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Bayerische Muskeln

Noch sind Karosserie und Interieur getarnt, doch bald präsentiert Toyota den neuen Supra der Weltöffentlichkeit. Wir testen die Vorserienversion.

mid/wal

Noch sind Karosserie und Interieur getarnt, doch bald präsentiert Toyota die Wiedergeburt des Sport-Coupés "Supra" der Weltöffentlichkeit. Wir spurten mit dem mehr als 300 PS starken Geschoss schon mal über den "Circuito del Jarama", eine Rennstrecke bei Madrid, sowie durch spanische Serpentinen und über Autobahnen.

Die schnittige Form lässt vage an die legendären Supra-Modelle vergangener Jahrzehnte denken. Denn der sportliche Japaner zitiert seinen 2002 eingestellten Vorgänger. Zumindest gibt es eine ähnliche Scheinwerferform und ein steiles Heck. Noch tragen die Supra-Exemplare Tarnkleidung in den schwarz-rot-weißen Farben der Motorsport-Tochter Toyota Gazoo Racing.

Im Inneren des Fahrzeugs steckt allerhand Technik des bayrischen Autobauers BMW. Der neue Toyota Supra ist eine Art geschlossener BMW Z4. Den Innenraum des Sportlers haben die Toyota-Mitarbeiter noch sorgfältig mit schwarzem Filz verhüllt. Doch manches Element im Cockpit lugt leicht hervor und erinnert ebenso an die Bayerischen Motorenwerke.

Herausgekommen ist ein technisch nahezu perfekter Zweitürer mit Fahrleistungen zum Zungenschnalzen. Der muskulöse Otto-Motor aus Bayern besitzt drei Liter Hubraum, sechs Zylinder in Reihe und mehr als 300 PS. Über die exakte Leistungs-Kennzahl wollen die Japaner gegenwärtig noch nicht informieren. Das soll später kundgetan werden. Eines ist aber ganz klar: Dieses Auto ist schnell, auf jeden Fall schneller als die spanische Polizei erlaubt, aber das ist wohl kaum ein relevanter Maßstab für Sportwagen-Freunde.

Darum geht es zur Testfahrt auch auf die von staatlichen Tempolimits befreite Rennpiste. Im Komfortmodus des Automatikgetriebes beschleunigt der Toyota Supra souverän und kultiviert. Nach dem Umschalten auf "Sport" klingt der Motor hörbar kerniger - was nicht alleine am weiteren Ausreizen der Dreh-Kapazität liegt. Es gibt freilich stärkere Sportskanonen als den neuen Supra, doch die Performance kann sich selbst auf einer Profirennbahn sehen und hören lassen. Der Spaßfaktor erweist sich als erfreulich hoch.

Unterdessen besitzt das Fahrzeug all die Finessen, die man von modernen Autos erwarten kann: Der Geräuschpegel im Innenraum ist gering - selbst bei hoher Geschwindigkeit. Hinzu kommen beim Handling Präzision und Agilität.

In Verbindung mit den unaufgeregten Geräuschen entsteht ein den physikalischen Gegebenheiten enthobenes Fahrgefühl. Kritisch formuliert: Die Fahrvorgänge wirken etwas künstlich. Aber das wäre ungerechtes Jammern auf hohem Niveau und eine Verschmähung höchster Ingenieurskunst.

Toyota hat Testfahrer mit langjähriger Erfahrung im Kompetenzteam. Einer von ihnen ist der Belgier Herwig Daenens. "Toyota hat den BMW-Motor sportlich kalibriert", sagt Daenens. Es sei typisch für die Sportwagen-Sparte bei Toyota, Motoren sehr sportlich abzustimmen.

Gleiches gilt beim Fahrwerk. Das Handling des Supra ist ausgesprochen direkt. Wer einmal den neuen Supra lenkt, wird dieses Urteil wohl bestätigen können. Bis Mitte 2019 soll der Über-Toyota zur Marktreife gelangen, verrät das japanische Management.

Auf den Serpentinen im Gebirge bei Madrid kann man zwar nicht ganz so schnell brettern wie auf dem Jarama Track, doch gibt es unzählige enge Kurven, die wie maßgeschneidert sind für den Sportwagen. Der Supra verbindet sich geschmeidig mit der Fahrbahn, was ein permanentes Gefühl von aktiver Sicherheit vermittelt. Kein Wunder, dass der Supra dazu verleitet, schneller zu fahren als erlaubt. Disziplin verlangt ein solches Auto seinem Fahrer schon ab.

Zwischen 1978 und 2002 hat Toyota den Supra gebaut, bis 1985 als Celica Supra. Jede Generation versprüht den stilistischen Charme ihrer Zeit. Bis zum vorerst letzten Modell hatte sich ein Kultstatus um den Supra entwickelt. Insbesondere das bis dato neuste Modell hatte einen begeisterten Fankreis. Denn der Motor war damals so gebaut, dass er sich leicht tunen ließ. Bis zu 1.000 PS konnten Bastler aus dem Aggregat herauskitzeln. 16 Jahre dauerte der Dornröschenschlaf des "Tokyo Drifters". Jetzt wird die Legende wieder wach geküsst.

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