Regel-Revolution wirkt | 27.01.2026
WRC meldet Ansturm neuer Tuner
Die WRC steht 2027 vor einer Revolution - Die FIA bestätigt massives Interesse von Tunern am neuen Reglement und nennt eine überraschende Zahl
Das neue technische Reglement der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) für das Jahr 2027 scheint seinen Zweck zu erfüllen. Laut dem Automobil-Weltverband FIA haben bereits "mehr als zehn Tuner" ihr Interesse an den neuen Rahmenbedingungen bekundet. Im Jahr 2027 bricht für die WRC eine neue technische Ära an, die darauf abzielt, die Anzahl der Konstrukteure in der Königsklasse des Rallyesports deutlich zu erhöhen.
Die neuen Regeln, die auf einen Zeitraum von zehn Jahren ausgelegt sind, setzen auf Kosteneffizienz und Flexibilität. Ziel ist es, die Serie nicht nur für große Automobilhersteller, sondern auch für private Tuner attraktiv zu machen. Die Eckdaten des neuen Konzepts: Eine Kostenobergrenze von 345.000 Euro pro Fahrzeug, eine Leistung von rund 300 PS, ein Gitterrohrrahmen-Chassis sowie die Verwendung von Komponenten aus der Rally2-Kategorie.
Das Reglement erlaubt zunächst nur Verbrennungsmotoren, sieht jedoch Pläne vor, die Technologie in Zukunft auch für andere Antriebsarten zu öffnen.
Bereits im Dezember 2025 verkündete die FIA mit "Project Rally One" den ersten Tuner, der sich fest zu einem Einstieg in die WRC unter den neuen Regeln ab 2027 bekannt hat. Hinter dem Konstrukteur stehen der erfahrene Motorsport-Ingenieur Lionel Hansen, der ehemalige FIA-Rallye-Direktor und Citroen-Teamchef Yves Matton sowie Prospeed.
Sie treten gegen Toyota an - den aktuell einzigen Hersteller, der offiziell an einem Fahrzeug nach dem WRC-Reglement für 2027 arbeitet.
FIA bestätigt massives Interesse
Während sich die aktuellen WRC-Teams Hyundai und M-Sport Ford noch nicht offiziell zur Entwicklung eines neuen Autos für 2027 verpflichtet haben, hat das neue Regelwerk laut FIA zwölf Monate vor seiner Einführung ein beispielloses Interesse geweckt.
"Unsere Priorität ist es, alle Tuner und Hersteller zu begleiten, die bereits mit der Arbeit an diesen Projekten begonnen haben", erklärt Xavier Mestelan Pinon, Technik- und Sicherheitsdirektor der FIA, im Rahmen einer Medienrunde bei der Rallye Monte Carlo.
"Dass ein Tuner ein Auto homologiert, ist für den FIA-Rallyesport völliges Neuland und ein riesiger Erfolg. Wir haben viele Kontakte, mehr als zehn", so Mestelan Pinon weiter. Er schränkt jedoch ein: "Ich sage nicht, dass alle zehn das Projekt auch finalisieren werden, aber sie prüfen derzeit die Machbarkeit."
"Es liegt also viel Arbeit vor uns, sie zu begleiten - ebenso wie unsere Hersteller. Auch bezüglich des Reglements gibt es noch einige technische Details zu finalisieren. Die Vorbereitungen für die Saison 2027 sind jetzt in vollem Gange."
Auf die Frage, wie viele Tuner tatsächlich 2027 an den Start gehen werden, gibt sich der FIA-Funktionär realistisch: "Ehrlich gesagt, sicher keine zehn, das wäre eine große Überraschung. Es ist ein ehrgeiziges Projekt, denn wenn man sich entscheidet, das Auto zu homologieren, muss man auch mindestens zehn Stück über zwei Jahre produzieren und die Fahrzeuge für die Kunden bereitstellen. Das ist eine gewaltige Herausforderung für sie."
Project Rally One als Blaupause
Die kürzliche Bestätigung von Project Rally One dient als Blaupause für andere Interessenten, die derzeit einen Einstieg abwägen. Die FIA erwartet, dass schon bald ein weiterer Tuner offiziell bestätigt wird.
"Sie sind der erste Tuner, der die Homologation eines Autos offiziell gemacht hat. Für uns ist das ein sehr wichtiger Punkt, denn es ist der beste Beweis dafür, dass es funktioniert", sagt Mestelan Pinon. "Sie werden sehen, dass wir in Zukunft noch weitere haben werden."
Dieses Interesse bestätigt der FIA, dass der lange Prozess zur Ausarbeitung der langfristigen technischen Zukunft der WRC die richtigen Schritte eingeleitet hat, um das Teilnehmerfeld zu vergrößern.
"Aus meiner Sicht ist das ein so bedeutender Schritt, wie wir ihn in meinen Augen auf höchstem Rallye-Niveau noch nie erlebt haben", sagt Malcolm Wilson, stellvertretender FIA-Präsident für Sport.
"Die Tatsache, dass Xavier von zehn interessierten Tunern spricht, sendet eine klare Botschaft: Diese Leute sind in die richtige Richtung gegangen", so Wilson. "Es hat lange gedauert, das technische Reglement dorthin zu bringen, wo es jetzt ist, aber es kann nur ein echter Gewinn für den Sport und ein echter Pluspunkt für den potenziellen neuen Promoter sein, da es mehr Teams, Hersteller und Konstrukteure geben wird."
Warten auf den neuen Promoter
Da Toyota derzeit der einzige traditionelle Automobilhersteller ist, der sich zur Zukunft der WRC bekennt, räumt die FIA ein, dass sie weiterhin daran arbeiten muss, Hersteller für die Serie zu gewinnen. Die Hoffnung ruht darauf, dass nach der Bekanntgabe des neuen Inhabers der kommerziellen Rechte der WRC ein klarer Fahrplan für die Zukunftsvision der Kategorie vorgelegt werden kann.
Wie bereits berichtet, rechnet die FIA damit, den neuen Eigentümer der WRC innerhalb der nächsten zwei Monate bekannt zu geben.
Auf die Frage, ob die WRC wieder glorreiche Zeiten mit hoher Herstellerbeteiligung wie in den 2000er Jahren ansteuern könnte, meint Wilson: "Es ist noch früh, aber warten wir ab. Der Promoter spielt eine Schlüsselrolle. Es gibt keinen Grund, warum das nicht passieren sollte, besonders jetzt mit dem Interesse der Konstrukteure."
"Es gibt Arbeit mit den Herstellern, aber wir wissen auch, dass wir mit dem Promoter arbeiten müssen, um das Interesse der Hersteller zu wecken und ihnen die Rentabilität aufzuzeigen", so Wilson abschließend. "Wir müssen zugeben: Solange wir keinen neuen Promoter verkünden können, gibt es viele offene Fragen, die erst mit einem neuen Promoter geklärt und diskutiert werden müssen."


















