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Ford Mustang GT Fastback Aut. - im Test Ford Mustang GT Fastback 2017

Basic Instinct

Bevor nächstes Jahr der geliftete Ford Mustang auf den Markt kommt, nehmen wir uns noch schnell das aktuelle Modell vor, natürlich mit V8-Motor.

Bernhard Reichel

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Eng, unübersichtlich, laut und ein Verbrauch jenseits der 15 Liter hinterlassen Sinnfragen. Doch spätestens bei genauerer Betrachtung des zeitlichen Verhältnisses von Leben und Tod wird einem schnell klar, die kostbare und einmalige Lebenszeit mit ausreichend Freude füllen zu müssen.

Am gründlichsten klappt das naturgemäß mit einem Spaßgeräten wie dem Ford Mustang GT. Die Sinnfrage wäre damit geklärt. Dearborn, Stuttgart, Maranello - wo reichlich Pferde unter der Haube entfesselt werden, gibt es treue Kunden. Seit fünf Jahrzehnten läuft der Mustang von Band, ist aber erst seit zwei Jahren auch in Europa offiziell bestellbar.

Tolle, messerscharfe Linien und fein ausgewogene Proportionen ergeben ein Design, das beweist, dass die Amerikaner Ästhetik und Krawall in eine Karosserie gekonnt vereinen können. Unser Testwagen mit "Over-the-Top"-Streifen (um 551 Euro - siehe Bild unten) glänzt in Atoll-Blau. Diese Kombination nennt man bei Ford gern "Blue Edition", obwohl diese - im Gegensatz zur "Black Shadow Edition" - nicht offiziell in der Preisliste zu finden ist.

Im Innenraum gibt es hervorragende Recaro-Ledersitze. Türverkleidung und Armaturenbrett sind mit Leder und weißen Ziernähten veredelt. Parksensoren, das Infotainmantsystem Ford SYNC 3 mit AppLink, 8-Zoll-Touchscreen und Navi sind Serie, ebenso die schwarz lackierten Felgen.

Genießer geifen am besten zum 421 PS starken 5.0 Liter V8-Sauger - wer sich ein Mehrgänge-Menü gönnt, hört auch nicht knapp vor der Hauptspeise auf. Hier kauft man zukünftiges Kulturgut, denn V8-Saugmotoren sind heutzutage so gut wie ausgestorben. Praktisch alle Konkurrenten außer Maserati und Lexus setzen bereits auf Turboaufladung. Nur noch US-Kontrahenten in Form von Corvette, Camaro oder Challenger gibt es noch mit filterlosem Achttöpfer.

Fällt es beim Anlassen schon schwer die Urinstikte des Feuermachens zu unterdrücken, wird man auf den ersten Metern schlussendlich vom Jagdinstinkt überrumpelt.

Das ganze für Außenstehende mit viagrablauer Lackierung und schwarzen Rennstreifen abzurunden, wäre also gar nicht nötig gewesen.

Schon das niedertourige Fahren macht in keinem anderem Auto so viel Freude. Alleine beim Blick auf die gewaltige Motorhaube sieht man mit dem geistige Auge, wie sich die einzelnen Zylinder auf und ab bewegen.

Das Triebwerk lebt. Es grollt, blubbert und wummert in tiefen bassigen Tönen. Nicht zu laut, einfach authentisch und wird mit zunehmender Drehzahl immer gieriger.

Lässt man es von der Kette, brüllt und faucht es wie angestochen, holt beim Runterschalten Luft wie Pavarotti und entledigt sich dieser wieder wie Thomas Muster. "Ohrale" Befriedigung vom Feinsten.

Mit üppigen Abmessungen und einem Gewicht von 1,7 Tonnen fühlt sich der Mustang auf engen Landstraßen nicht am wohlsten. Ein gnadenlos hochgezüchteter Sportwagen will der klassische Grab Turismo auch gar nicht sein.

Wie mit einem festen Tritt aufs Gaspedal aus einer Steinschleuder eine Harpune wird, ist dennoch beachtlich. Das Gewicht scheint egalisiert, der Körper wird schlagartig in den Sitz gepresst.

Die Sechsgang-Automatik gibt das gewaltige Drehmoment von 524 Nm feinfühlig wie ein Schnitzelklopfer an die Hinterachse weiter, die Gangwechsel sind hektisch. Auf nasser Straße kann das zu unerwarteten Querbewegungen der Hinterachse führen. Selbst im Nässe-/Schneemodus hat das ESP schwer zu kämpfen.

Abhilfe bieten das manuelle Wechseln der Gänge per Lenkradwippen. Für die geschmeidigsten und rauchlosen Drifts braucht es kaum Drehzahlen, hauptsächlich Vertrauen ins Auto.

Blendendes Detail: Die Instrumentenbeleuchtung strahlt im selben Blau wie das Fernlicht-Symbol, das innerhalb der Drehzahlmesser-Skala positioniert ist. Dadurch kann man das Symbol leicht übersehen, zumal auch häufig die Nadel des Drehzahlmessers darüber liegt.

Fürsorglich bemüht wie immer erstickt der Fiskus aufkeimendes Suchtpotential mit einer Rezeptgebühr von 32 NoVA-Einheiten. Im Verein mit 20 Prozent Mehrwertsteuer ist der Steueranteil höher als der Nettopreis (!). Ab 59.900 Euro gibt es den Ford Mustang GT Fastback mit Automatik.

Wer sich für die version mit knackiger Handschaltung entscheidet, spart 1.600 Euro und nicht an Fahrspaß. Apropos entscheiden: Um ein Vor-Facelift-Modell (wie hier getestet) zu ergattern, muss man schnell sein. Bestellbar ist es nicht mehr, aber es gibt noch einige (wenige) Lagerfahrzeuge, bei denen der potenzielle Rabatt sicher höher sein wird als beim Facelift-Miodell ab Frühjahr 2018.

Plus
+ mächtiger Antrieb
+ betörender Klang
+ hoher Spaßfaktor
+ faire Anschaffungskosten netto

Minus
- hoher Verbrauch
- wenig feinfühlige Automatik

Resümee
Lässiges Cruisen ist die Paradedisziplin des Ford Mustang GT. Für ordentlichen Schub muss man ihn zuerst etwas fordern, ist das Triebwerk aber einmal in Stimmung, wird es gierig und will gar nicht mehr aufhören. Der Klang ist dabei vom Feinsten, wären da nur nicht hohe Unterhaltskosten und Verbrauch.

Weitere Testdetails:

Preise, Ausstattung & Technik
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