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ORM: Weiz-Rallye

„Im Sturzhelm nur gegrinst“

Seit mehr als 30 Jahren ist Hansjörg Matzer ein Rallyefan – in Weiz fuhr er seine erste Rallye. Wir blicken zurück auf das große Abenteuer…

Text: Michael Noir Trawniczek
Fotos: Martin Butschell/bmp-motorsportfotos.com, Daniel Fessl, Topspeed Racing@facebook

„Es war eine wunderbare Entscheidung, mir den Traum zu erfüllen, endlich einmal selbst eine Rallye zu fahren.“ – Hansjörg Matzer blickt zurück auf sein großes Abenteuer Weiz-Rallye, wo er gemeinsam mit dem erfahrenen Manfred Cerny einen Renault Clio pilotiert hatte.

Matzer musste im Vorjahr eine Krebs-Diagnose hinnehmen, erst mit einer alternativen Therapie konnte er geheilt werden – das war der Ausschlag dafür, sich die alten „Bubenträume“ zu erfüllen. Matzer erzählt: „Ich beobachte den Rallyesport seit mehr als 30 Jahren, seit zirka fünf Jahren fotografiere ich bei verschiedenen Rallyes. Nur: Bisher hat mir niemand erklären können, was sich da in einem solchen Auto abspielt – das musste ich erst selbst erleben, um das zu realisieren. Ich hatte dermaßen viel Freude am Fahren, ich habe ständig unter dem Helm gegrinst. Letztendlich war es ein Wochenende, wie man es sich vorstellt.“

Stürmischer Einstieg

Dabei hat das große Abenteuer Weiz-Rallye recht stürmisch begonnen: Gleich auf der ersten Sonderprüfung, schon in der zweiten Kurve wäre das Abenteuer nämlich beinahe schon wieder vorüber gewesen. Matzer erzählt: „Ich bin es wohl etwas zu motiviert angegangen – in der Rechts/Links-Passage hatten wir gleich einmal einen leichten Ausritt. Da hat mein Copilot Manfred Cerny dann gemeint, dass ich es ruhig angehen soll. Dieser Ausrutscher war dann aber auch der einzige Fahrfehler, der mir unterlaufen ist.“

Dieser hatte jedoch Folgen, mit welchen Matzer in diesem Moment nicht rechnen konnte. Er berichtet: „Gleich danach wurde die Sonderprüfung wegen eines heftigen Abflugs eines Kollegen abgebrochen. Meine Ehefrau war an dieser Prüfung zuschauen. Zirka 1,5 Minuten nachdem wir an ihr vorbeifuhren kam der Abbruch und es fuhren zwei Rettungsfahrzeuge in die Prüfung. Meine liebe Frau dachte, dass die wegen mir reinfahren – sie ist fast gestorben vor Schreck, das ist natürlich gar nicht lustig, das kann ich voll verstehen.“

Doch für beruhigende Worte in Richtung seiner Gattin hatte Hansjörg an diesem Abend keine Zeit – denn die Weiz-Rallye wurde gleich mit vier Sonderprüfungen am Stück eröffnet, auf dem Rundkurs Anger gab es neben Dunkelheit auch den aufgewirbelten Staub und damit extrem schlechte Sichtverhältnisse, die so mancher Rallyeprofi als „kleine Apokalypse“ bezeichnete. Hansjörg jedoch blieb tapfer – und ging kein unnötiges Risiko ein: „Ich bin zum Glück überhaupt nicht hektisch geworden, sondern ruhig geblieben. Ich habe mir auf der dritten und vierten Prüfung in der dunklen Nacht extrem schwer getan und bin dann auch entsprechend verhalten gefahren, die Zeiten waren unwichtig, ich war happy, dass wir es am Freitag ins Ziel der ersten Etappe geschafft haben.“

Am Samstag standen ohnehin noch satte zehn der insgesamt 14 Prüfungen auf dem Programm. Die härteste Prüfung zog sich über den gesamten Tag: Die brütende Hitze sorgte dafür, dass die Cockpit-Temperaturen in die Höhe getrieben wurden. Hansjörg lacht: „Das war abartig heiß. Ich habe am Samstag sicher zwölf Liter Mineralwasser getrunken und ebenso viel wieder heraus geschwitzt. Aber ansonsten bin ich gut im Auto zurechtgekommen – großen Anteil hat daran mein erfahrener Copilot Manfred Cerny, der mich perfekt durch diese Rallye navigiert hat.“

Hansjörg Matzer lässt den Samstag noch einmal Revue passieren: „Die SP Gollersattel war meine Lieblingsprüfung. Im Vergleich zu den anderen Strecken hat mich diese Prüfung an die Rallye Monte Carlo erinnert – weil dort so wenig Schotter in den Kurven lag. Das waren nahezu perfekte Bedingungen.“

Der von den vorherfahrenden Fahrzeugen beim Cutten der Kurven herausgeschaufelte Split machte auf dem Großteil der Sonderprüfungen auch eingestandenen Piloten zu schaffen – es gab zahlreiche Abflüge, die deutschen Gäste der Citroen Racing Trophy bezeichneten die Weizer Prüfungen als „extrem anspruchsvoll“.

