Autowelt

Inhalt

Neuer Peugeot 208 - im ersten Test

Tapferer Gallier

Der neue Peugeot ist ein fescher kleiner Kerl, der außerdem erstmals auch mit Elektroantrieb erhältlich ist. Wir bitten ihn zum ersten Test.

mid/rubö

Hier geht's zu den Bildern

Schon 22 Millionen Kunden sagten "Oui" und kauften sich den kessen Franzosen. Den Peugeot 205, der sich im Verlauf der vergangenen vier Jahrzehnte als Erfolgsmodell auch in der firmeninternen Nomenklatur nach oben arbeitete und jetzt als Peugeot 208 daherkommt. So wichtig ist das Modell für den PSA-Konzern, dass sogar dessen Chef bei der Fahrpräsentation vorbeischaute.

"Kaufen Sie einen Peugeot und wählen Sie dann Ihren Antrieb", sagt Peugeot-Citroen-Opel-Boss Carlos Tavares. Und der darf beim Megaseller 208 gern elektrisch sein. Ab nächstem Jahr beginnt die Auslieferung, bei den Franzosen rechnet man mit einem Marktanteil von zehn Prozent. Warum nicht mehr? Fehlende Lademöglichkeiten - und natürlich auch der Preis. Denn zwischen dem günstigsten Modell, dem Pure-Tech-Benziner mit 75 PS in absoluter Basisausstattung, und dem e-208 in der "Active"-Ausführung liegen Welten. Rund 16.000 Euro kostet der eine, der andere startet erst bei rund 32.000 Euro.

Im Gegensatz zu anderen E-Autos merkt man dem Peugeot e-208 seinen alternativen Antrieb nicht gleich an. Außer der fast lautlosen Fortbewegung, einem kleinen e auf der C-Säule und den fehlenden Auspuffrohren unterscheidet er sich äußerlich kaum vom Verbrenner. Mit den 310 Kilo schweren Batterien im Boden unter den Vordersitzen und der Rückbank untergebracht, weist er von vornherein einen niedrigen Schwerpunkt auf. Noch knackiger, noch strammer liegt der e-208 dadurch auf der Straße. Das Mehrgewicht merkt man dabei gar nicht, das überspielen das satte Drehmoment und die Kraft der 150 PS. Wählen kann man zwischen fünf Fahrmodi. Eco, Normal und Sport und bei Letzterem kann man die Rekuperationstärke auch noch in zwei Stufen einstellen.

Geschont haben wir bei der Testfahrt weder Auto noch Batterie, aber wir wollten ja auch die tatsächliche Reichweite testen. Nach dynamischer, 65 Kilometer langer Fahrt blieben von ursprünglich 300 Kilometern nur noch 180 Kilometer übrig. Bei einem Verbrauch von 17,6 kw/h und damit leicht über den angegebenen Werten. Dass man bei einer täglichen Distanz von unter 50 Kilometer und bei einer Gesamtreichweite von 340 Kilometern nur einmal in der Woche laden muss, wie von Peugeot angepriesen, können wir uns somit leider nicht vorstellen.

Es sei denn, man legt den Spaßfaktor beiseite und behandelt das Strompedal ein wenig vorsichtiger als wir. Oder der Fahrer bevorzugt im Normalbetriebe die höchste Rekuperationsstufe, denn dann lädt der e-208 ordentlich nach. Es macht sogar Riesen-Spaß, wenn man nur mit dem Gaspedal fährt und versucht, fast ganz ohne die Bremsen auszukommen.

Mit Wallbox kommt man auf eine Ladedauer zwischen elf und fünf Stunden. Ein 100-kW-Schnelllader pumpt 80 Prozent Kapazität in 30 Minuten in die Batterie. Die soll immerhin acht Jahre oder 160.000 Kilometer lang halten, wofür Peugeot jedenfalls garantiert. Zum Garantiefall wird der Akku aber erst, wenn seine Kapazität unter 70 Prozent gesunken ist.

