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Drifttraining mit dem Toyota GR Yaris

Das kontrollierte Übersteuern, vulgo Driften, ist vermutlich so alt wie das Auto selbst und hat über die Zeit kein bisschen von seinem Reiz verloren. Sowohl von außen, als Zuseher, sowie auch vom Fahrersitz selbst aus. Allerdings will Quer-Fahren gelernt sein. Vor allem dann, wenn alle vier Räder des eigenen Gefährts für Vortrieb sorgen. Hier die passende Theorie sowie praktische Tipps, was es konkret beim Quertreiben eines 4x4-Fahrzeugs zu beachten gibt.

„Die Vorderräder zeigen immer dorthin, wo ihr hin fahren wollt“, gilt als allgemeine Weisheit, sowohl fürs alltägliche Autofahren, aber auch fürs Driften … zumindest mit einem hinterradgetriebenen Auto. Mit einem Allradfahrzeug liegen die Dinge anders. Einerseits sind sie einfacher, gleichzeitig aber auch schwieriger. Klingt komisch, ist aber so. Doch alles zu seiner Zeit. Gehen wir das Prozedere Schritt für Schritt durch.

Die Theorie:

Auto und Fahrer vorbereiten

Es sollte vermutlich logisch sein, aber der Vollständigkeit halber sei es dennoch erwähnt: Driften geht nur, wenn möglichst wenige elektronische Helferlein versuchen das Auto in Zaum zu halten. Heißt: Stabilitäts- und/oder Traktionskontrolle müssen so weit wie möglich, idealerweise komplett, deaktiviert werden können. Und wenn ein Auto noch dazu kein ABS hat: Noch besser. Dürfte bei modernen Straßenautos aber schwer zu finden und eigentlich nur mit „tiefgreifenden Eingriffen“ zu realisieren sein. Macht aber nix. Solange alles nach Plan läuft, klappt das kontrollierte Übersteuern nämlich auch mit ABS an Bord bestens. Darüber hinaus ist fürs Driften nichts anderes zu beachten, als es auch für die Fahrt zur Oma der Fall ist: Der Wartungszustand des Autos sollte gut sein und die Sitzposition passen (Hintern fest im Sitz, Lenkrad nah genug um es immer in den Händen zu haben, etc.). Zudem aber sollten auch „Ort und Zeit“ passen. Denn obgleich uns bewusst ist, dass Drifts auch in Kreisverkehren, auf Supermarktparkplätzen oder Landstraßen populär und vermeintlich lustig sind: Nur auf abgesperrten Strecken oder auf Privatgrund, auf dem man sich tatsächlich aufhalten und Driften darf, ist es auch wirklich erlaubt. Darüber hinaus könnten Grundbesitzer und/oder Exekutive diverse Probleme machen; von Besitzstörung bis hin zu Umweltverschmutzung und Lärmbelästigung. Also seid clever und hebt euch das Driften für Rennstrecken und Co. auf. So, jetzt aber genug gepredigt. Ran an den Drift:

Kurve anfahren

Prinzipiell gelten auch beim Driften dieselben Grundregeln wie beim konventionellen Fahren. Der schnellste Weg durch eine Kurve ist also die Ideallinie (außen-innen-außen). Das ist prinzipiell auch beim Allraddriften nicht anders, gerade Anfänger sollten sich allerdings gerade beim Anfahren etwas mehr Platz in beide Richtungen lassen und recht mittig daherkommen. Dann gibt es prinzipiell mehrere Möglichkeiten, den Drift einzuleiten:

Drift einleiten #1: Lastwechsel

Abruptes vom Gas gehen oder gar bremsen verlagert das Gewicht des Autos auf die Vorderachse. „Das Heck wird leicht“, heißt es so schön. Das kann für das Einleiten eines Drifts ausgenutzt werden, indem man zur rechten Zeit die starken Seitenführungskräfte der Vorderräder für ein kräftiges Einlenken nutzt, woraufhin die Hinterräder „hoffentlich“ den Halt verlieren und man zu driften beginnt.

Drift einleiten #2: Aufschaukeln

Im Grunde als „kontrollierter Gegenpendler“ zu beschreiben. Man nutzt hier einen eigentlich unangenehmen physikalischen Effekt zu seinen Gunsten. Heißt: Auf eine Kurve zusteuernd lenkt man erst in die „falsche Richtung“ – also auf der Kurve raus statt rein – nur um kurz darauf, sobald der Wagen idealerweise bereits im leichten Drift in diese Richtung unterwegs ist, tatsächlich IN die Kurve zu lenken und die quasi aufgebaute Energie im Fahrwerk dazu nutzt, einen starken Drift Richtung Scheitelpunkt einzuleiten.

