Autowelt

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter

Inhalt

Mega-Niere mit Mega-Power

Mit dem neuen 4er-Coupe löst BMW eine polarisierende Diskussion über den mächtig gequollenen Kühlergrill aus. Bei den inneren Werten der Modellreihe finden beide Lager jedoch schnell wieder zueinander.

mid

Kann man über die brandneue 4er-Reihe von BMW berichten, ohne den Kühlergrill - die "BMW-Niere" - an vorderster Stelle zu erwähnen? Nein, denn noch nie hat die Frontpartie eines BMW so stark polarisiert. Schon tauchen Begriffe über den wuchtigen Grill wie "Nierenschaden" und "Schande" auf. Aber trotz der Angst, dass sich beim derzeitigen BMW-Nierenwachstum der cW-Wert (der die Windschlüpfigkeit der Karosserie anzeigt) künftig dem eines Reihenhauses angleicht: Es gibt zur Optik auch begeisterte Kommentare.

Der Designer des 4er-Coupes, Seungmo Lim, verteidigt die mächtigen vertikalen "Nasenlöcher" der Karosserie im Wesentlichen mit zwei Hauptargumenten: Er verweist auf die Firmen-Geschichte, indem er Fotos von historischen BMW-Modellen mit ebenfalls hoch aufragenden Kühlergrill-Elementen zeigt, und malt das Bild des Zielkunden, der als 45- bis 55-jähriger, extrovertierter Mensch (meist männlich) auch bei der Wahl seines Autos mit Status und Prestige entsprechend auftreten will.

Und was soll der introvertierte BMW-Fan machen, der aus Freude am Fahren einfach nur sportlich in einem Coupe unterwegs sein will? Einfach reinsetzen und fahren. Am besten in das derzeitige Spitzenmodell M440i xDrive - so wie es auch wir bei der Präsentation in Garching bei München ausprobiert haben.

Egal, wie man zur neuen Niere steht: Im Innenraum fühlt sich der BMW-Fan, der das aktuelle Armaturenbrett-Konzept mag, sofort zu Hause. Wer die Möglichkeit vermisst, den zentralen Infobildschirm hinter dem Lenkrad auch im klassischen Design mit kreisrunden Zeigerinstrumenten für Tacho und Drehzahlmesser zu konfigurieren, wie es zum Beispiel Audi oder Mercedes anbietet, sollte gleich das Head-up-Display ordern. Dann ist der Blick immer auf die Straße gerichtet, ohne dass auf die wichtigsten Fahrer-Informationen verzichtet werden muss, die bei allen Lichtverhältnissen perfekt in die Windschutzscheibe projiziert werden.

Allein die reinen Leistungsdaten des M440i mit 3-l-Sechszylinder, 374 PS und 500 Newtonmetern samt 48-Volt-Mildhybrid-Technik, stehen für eine hoch angesiedelte Fahrdynamik. Aber was nützt ein starker Antrieb, wenn er das Fahrwerk überfordert? Da BMW das 4er-Coupe nicht nur optisch noch deutlicher von der Limousine absetzen will, ziehen die Fahrwerksspezialisten gegenüber dem bereits gut abgestimmten 3er die Grenzen noch weiter nach oben.

Es beginnt mit einer steiferen Karosseriestruktur: zusätzliche Streben im Vorbau zwischen den Federbein-Domen sowie im Bereich der Fünflenker-Hinterachse. Gegenüber der Limousine wächst die Spurbreite an der Hinterachse um 23 Millimeter, zudem stemmt sich die Vorderachse mit höheren Sturzwerten der Räder gegen das Wegrutschen in schnell gefahrenen Kurven. Ein um 21 Millimeter abgesenkter Karosserie-Schwerpunkt und spezielle hubabhängige Dämpfer leisten ebenfalls wertvolle Beiträge zur Fahrdynamik.

Das Ergebnis ist deswegen nennenswert, weil die Fahrwerks-Spezialisten den alten Zielkonflikt zwischen sportlich-hart und komfortabel-weich spürbar gelöst haben. Der 4er besticht auf unterschiedlich gearteten Straßenoberflächen mit nahezu unerschütterlicher Straßenlage und hoher Lenkpräzision. Ohne dass beim Überfahren von Unebenheiten, wie bei nicht fluchtenden Kanaldeckeln, harte Schläge ins Kreuz der Insassen unangenehme Bandscheibenvorfälle provozieren.

