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ORM: Weiz-Rallye

Ilka Minor im Motorline-Talk

Der Start in Finnland mit Henning Solberg wurde zurückgezogen, in Weiz gibt Ilka Minor ein ÖM-Comeback mit Andi Aigner. Wir baten zum Interview.

Michael Noir Trawniczek
Fotos: ISPFD, minor.at, minor@facebook

Ilka, auf der Nennliste der Finnland-Rallye bist du gemeinsam mit Henning Solberg gestanden – nicht zum ersten Mal hat man den Start dann zurückgezogen. Warum?

Es geht natürlich um das Budget, es ist zurzeit nicht so einfach, einen Sponsor zu motivieren - Henning bemüht sich jedoch sehr und ich hoffe, dass wir heuer noch gemeinsam an den Start gehen können.

Dafür gibst du schon am kommenden Wochenende gemeinsam mit Andi Aigner ein ORM-Comeback, auf einem Renault Clio R3 – wie ist es dazu gekommen?

Andi hat ganz offensichtlich einen Deal gefunden, Näheres dazu weiß ich aber nicht. Er hat mich gefragt, ob ich mit ihm fahren möchte, da bin ich natürlich gerne mit dabei. Ich habe mit Andi bereits drei IRC-Rallyes absolviert im Jahr 2012.

Wie sind deine Erwartungen bei diesem Einsatz?

Naja, in der ORM2WD sollten wir schon ganz vorne sein – und auch im Gesamtklassement sollten wir schauen, so weit vorne wie nur möglich zu landen.

Wann bist du zuletzt 2WD gefahren?

(lacht) Das war im Jahr 2000, daran kann ich mich gar nicht mehr so richtig erinnern. Ich denke schon, dass es sich anders anfühlen wird im Auto, weil mit dem Vorderradantrieb ja auch ganz anders gefahren wird.

Du warst die letzten Monate nicht untätig. Abseits der Öffentlichkeit gibt es ein Aufbauprogramm mit der jungen Italienerin Tamara Molinaro – wie läuft es da?

Es läuft gut. Wir machen relativ viel Aufschrieb-Training, dazwischen aber auch mal richtige Testfahrten. Das Team ist gut eingespielt und Tamara hört gut auf mich und meine Ansagen, das passt also, wir liegen im Plan.

Zugleich hast du dich beruflich weitergebildet – du hast ein Diplom absolviert, zum Professional Fitness and Health Personal Trainer. Worum geht es da?

Seit meinem Unfall (im Jahr 2010, an der Seite von Manfred Stohl erlitt Ilka bei der Steiermark-Rallye einen Wirbelbruch, Anmerkung) habe ich eng mit Melanie Brandstätter (Foto links) von flexyfit zusammengearbeitet, die auch Mitbegründerin und Leiterin der www.fitnessacademy.at ist. Damals musste ich hart trainieren, um nach der OP meine Muskel wieder aufzubauen. Ich habe daran Gefallen gefunden, ich trainiere selbst unheimlich gerne und ich trainiere auch gerne andere. Wer mit mir trainieren möchte, kann sich gerne bei mir melden. Für mich ist das Training ein Hauptaugenmerk im Leben geworden.

Wie viel trainierst du am Tag?

Das ist natürlich unterschiedlich – aber an manchen Tagen sind es so 90 Minuten Krafttraining und 90 Minuten laufen.

Du hast auch an einigen schwierigen Wettkämpfen teilgenommen – zum Beispiel am Wildsaulauf. Quälst du dich gerne?

Ja, schon, es tut gut, die eigenen Grenzen zu erfahren. Bei der Wildsau musst du nicht nur laufen, sondern im Wald auch Hindernisse überwinden, es geht durch Wälder, über Wiesen, durch Flüsse, mit Steigungen und Abhängen. Ich bin aber auch den Wings for Life-Run gelaufen, da fuhr ich extra in die Schweiz, weil es dort schwieriger, weniger flach ist – da kam ich immerhin auf 23,1 Kilometer, ehe mich das Catcher Car erwischt hat. Auch sonst habe ich zB den Halbmarathon im Rahmen des Vienna City Marathon absolviert.

Du möchtest künftig auch Rennfahrer trainieren oder mit ihnen an der Rennstrecke arbeiten?

Ja, es geht um die Arbeit direkt an der Strecke, zum Beispiel um schnelle Koordinationsübungen vor dem Start und ähnliches. Das könnte ich mir vorstellen, dass ich das auch nach meiner aktiven Karriere noch machen möchte. Derzeit ist ein solches Training eher nur auf die Rundstrecke beschränkt – aber vielleicht wird es auch bald schon im Rallyesport gehandhabt, etwa wenn ein neues Team wie Toyota in die WRC kommt.

