye-Debüt – im Suzuki Swift S1600. Mit Roland Stengg und Luca Waldherr sind im OPC Cup weitere Söhne von bekannten Rallyepiloten am Start.

Seinem ersten Rallyeeinsatz fiebert Hansjörg Matzer entgegen – der Versicherungsmakler musste im Vorjahr die Diagnose Hautkrebs verkraften und konnte mit einer alternativen Therapie geheilt werden. Jetzt erfüllt er sich seine Bubenträume – einer davon war, eine Rallye zu fahren. Nach der Besichtigung zeigte sich Matzer aufgeregt: „Wir konnten alle Prüfungen dreimal besichtigen – die SP Koglhof ist sehr anspruchsvoll, auf der SP Strallegg fahren wir in einen Hohlweg, das wird ein Wahnsinn - zum Glück wird mich mein erfahrener Copilot Manfred Cerny einbremsen, sollte ich es übertreiben.“

Der von Nikolas Zieser (gibt sein Debüt in einem Peugeot 208 R2) gemietete Renault Clio ist schwächer als die R3-Version, der Wagen wurde von der Agentur „The Sign“ extra beklebt. Matzer hat für seinen Einsatz gleich mehrere Sponsoren gewonnen, sodass ihm sogar etwas übrig bleibt. „Ich werde 1000 Euro der Tageswerkstätte Stephanus spenden, eine Einrichtung für Behinderte, die ich unterstützen möchte.“

Übrigens: Drei kleinere Kleber mussten am Wagen bleiben – lachend erzählt Hansjörg Matzer: „Nikolas ist ein großer Fan von Jean Ragnotti – das ist quasi sein persönlicher Gott, der fährt also mit uns mit.“

Als vorletztes Auto, vor dem abschließenden Lokalmatador Josef Lammer, startet Kurt Adam, der im Wechselland wegen einer Operation pausieren musste. Adam gab bekannt, dass er heuer seine letzte volle ORM-Saison bestreitet und ab 2016 nur noch vereinzelte Rallyes absolvieren wird. „Ich werde bald 80, das wird es so schnell ohnehin nicht mehr geben. Freilich würde ich gerne noch einmal den Rallyepokal holen – zuletzt ist mir bei der Schneebergland-Rallye zwei Kilometer vor dem Ziel der Zahnriemen gerissen, hoffentlich haben wir diesmal mehr Glück.“

Und was sagt Kurt Adam zu der großen Hitze? In den Cockpits werden 60 bis 70 Grad erwartet. Adam lacht: „Dass wir allesamt Verrückte sind, ist ja hinreichend bekannt – und eine Rallye ist eben alles andere als ein Kindergeburtstag.“

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