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ORM: Jännerrallye 2019

Simon Wagner mit Technikdefekt raus

Auf Platz zwei liegend musste der 25jährige Simon Wagner seinen Škoda Fabia R5 bei der Jännerrallye mit technischem Defekt parken.

Fotos: Fessl

Es hätte die Revanche für das bittere Aus im vergangenen Jahr werden sollen. Bei der 34. internationalen Jännerrallye pilotierten Simon Wagner und Gerald Winter erstmals bei einem Rallye-ÖM-Lauf ein Fahrzeug der R5-Kategorie und sahen sich mit den wohl extremsten Bedingungen seit Jahren konfrontiert. Nachdem das Duo bei der letztjährigen Ausgabe auf Platz eins liegend nach der letzten SP mit Getriebeschaden ausgefallen war, konnte heuer das Ziel nur der Platz auf dem obersten Treppchen sein. Entsprechend motiviert präsentierte sich Simon Wagner von Beginn an und setzte bereits im Shakedown die zweitschnellste Zeit hinter dem als Favoriten gehandelten Hermann Neubauer.

"Ich würde lügen, wenn ich behaupte, ich hätte ein anderes Ziel als den Sieg gehabt. Natürlich war mir aber bewusst, dass das kein Selbstläufer und alles, nur nicht leicht werden würde", sagte Wagner. Ohne Testfahrten vor der Veranstaltung und ohne die nötige Erfahrung, um den Fabia R5 auf die winterlichen Bedingungen abstimmen zu können, stellte er sich der wohl größten Herausforderung seiner bisherigen Karriere. Nicht nur die beispiellosen Schneemassen und der Wissensvorsprung der Konkurrenz, sondern auch ein gewisser Druck spielten eine Rolle.

"Wenn Du im Vorjahr bis kurz vor dem Ziel in einem unterlegenen Auto vorn liegst, erwarten das bei einem Start im R5 – Erfahrungsmangel hin oder her – natürlich auch alle. Da brauchen wir uns nichts vormachen", erklärte Beifahrer Gerald Winter. "Allerdings gehen Simon und ich heuer bereits in die dritte gemeinsame Saison, und ich weiß inzwischen, dass er sich von solchem Druck, trotz seines jungen Alters, nicht beeindrucken, sondern nur noch mehr motivieren lässt."

Dass Simon Wagner nervenstark ist, bestätigten auch die Ergebnisse des ersten Rallyetages: Nach acht gefahrenen Sonderprüfungen war er am Freitag der einzige Pilot, der sich noch in Schlagdistanz zu seinem führenden Bruder Julian im vom Team um Rekordstaatsmeister Raimund Baumschlager eingesetzten Škoda Fabia R5 befand. Nach 109 gefahrenen SP-Kilometern trennten die Wagner-Brüder keine 21 Sekunden, während der Vorsprung auf Platz drei schon über drei Minuten betrug.

"Wir haben den ganzen Freitag über hart gearbeitet, um unser Setup weiterzuentwickeln und den Fabia bestmöglich auf die Streckenbedingungen und meinen Fahrstil abzustimmen", sagte Simon Wagner. "Unsere Mechaniker haben in jedem einzelnen Service ihr Bestes gegeben, um meine Wünsche umzusetzen, aber wir müssen uns eingestehen, dass es uns noch schwerer viel als erwartet, hier die richtige Richtung zu finden."

Trotzdem dominierten Wagner/Winter gemeinsam mit Bruder Julian und dessen Beifahrerin Anne Katharina Stein auch am Vormittag des zweiten Wertungstages das Feld und gaben keine einzige Sonderprüfungsbestzeit aus der Hand der Familie; bis zum Start der dreizehnten von insgesamt sechzehn Sonderprüfungen waren der Mauthausener und sein Beifahrer Gerald Winter die einzigen, die neben Simons Bruder Julian Wagner noch um den Sieg mitreden konnten.

Die böse Wendung folgte schließlich nach der zehnten Sonderprüfung, als das Fahrzeug von Simon Wagner und Gerald Winter nach dem "Remote Service" geschlagene sechs Minuten lang nicht mehr ansprang, wodurch sich das Duo eine einminütige Zeitstrafe einhandelte. Zwar konnten Wagner und Winter auf der nächsten Sonderprüfung noch eine Bestzeit setzen und sich ins Service nach Freistadt retten, auf der dann folgenden Sonderprüfung von Bad Zell nach Tragwein-Aisttal nahm das Drama aber seinen Lauf. Trotz des unermüdlichen Einsatzes von Beifahrer Gerald Winter, der auf der Sonderprüfung mehrfach aussteigen musste und versuchte, das Fahrzeug wieder zum Laufen zu bringen, folgte das endgültige Ende; das elektronische Gaspedal des Rallyeboliden quittierte endgültig den Dienst und machte eine Weiterfahrt unmöglich.

"Am Boden zerstört – offenbar darf ich die Jännerrallye nicht am Podium beenden", gab Simon Wagner daraufhin online zu Protokoll, zeigte sich wenige Stunden später aber schon wieder gewohnt kämpferisch: "Das tut weh! Natürlich. Ich hätte Julian zu gern noch ein wenig eingeheizt, und ein Wagner-Doppelsieg wäre unser aller Traum gewesen. Den zweiten Platz hätten wir uns mehr als verdient, aber dieses ganze 'Was wäre gewesen, wenn ...' bringt jetzt genauso wenig wie zu jammern. Fakt ist, dass wir aus unseren Möglichkeiten das Beste gemacht haben. Bis zum Ausfall sind wir eine fehlerfreie Rallye gefahren und haben enorm viel über den Fabia R5 gelernt. Der Vorsprung auf Platz drei spricht Bände – und egal, wie der Ausgang war, für mich war es eine Freude, den Fabia R5 bei der 'Jänner' bewegen zu dürfen. Allen Sponsoren, die das möglich gemacht haben, allen die uns unterstützen und hinter uns stehen, allen Streckenposten und Zeitnehmern, die für uns in der Kälte standen, und allen Fans an der Strecke mein aufrichtiger Dank für dieses Erlebnis. Aufgegeben wird nur ein Brief. Wir kommen wieder ..."

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