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Unmögliches möglich gemacht

Der Rolls-Royce Phantom fährt als leisestes Auto, das ausschließlich von einem Verbrennungsmotor angetrieben wird, in die achte Generation.

mid/som

"Das einzige Geräusch, das ich in meinem Automobil hören möchte, ist der Kies unter meinen Reifen, wenn ich meine Auffahrt hochfahre." Wer sich bei diesem Satz fragt, ob es wohl noch anspruchsvoller, beziehungsweise dekadenter zugehen könne, dem sei gesagt: "Ja, es geht!"

Denn Rolls-Royce hat es nun fertig gebracht, den Insassen seines neuen Schlachtschiffs Phantom selbst dieses akustische Highlight vorzuenthalten. Als leisestes Automobil der Welt, das ausschließlich von einem Verbrennungsmotor angetrieben wird.

Eine Generation, die es in sich hat. Eine Generation, die endlich auch dank WLAN-Hotspot, gewaltigem Head-up-Display und Fahrassistenten technisch in diesem Jahrtausend angekommen ist, ohne dabei auf die RR-typischen Feinheiten mit ihrer wahnwitzigen, aber natürlich auch kostspieligen Liebe zum Detail zu verzichten. Gemeint sind an dieser Stelle zum Beispiel die im Dachhimmel per Hand eingearbeiteten über 1.000 Leuchtdioden, mit denen auf Kundenwunsch jedes nur erdenkliche Sternenbild oder auch alles andere dargestellt werden kann.

Besonders erfreulich ist für echte Autonarren aber natürlich die Tatsache, dass die Briten sich auch in Zeiten von Downsizing und Co. nicht auf ihren 6,75 Liter großen V12-Benzinmotor verzichten. Ein Triebwerk, das schon im unteren Drehzahlbereich ab 1.700 Umdrehungen pro Minute mit 900 Newtonmeter auf die Hinterachse einwirkt und somit für eine Sprintfähigkeit von 0 auf 100 km/h in 5,3 Sekunden sorgt. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Palast auf Rädern stolze 2,6 Tonnen auf die Waage bringt.

Die zu entfesselnden 571 PS gehen bei durchgedrücktem Gaspedal so geräuscharm, ja fast schon elektrisierend zu Werke, dass der Verstand sich an diese Art der Fortbewegung erst einmal gewöhnen muss. Sind wir ja schließlich in einer Zeit aufgewachsen, da in unseren Köpfen noch immer viel Leistung und eine hohe Beschleunigungsfähigkeit mit einer angemessenen Soundkulisse verknüpft sind.

Beim starken Beschleunigen des 5,76 Meter langen Phantoms pflanzt sich daher in den ersten Sekunden sowohl bei den Insassen als auch bei den gaffenden Passanten an der Straße zwangsläufig der Gedanke ein: Das muss ein Elektroauto oder zumindest ein Hybrid sein.

An dieser Stelle darf verraten werden, dass ein Hybrid auch in Zukunft nicht bei Rolls-Royce anzutreffen sein wird, denn die nächste Phantom-Generation soll gleich rein elektrisch daher kommen.

Auch ein Allradantrieb wäre umsetzbar (das 4x4-SUV Cullinan wird schließlich auch auf dieser Plattform produziert werden) und von dem einen oder anderen Kunden gegen eine ordentliche Summe vielleicht schon in dieser Generation bestellt. Aktiv angeboten wird er allerdings nicht mit Allradantrieb.

Eines steht fest: An der Lautstärke, die durch eine sechs Millimeter dicke Verglasung und Schaum in den 22 Zoll großen und 28,5 Zentimeter breiten Reifen minimiert wurde, würde sich auch mit E-Antrieb kaum etwas ändern können.

Die akustischen und dank des Sternenhimmels auch visuellen Voraussetzungen für einen erholsamen Schlaf sind auf jeden Fall gegeben. Und auch der Gedanke daran, dass bei Crashtests die Anlage mehr als das Fahrzeug selbst gecrasht wurde, beruhigt dann doch auf eine gewisse Art und Weise.

Aber damit nicht genug. Denn Rolls-Royce wäre nicht Rolls-Royce, wenn nicht auch die Sitze im Fond zu einer Liegewiese umfunktioniert werden könnten - natürlich auf Knopfdruck. Und für das gemütliche, aufrecht sitzende Arbeiten in einem der teuersten, aber dafür mobilsten Büros der Welt, sorgt unter anderem eine elektrisch herausfahrbare Fußstütze im Fußboden.

Ach ja: Der Schirm in der Tür darf selbstverständlich genauso wenig fehlen, wie die Champagner-Bar, die per Knopfdruck schließenden, im Fond gegenläufig angeschlagenen Türen sowie die ein- und wieder herausfahrbare Kühlerfigur Spirit of Ecstasy.

Wem der Platz im Fond nicht ausreicht, der findet hinter dem Steuer des mit einer völlig unbemerkt arbeitenden und GPS-unterstützen Achtgang-Automatik ausgestatteten Rolls-Royce Phantom einen äußerst interessanten Arbeitsplatz. Denn hier kommen sich auch 1,95 Meter große Recken vor wie ein Kleinkind.

Schon das Einsteigen in den über SUV-Höhe verfügenden Rolls und auch die kurz darauf wahrgenommene Kopffreiheit sorgen im Zusammenspiel mit dem recht groß dimensionierten Lenkrad für Erinnerungen an Kindertage, wo auf Papas Schoß die ersten Meter zurückgelegt werden durften.

Dabei fällt zugleich auf, dass sich das Rangieren des fast sechs Meter, aber eben wirklich nur fast sechs Meter langen Ungetüms dank mitlenkender Hinterachse anfühlt, wie das eines Kompaktwagens. Dabei ist zu erwähnen, dass in einem der Hauptmärkte China für alle Fahrzeuge, die über sechs Meter in der Länge messen, seitens des Fahrers eine dem Lkw-Führerschein ähnliche Qualifikation vorliegen muss.

Neben seiner unvergleichbaren Geräuschkulisse überzeugt der 2,6 Tonnen schwere und schon ohne Steuern 375.000 Euro teure Rolls-Royce unter anderem durch seine butterweiche Federung, dank derer alle Unebenheiten vom Rücken seiner Insassen ferngehalten werden.

Die selbstnivellierende Luftfederung kalkuliert in jeder Sekunde Millionen von Befehle, während sie das elektronisch gesteuerte Dämpfungssystem kontinuierlich anpasst, um auf Karosserie- und Radbeschleunigung, Lenkbewegungen sowie Kamera-Informationen zu reagieren.

Bei gutem Wetter und damit auch guten Sichtverhältnissen erfasst ein in die Windschutzscheibe integriertes Stereokamerasystem die vorausliegende Straße und erlaubt damit bis zu einer Geschwindigkeit von 100 km/h die vorausschauende Anpassung des Fahrwerks. Der schwebende Teppich ist nun Wirklichkeit geworden.

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