Eine Besonderheit bietet das 8-Gang-Steptronic-Automatik-Getriebe, das im M440i serienmäßig die Gänge auswählt. Zieht der Fahrer für eine Sekunde an der linken Schaltwippe des Lenkrades, dann konfigurieren sich Gaspedalkennlinie und Schaltcharakteristik blitzschnell auf das Niveau des Sportmodus. Gleichzeitig schaltet die Automatik auf den kleinstmöglichen Gang herunter. Damit ist das Coupe komplett auf einen Sprint mit maximaler Beschleunigung ausgerichtet, die zum Beispiel den Weg beim Überholen eines Lastzuges auf das mögliche Minimum zusammenschmelzen lässt.
Der Allradantrieb ist intelligent genug um zu merken, wann er wirklich benötigt wird. Geht es nur um das Dahinrollen im Verkehr, ist der 4er als Hecktriebler unterwegs. Erst bei Antriebs- und Kurvendynamik sowie bei rutschigem Untergrund bekommen alle vier Räder das Maß an Traktion zugeteilt, das dort gerade benötigt wird.

Klar, dass ein Auto des Modelljahrgangs 2021 mit allen erdenklichen Fahrerassistenzsystemen angeboten wird, die inzwischen zum Standard geworden sind. Erwähnenswert sind zwei Besonderheiten im neuen Coupe: aktive Navigationsführung und Rettungsgassenassistent. Gekoppelt mit dem Ziel im Navigationssystem macht der Assistent rechtzeitig vor Autobahnkreuzen und Abfahrten auf den Spurwechsel aufmerksam und passt die Fahrgeschwindigkeit für das Eintauchen in die benachbarte Lücke an. Erkennt das System dagegen einen Stau auf der Autobahn, positioniert es den Wagen beim Anhalten situationsbedingt an den idealen Rand der aktuell genutzten Spur, um Rettungsfahrzeugen das Durchkommen zu erleichtern.

Neben der Top-Version M440i xDrive geht das Coupe zunächst mit drei Vierzylinder-Varianten (zwei Benziner, ein Diesel) an den Start. Im März 2021 sollen dann noch zwei weitere Sechszylinder-Diesel folgen. Zu diesem Zeitpunkt geht dann auch die Cabrio-Version mit Stoffdach in Produktion. Die Coupe-Preisliste startet in Deutschland mit den derzeit üblichen 16 Prozent Mehrwertsteuer bei 44.645,38 Euro (420i) oder 47.082,36 Euro (420d), der 440i xDrive ist nicht unter 65.213,45 Euro zu haben. In Österreich muss, wie gewohnt, etwas tiefer in die Tasche gegriffen werden. Der 420i startet bei 48.950,00 Euro, der 430i bei 54.650,01 Euro und der Diesel 420d bei 50.050,00 Euro. Er ist zudem der einzige, der neben dem mindestens 73.450,01 Euro teuren M440i auch mit Allrad zu haben ist. Als 420d xDrive Coupé stehen sodann mindestens 53.000 Euro geradeaus am Preiszettel.

Technische Daten BMW M440i xDrive Coupe:
- Länge / Breite / Höhe: 4,77 / 1,85 / 1,39 Meter
- Motor: Reihen-Sechszylinder Benziner mit Twin-Turbo und 48 Volt Mild-Hybrid Technik
- Hubraum: 2.998 ccm
- Leistung: 275 kW/374 PS
- max. Drehmoment: 500 Nm
- Getriebe: 8-Gang Automatik-Getriebe
- Beschleunigung: 0 bis 100 km/h in 4,5 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
- Normverbrauch (WLTP): 6,8 - 7,2 l/100 km
- CO2-Emissionen: 155 - 161 g/km
- Preise DE: ab 65.213,45 Euro (aktuell 16 Prozent Mehrwertsteuer)
- Preise AT: ab 73.450,01 Euro

Ähnliche Themen:

Weitere Artikel

Schärfer ist das bessere scharf

BMW X3 M Competition – im Test

Der X3 M gehört zu den derzeit fahraktivsten SUVs, ein bissl nachwürzen ist aber immer erlaubt: Mit dem Paket Competition gibt es mehr von allem.

Lobende Worte und Kritik an der Formel 1

Rennlegende Jacky Ickx über die Formel E

Während die Formel 1 ihren Platz in der heutigen Zeit noch suche, sei die Formel E am Puls der Zeit - meint Motorsport-Legende Jacky Ickx.

Der Saisonauftakt der Motorline Rallye Challenge hatte es in sich, beim Rekordstarterfeld von fast 90 Piloten holte sich Florian Hüfinger den souveränen Sieg vor Traußnig und Subasic.