Aber nun zu den anderen Motoren. Wir haben das 101-PS-Triebwerk und das Spitzenmodell mit 130 PS getestet. Basis ist immer ein 1,2-Liter großer Reihen-Vierzylinder, der in der 101-PS-Variante wahlweise mit einem 6-Gang-Handschalter oder mit der neuen 8-Gang-Wandler-Automatik ausgestattet ist. Den 130er gibt es nur mit Automatik.

Wir würden in jedem Fall zu Letzterer raten, weil der Handschalter leider nicht mit dem Anspruch des neuen 208 mithalten kann. Lange Schaltwege, lasche Führung - knackig ist hier rein gar nichts und so leidet das Fahrvergnügen beträchtlich. Schade, denn das Fahrwerk ist fein abgestimmt, nicht zu hart, aber nicht zu weich.

Die engen Kurven im südlichen Hinterland von Lissabon fordern Motor, Lenkung und Stoßdämpfer wirklich heraus. Aber der neue 208er beweist, dass er ein echter Kerl ist. Exactement und mit viel Bravour flitzt der kleine Racker durch die Kurven, dass es eine wahre Freude ist. Ob als Benziner, Diesel oder als Elektro.

Überzeugend ist auch das neue iCockpit, das dreidimenisonal daherkommt. Design und Mode - das können die Franzosen. Auch außen. Die Klauen-Optik an Front und Heck wirkt dynamisch, frech und macht auch ein kleines Auto ganz groß. Auf dem Laufsteg der mobilen Eitelkeiten erntet der 208 damit mindestens ein Raunen, wenn nicht sogar Beifallsstürme.

- Länge / Breite / Höhe: 4,05 / 1,96 / 1,43 m
- Motor: Dreiphasen-Synchronmotor mit Permanentmagnet
- Getriebe: Eingang-Automatik
- Batteriekapazität: 50 kWh
- Leistung: 100 kW/136 PS
- max Drehmoment: 260 Nm
- 0 - 100 km/h: 8,1 s
- Spitze: 150 km/h
- Reichweite: 340 km (WLTP)
- Normverbrauch: 16,9 kWh/100 km
- CO2-Emission: 0 g/km
- Österreich-Preis: ab 31.900 Euro (Deutschland: ab 30.450 Euro)

Drucken

Ähnliche Themen:

12.10.2019
Racing-Ambitionen

Volkswagen verpasst seinem eigentlich recht braven Klein-SUV VW T-Roc das R-Emblem samt 300-PS-Motor und adelt ihn damit zum Sportler.

05.07.2019
Wasser marsch!

Während andere zögern, schickt Hyundai mit dem Nexo bereits die zweite Generation eines Brennstoffzellen-Elektroautos auf den Markt. Im Test.

06.11.2013
Stürmischer Fruchtzwerg

Nach zwei Generationen Pause bringt Peugeot wieder einen kleinen GTi hervor. Im Vergleich zum legendären 205 GTi ist der 208 ordentlich gewachsen, aber auch erstarkt.

Kinder-Liga Teures Spielzeug: Bugatti Baby II

Der Bugatti Baby II spielt mit Elektromotor und 75 Prozent der Originalgröße seines Vorbilds Type 35 von 1924 in der Liga für extrem verwöhnte Kids.

Grand Prix von Japan Bottas sichert Mercedes beide WM-Titel

Mercedes sichert sich vier Rennen vor Saisonende beide WM-Titel - Den Silberpfeilen reicht ein Sieg von Bottas vor Vettel und Hamilton.

VLN Lauf 8: Nürburgring "Mamba" beißt nach Abbruch zu

Nächstes Kapitel der AMG-Festspiele auf der Nürburgring-Nordschleife: HTP holt nächsten Mercedes-Sieg, GetSpeed und Black Falcon fahren sich ins Auto.

ARC: Herbstrallye Hoffen auf einen gelungenen Abschluss

Nach zwei sehr durchwachsenen Läufen wünscht sich Martin Gruber für die letzte ARC-Rallye ein weitgehend störungsfreies Wochenende.