Matzer nickt: „In Thannhausen war extrem viel Split – und diese Prüfung war brutal schnell. Da hat mir Manfred den guten Tipp gegeben: ‚Wenn die kurvenäußeren Räder auf Asphalt und nicht auf Schotter sind, kannst du Gas geben und dich aus der Kurve ziehen.‘ Am Gössersattel konnte ich mich im zweiten Durchgang um 15 Sekunden steigern – zugleich jedoch war Nikolas Ziesler, dem ja der Renault Clio gehört und der mit einem Peugeot 208 R2 fuhr, um satte 2,5 Minuten schneller.“ Mit einem Augenzwinkern fügt Rallyerookie Matzer hinzu: „Da habe ich mich schon gefragt: Wo kommen diese 2,5 Minuten her?“

„Rallye als Gesamtkunstwerk“

Wenn er vom Rundkurs Naas erzählt, gerät Hansjörg Matzer richtiggehend ins Schwärmen: „Leider wurde er im ersten Durchgang abgebrochen – doch diesen Kurs liebe ich, den könnte ich ewig fahren. Das ist einfach großartig – die Fans stehen wie in einer Arena am Streckenrand, das beflügelt einen ungemein. Ich betrachte diese Weiz-Rallye oder eine Rallye als solche als Gesamtkunstwerk.“

Richtig abenteuerlich war die Bergprüfung Koglhof: „Im Servicepark wurde ich bereits gewarnt, dass ich mir die Bremsen einteilen soll. Da waren wir schon beim Erstellen des Aufschriebs vorsichtig, haben bei einer Dreier-Kurve lieber eine Zwei geschrieben. Es gab auch sehr viele Abflüge – immer wieder hast du Autos am Streckenrand gesehen. Im zweiten Durchlauf sind wir sogar auf ein Fahrzeug aufgelaufen, da hätte ich sogar um eine Ecke schneller fahren können.“ Dass Hansjörg auch recht schnell unterwegs war, zeigt die Ergebnisliste: Denn Letzter wurde er nicht – es wurde vielmehr der 51. Platz von 57 Teams, die es ins Ziel geschafft haben, gestartet sind 79 Teams. In der ORM wurden Matzer/Cerny 22. von 25 gewerteten Teams.

Und ist Hansjörg Matzer nun endgültig mit dem Rennvirus infiziert? Wird es weitere Rallye-Einsätze geben? Der Versicherungsmakler lacht: „Es war schon genial – ich würde sofort wieder fahren. Doch heuer wird es das auf gar keinen Fall mehr spielen, da wäre auch meine Gattin alles andere als begeistert. Ganz sicher werde ich mir auch kein Auto kaufen, denn dafür ist der Aufwand zu hoch und ich habe dafür nicht das passende Umfeld. Das Team Ziesler ist eine echte Sensation, da arbeiten alle am Auto mit.“

Matzer gerät ins Wanken: „Andererseits habe ich jetzt eine nagelneue Ausrüstung, Helm und Overall daheim liegen – das sollte man auch nicht versauern lassen.“ Dass er also 2016 die eine oder andere Rallye mit einem Mietfahrzeug bestreitet, möchte Matzer nicht ausschließen.

Eines liegt ihm noch sehr am Herzen: „Ich möchte dem Veranstalter der Weiz-Rallye, Mario Klammer ein Kompliment aussprechen. Der Zieleinlauf wird normalerweise nicht gestürzt abgehalten, da sind nach den Top 10 viele Fans und Fotografen weg – in Weiz jedoch wurde von ganz hinten gestartet und es wurden alle Fahrer gefeiert wie Topstars. Das war für mich die Krönung dieses Abenteuers, ich habe das wirklich in vollen Zügen genossen!“

Weil er einige Sponsoren fand und ihm von seinem ursprünglichen Budget sogar etwas übrig bleibt, spendet Hansjörg Matzer der Tageswerkstätte Stephanus 1.000 Euro.

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