Drift einleiten #3: Handbremse

Das Prinzip ist einfach: Durch Blockieren der Hinterachse wird die Haftung eben jener unterbrochen. Die Reifen können keine Seitenführung mehr aufbauen und das Heck bricht aus, sobald man auch nur leichte Lenkbewegungen tätigt. Bei Allradfahrzeugen ist das aber oft nicht ganz so einfach, weil bei vielen Autos in diesem Moment auch die Kraftübertragung an die Vorderachse abreißt. Ganz abgesehen davon, dass immer wenige moderne Autos über manuelle Handbremsen verfügen und elektronische nicht während der Fahrt bedient werden können.

Drift halten

Jetzt wird es spannend. Lenkung und Gas müssen zusammenspielen, um den Drift möglichst lange und kontrolliert zu halten. Entgegen dem Driften mit Hinterrad-getriebenen Autos ist es allerdings wichtig, NICHT in die Richtung zu lenken, in die man fahren will, sondern weniger stark einzulenken. Während man in einem Hecktriebler also beispielsweise am Scheitelpunkt einer Kurve schon Richtung Kurvenausgang lenkt, sollten in einem Allradler die Räder idealerweise gerade stehen. Lenkt man nämlich gegen, ziehen die Vorderräder den Wagen aus dem Drift heraus. Das bedeutet gleichermaßen, dass man in einem Allradauto die angenehme Möglichkeit hat, schon während man driftet durch leichtes, weiteres Einlenken „in den Drift“ den Winkel noch einmal zu erhöhen, ohne dass man allzu schnell riskiert sich einzudrehen.

Drift beenden

Nach der Kurve gilt es, Ruhe zu bewahren. Erneut sollte man davon absehen, zu stark oder abrupt gegenzulenken oder aber zu hektisch das Gas zu lupfen. Zumindest, wenn man eben nicht gleich den nächsten Drift in die gegenüberliegende Richtung einleiten, also gegenpendeln will. Heißt: wenn überhaupt gefühlvoll das Gas reduzieren, langsam und bedächtig nun tatsächlich dort hinlenken, wo man hinfahren möchte und dem Wagen möglichst sanft die Gelegenheit geben, wieder Traktion aufzubauen, ohne wilde Wechselreaktionen zu provozieren.

Die Praxis:

Natürlich haben wir das alles nicht einfach aus dem Internet zusammenkopiert, sondern am eigenen Leib erfahren und ausprobiert. Und zwar bei einem Drift-Training am Wachauring, organisiert durch Razoon. Denn um noch einmal zum Punkt „richtiger Zeit und Ort“ von vorhin zurück zu kommen: Wer mit kontrolliertem Quer-Fahren anfangen möchte, dem möchten wir auf jeden Fall ans Herz legen das nicht einfach in einem verschneiten Wald mit Papas BMW zu tun, sondern sich ein solches Training zu gönnen. Nicht nur kommt man so in den Genuss das ganze bei Snacks und Drinks und in netter Gesellschaft zu tun, sondern vor allem in kontrollierter Umgebung inklusive Auslaufzonen, perfekter Begleitung samt ständiger Verbesserungsvorschläge durch echte Profis und mit dem richtigen Gerät …

Die Waffe der Wahl

Mit genug Hingabe lässt sich zwar jedes Auto mehr oder weniger spektakulär zum Übersteuern bringen, so richtig Spaß macht das ganze aber nur mit dem richtigen Untersatz. Während Papas Mittelklasse-Kombi also zwar durchaus auch dann und wann – vor allem auf Schnee – für den angesprochenen Spaß zu haben ist, so braucht es für ernsthafteres Driften doch auch „ernsthafteres Equipment“. Und von aktuellen Fahrzeugen ist hier keines besser geeignet als der Toyota GR Yaris. Der kleine Japaner wurde seit seiner Vorstellung bereits mit jeder Menge Lob und Jubel (sowie zum Glück auch tollen Verkaufszahlen) bedacht. Und das zu Recht. Mit seinem permanenten Allradantrieb samt in drei Stufen justierbaren Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse (Normal: 70 / 30, Sport: 40 / 60 und Track: 50 / 50) und der bärigen Power aus seinem Turbo-geladenen Dreizylinder ist er schon an sich bestens für den Job gewappnet. Erst Feinheiten wie die automatisch entkoppelnde Hinterachse bei Betätigung der scharf zubeißenden Handbremse aber machen ihn zur wahrlich perfekten Wahl fürs Allrad-Driften. Das wissen freilich auch die Jungs und Mädels von Razoon, weswegen just dieses Auto bei den passenden Fahrerlebnissen und Trainings zum Einsatz kommt. Weiteres Pro an dem Nippon-Sportler: Gerade in Hinblick darauf, dass aller Anfang bekanntlich schwer ist: Ersatzteile für den GR Yaris sind relativ günstig …

