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Kia Stinger 3.3 T-GDI GT - im Test Kia Stinger 2018

Lord Korea

Kias Aufwärtstrend erreicht mit dem neuen Flagschiff Stinger seinen Höhepunkt. Wir testen, wie kräftig der Gran Turismo mit 370 PS zusticht.

Bernhard Reichel

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Nach den Cabrio-Coupés sollten sie eigentlich der nächste große Trend werden: die viertürigen Coupés. Doch inzwischen erdrückt die SUV-Welle fast alles. Umso erfrischender, wie positiv der Kia Stinger aufgenommen wird.

Volumenhersteller hatten es bekanntlich nie leicht, sich in der Oberklasse zu positionieren. Doch bei Kias neuestem Wurf stimmen die Vorrausetzungen wie selten zuvor. Hinreißendes Design, moderne Technik, qualitativ ansprechende Verarbeitung, ordentliche Fahrleistungen, konkurrenzlose Garantie und zu guter Letzt ein skandalfreies Image.

Es gibt nur sehr wenige Autos, bei denen die Serienversion reizvoller als die Studie aussieht, der Kia Stinger ist so eines. Die Proportionen sind absolut sauber, die Linien schwungvoll und muskulös gespannt. Das breite Heck erinnert mit langem Reflektionsstreifen und vier Endrohren an Maserati. Die Front an eine Mischung aus Jaguar F-Type und Lexus LF-A. Die Luftauslässe auf der Haube an Aston Martin. Assoziationen, die man wirklich nur als Kompliment verstehen kann.

Es gefällt aber auch die liebevolle Detailarbeit: So findet man außen kein unlackiertes Kunststoffteil. Lufteinlässe, Diffusor, Zierleisten und sogar das kleine Dreieck in der A-Säule sind im chrom-schwarzen Look lackiert. Auch die Abdeckung der Radschrauben mit einer Zentralverschlussblende gefällt.

Beim Einstieg geht die Würdigung weiter, etwa wie unauffällig man heute eigentlich Türschaniere gestalten kann. Der top verarbeitete Innenraum ist sachlich und aufgeräumt. Verkehrssichere Tasten und Knöpfe sowie ein analoger Tacho sind heute schon Luxus, vor allem in gehobenen Klassen. Platz gibt es ausreichend. Zwar kann es hinten schon etwas enger mit der Kopffreiheit werden, aber dank sehr tiefer Sitzschalen nur für Großgewachsene. Das subjektive Raumgefühl ist ohnehin auffallend großzügig.

Vollbesetzt und auf langen Reisen sollte man bei der Gepäckauswahl sorgfältig sein. Zwar sind 406 Liter Ladevolumen nicht wenig, aber karosseriebedingt eher besser mit vielen kleineren Taschen als mit sperrigem Gut beladbar.

Die Sitzposition ist tief, aber nicht unangenehm. Der Blick über die lange Haube und deren Luftauslässe macht Lanue. Das Fahrwerk ist straff, doch mit genügend Restkomfort abgestimmt, die Lenkung arbeitet angenehm direkt ohne aufdringlich zu sein.

Kraft gibt es stets, keine Wunder bei 370 Pferden aus einem 3,3 Liter großen V6-Turbo unter der Haube. Mit üppigen 510 Nm Drehmoment unterm Hintern ist man in unter fünf Sekunden auf Tempo 100. Die meisten Konkurrenten hängt man mit offenen 270 km/h am Ende auch ab - wo man es noch darf.

Die Achtgang-Wandlerautomatik funktioniert tadellos und hat wirklich immer den richtigen Gang parat. Unterm Strich ist der Stinger ein klassischer GT für Vielfahrer. Um seine sportlichen Talente rauszukitzeln, muss man schon in den Sport- oder Sport Plus-Modus wechseln.

Das Getriebe lässt dann gleich eine Spur höher drehen, der Motor spricht gieriger an und lässt ordentlichen Klang in den sonst perfekt gedämmten Innenraum durch. Die Traktion ist dank Allrad überlegen, das Fahrverhalten jedoch schön heckbetont. Selbst im Nassen ist man stets sicher unterwegs.

Driftmeister ist der Stinger keiner, aber er lässt schon mal den Popo wackeln, was dank langem Radstand leicht ohne Gasrücknahme und mit zartem Gegenlenken zur souveränen Fahrfreude wird. Für sportliche und akustische Genüsse empfiehlt es sich, die Gänge per Wippen zu schalten. Leider lässt sich der manuelle Modus nicht dauerhaft aufrecht halten und erfordert regelmäßige Wippenbewegungen.

Und wieviel Superbenzin trinkt der 1,9-Tonner bei 10,6 Litern Normmix-Werksangabe wirklich? Gerade mal einen Liter mehr bei vernünftiger Fahrweise. Bei Ausnützen der hohen Leistungsreserven, gerne auch deutlich mehr.

Das Head-up-Display lässt sich in drei Farben darstellen und zeigt alle standesgemäßen Daten an. Auch der Totwinkel-Warner ist hier integriert, wirklich sinnvoll gemacht. Der Klang der Harman/Kardon-Anlage mit 15 Lautssprechern gefällt ebenso wie die grundsätzlich narrensicherer Menüführung.

Leider funktioniert die Sprachsteuerung nur, wenn das Smartphone mit Apple CarPlay oder Android Auto verbunden ist. Wer mit simplem Bluetooth auskommen will, weil er sein Telefon nicht jedes Mal mit Kabel anschließen möchte, muss auf Sprachsteuerung fürs Telefon verzichten.

Die Einparkhilfe meldet bereits "Ende Gelände", obwohl man noch ohne Probleme einige Handbreiten Platz hätte, zum Glück liefert die Rückfahrkamera ein ehrlicheres Bild. Obendrein lässt sich der Stinger ziemlich gut einschätzen und fährt sich vom Gefühl her deutlich kompakter als seine tatsächlichen 4,8 Meter.

Unseren getesteten V6-Topmotor gibt es nur in Verbindung mit der Vollausstattung "GT", damit kostet der Kia Stinger 62.790 Euro. Eine Menge Geld, auch wenn die Hälfte davon Steuern sind. Die Ausstattung ist dafür nahezu komplett, mit allem, was Stand der Technik ist. Wer sich mit dem 256 PS starken Zweiliter-Vierzylinder-Turbo und der auch nicht wirklich bescheidenen Ausstattung "Platin" begnügt, ist ab 43.290 Euro dabei.

Plus
+ bis ins Detail gelungenes Design
+ exzellentes Handling
+ kraftvolle Fahrleistungen
+ toller Motorsound
+ im Konkurrenzvergleich fairer Preis
+ sieben Jahre Farzeuggarantie

Minus
- die Warntöne aller Art könnten zurückhaltender sein
- keine mobiltelefonunabhängige Sprachsteuerung
- Service-Intervall nur 10.000 km

Resümee
Kia hat beim Stinger einmal mehr alles richtig gemacht, dieser ist optisch und technisch mehr als herzeigbar. Auch die Serienausstattung und die Siebenjahres-Garantie sind unschlagbar. Ein echter Sportler ist der "Stachel" trotz 370 PS zwar nicht, wohl aber ein perfekter Reisewagen.

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