Neue WRC-Teams sind auch die Hoffnung mancher Ex-Piloten wie beispielsweise Evgeny Novikov, dein früherer Pilot ist komplett von der Bildfläche verschwunden. Wie geht es ihm?

Mein letzter Kontakt zu ihm ist schon länger her – damals hat er versucht, in Moskau eine Firma zu gründen. Ob er seine Karriere nochmal in Schwung bekommt? Ich denke mal: Wenn er die Chance dafür erhält, wird er es machen. Das ist wie bei vielen anderen Piloten, die zurzeit ohne ein Cockpit sind.

Verfolgst du die Rallye-Weltmeisterschaft regelmäßig am Live Timing zum Beispiel?

Ich mag die Weltmeisterschaft schon sehr gerne – aber wenn man selbst schon länger nicht gefahren ist, verfolgt man es irgendwann weniger, weil man dann schon auch traurig wird darüber, dass man selbst nicht in einem der Cockpits sitzt. Was mich zuletzt gewundert hat: Wie viele heftige Unfälle es zB heuer in Finnland gegeben hat. Gut, wahrscheinlich waren auch die Bedingungen extrem schwierig. Ich denke, dass die WM immer noch spannend ist und dass mit den neuen Autos ab 2017 ein Aufschwung kommen wird.

Was sagst du zur Diskussion über die Startreihenfolge?

Das System funktioniert leider nicht wie geplant, am Ende setzt sich meistens wieder Ogier durch, das sollte eigentlich durch das neue System verhindert werden.

Es ist schon absurd: Jahrelang hat man den Tag herbei gesehnt, an dem Loeb die Bühne verlässt – und jetzt wünscht man sich nichts sehnlicher zurück als ihn…

Ja, es wäre total interessant, was passieren würde, wenn Loeb zurückkehren würde. Loeb war ein wirkliches Talent, er hat nicht geraunzt, er ist einfach gefahren. Was ich schlimm finde: Wenn man das beste Paket zur Verfügung hat und dann immer noch nicht ganz zufrieden ist.

Die Medienpräsenz der WRC hat schon einmal besser ausgesehen…

Ja, das funktioniert nicht. Weil der Promotor nur zehn Autos promotet. Dabei besteht die Weltmeisterschaft nicht nur aus zehn Werksautos. Du hast auch die WRC2, du hast Cup-Autos und so weiter. Speziell in der WRC2 hast du oft ein sehr attraktives Starterfeld, die kämpfen um jede Sekunde, auch bei den Cup-Autos matchen sie sich um jede Zehntelsekunde.

Wie schätzt du die Europameisterschaft (ERC) ein?

Die ist leider nicht mehr gut besetzt, sie ist beinahe verschwunden. Ich habe keine Ahnung, woran das liegt…

Wie ist deine Meinung zur Absage der Jännerrallye?

Meiner Meinung nach ist das schlecht für unseren Rallyesport. Die Jännerrallye war sehr wichtig für uns. Sicherlich hätte man Anpassungen an die österreichische Meisterschaft vornehmen müssen – aber die Jännerrallye war immer eine coole Rallye. In welchem Land hat man schon eine so tolle Winterrallye?

Wann glaubst du, könnte es ein WRC-Comeback mit Henning Solberg geben?

Die Hoffnung stirbt zuletzt – langsam wird es halt schwierig, hier aus den Startlöchern zu kommen.

Andi Aigner versucht ein WM-Comeback mit seinem Sponsor-Crowdfundingprojekt Go4WRC – wie schätzt du seine Chancen ein?

Ich hoffe sehr, dass es funktioniert. Ich finde, dass dieses Projekt eine super Idee ist. Die einzige Frage, die noch offen ist, ist jene, ob man in Österreich so viele Menschen dafür begeistern kann. Aber ich hoffe, dass es gelingt.

Würdest du dann im kommenden Jahr an der Seite von Andi sitzen?

So weit sind wir noch nicht…

Das heißt: Deine Zukunft ist zwar offen, aber es gibt mehrere Möglichkeiten?

Ja, zurzeit ist alles offen und es gibt verschiedene Möglichkeiten, die allesamt noch nicht spruchreif sind. Aber man kann schon sagen, dass ich 2016 mit Sicherheit im internationalen Rallyesport tätig sein werde.

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