Unsere Erfahrungen und Berichte

So ausgerüstet ging es für uns auf den bewässerten Wachauring in Melk. „Bewässert ist schummeln!“, hör ich den einen oder anderen denken. Mag sein. Allerdings geht es einerseits ums Lernen und nicht um die Teilnahme an der japanischen Touge-Meisterschaft, und andererseits ist Allrad-Querfahren auf Asphalt eben nun einmal auch deutlich Material-schonender, wenn besagter Untergrund nass ist. Und ja; auch so wurde der kleine Japaner schon reichlich beansprucht. Denn obgleich Chef-Quertreiber Patrick Winter bei der Instruktion noch allen Teilnehmern ins Gewissen geredet hat, dass man selbst für die längsten Drift-Passagen hier auch mit 3.000 bis 4.000 Touren durchkommt (Turbo-Power sei Dank), preschten die meisten – und das schließt den am Werk befindlichen Redakteur ehrlicherweise ein – dann doch am Begrenzer durch so manche Kurve, vor allem aber die lang gezogene Doppel-Rechts-Kombo am Ende der Kompression, aus der man übrigens auch herrlich zum Gegenpendler in die enge Kehre ansetzen kann. Spätestens an eben jener Stelle bewies der kleine Toyota dann endgültig, was für ein gutmütiges und doch kompetentes Werkzeug er ist. Schräg angesegelt kommen, gegenlenken, runter vom Gas, warten … Zack: Schon zeigt die Nase in die andere Richtung. Wer sodann auch nur halbwegs Gefühl für Gas und Lenkung hat, kann perfekt den Querstand als Bremse nutzen und auch die Kehre im Drift nehmen, ohne übermäßige Gegenreaktionen zu riskieren. Und wem der lange Rutscher dann doch verreckt, der sammelt einfach am Weg zur Kehre ordentlich Mut, fährt „viel zu schnell“ auf die Kurve zu, lenkt beherzt nach links, wirft den bissigen Handanker aus, stellt den Wagen fast in Gegenrichtung, bleibt am Gas und dirigiert den Wagen so fast bis zum Stillstand mit vier durchdrehenden Rädern zum Scheitelpunkt … muss dann aber schon genau wissen, wohin seine Vorderräder zeigen. Irgendwann wird bei diesem Stunt immerhin doch mal wieder Vortrieb aufgebaut und da sollten die Räder dann besser nicht in Richtung der immer noch recht nahe liegenden Reifenstapel zeigen.

Zur ungestellten, aber sicher aufkommenden Frage „Landete denn auch wer im Reifenstapel?“. Nein … aber in einer Mauer. Fahrer und Beifahrer blieben dabei zwar unverletzt, neben dem Ego des Lenkers war aber schon auch das eine oder andere Teil des Yaris ordentlich verbogen. Zum Glück gibt’s eine eigene Versicherung und es wird in der Regel nur der Selbstbehalt fällig. Mit dem Privat-PKW würde so etwas teurer. Immerhin zahlt die reguläre Kasko-Versicherung bei Ausflügen auf die Rennstrecke keinen Cent, sollte etwas passieren. Ein weiterer Grund, warum die ersten, aber auch weiteren Gehversuche jenseits der Haftungsgrenzen eines Autos in einem Rahmen wie dem, der Razoon bietet, richtig viel Sinn machen.

Ach und übrigens: Razoon bietet diese Drifttrainings nicht nur im Sommer und auf Asphalt, sondern auch im Winter auf Eis und Schnee an. Auch daran haben wir uns bereits voriges Jahr versucht; "natürlich" auch am Steuer eines Toyota GR Yaris. Hier geht's zum passenden Bericht "Fährst du quer, freust dich mehr".

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