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Herr der Ringe

Die dritte Generation des Audi R8 ist am Start - mit einem 5,2 Liter V10 Saugmotor aus dem Lamborghini Huracán. Das bedeutet: 620 PS. Im Test.

Text: Jutta Bernhard/mid; Fotos: Mike Neumann

Beim neuen Audi R8 gibt es einige Designänderungen im Vergleich zum Vorgänger. Die Auspuffanlage hat ovale Endrohre, der Bolide hat Lüftungsschlitze - Single Frame in der Front - Wabenoptik von hinten. Das "Black Paket" mit schwarzen Audi-Ringen, ein R8 Logo und eine neue Farbe "Kemoragrau".

Beim Öffnen der Türen wird das Audi Logo auf dem Asphalt projiziert. Der Ingolstädter Supersportler ist natürlich ein Zweisitzer, der Kofferraum ist vorne unter der Motorhaube platziert und gerade groß genug für einen Handgepäck-Trolley.

Im Heck ist kein Platz, dort ist der Mittelmotor des Boliden platziert mit zwei neuen Partikelfiltern zur Abgasreinigung. Den Motor kann jeder sehen, er ist unter Glas transparent angeordnet. Aluminium-Vollfräsräder im 5-Doppelspeichen-Dynamik-Design in Titanoptik matt und eine Keramikbremsanlage mit Bremssätteln in Rot machen optisch einiges her.

Der Innenraum empfängt den Piloten mit sehr bequemen Sportsitzen, die auch für längere Touren geeignet sind. Es gibt ausreichend Beinfreiheit und viel Carbon. Was es nicht gibt, ist jeglicher Schnörkel oder Schnickschnack. Die Armaturen sind zweckmäßig angeordnet, die klassische Mittelkonsole sucht man vergeblich. Dafür ist ein digitaler Tacho mit Navigation und Multimediasteuerung das "virtuelle Cockpit". Ein Bang & Olufsen Sound System mit Kopfstützenlautsprechern gibt was auf die Ohren. Einparkhilfe, Rückfahrkamera - es fehlt an nichts. Das R8 V10 Performance Quattro Coupé wird in Handarbeit bei der R8-Manufaktur in Heilbronn gefertigt.

Wir nehmen ehrfürchtig Platz und starten den Motor. Dann geht es los: Was für ein brutaler Sound! Der Drehzahlbereich geht bis 8.500U/min. Ausgestattet ist der Audi mit einem 5,2 Liter V10 Saugmotor. Unter der Haube sind 620 PS/580 Nm - das sind nochmal 10 PS/20 Nm mehr als beim Vorgänger.

Der Motor stammt aus dem Lamborghini Huracán Performante (der in diesem nochmal 20 PS drauflegt). Die ganzen Zahlen können das Fahrgefühl nicht beschreiben. In keiner Weise. Sagenhafte 3,1 Sekunden benötigt der Sprint von 0-100, 0,1 Sekunden schneller ist er als der Vorgänger. Manche Tester bescheinigen eine Beschleunigungszeit von drei Sekunden.

Viel Konkurrenz hat der Ingolstädter nicht auf den Straßen. In welcher Leichtigkeit das Fahrzeug die 300 auf der deutschen Autobahn stemmt ist gruselig, auch danach geht es ohne Murren weiter bis die Vmax erreicht ist. Der Sprint von 200 auf 280 geht schneller als bei manchen Autos der Sprint von 0 auf 100 Stundenkilometer. Dank Aerodynamik und Allrad liegt der Supersportler extrem gut in der Straße, die neu abgestimmte Lenkung mit dem Alcantara Lenkrad tut ihr übriges dazu.

Zum Besuch beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring pendelt sich der Verbrauch bei 14,5 Litern ein. Der Tank fasst 73 Liter und reicht also locker für 550 Kilometer. 100 Oktan muss dem Schmuckstück selbstverständlich gegönnt werden. Das Highlight am Ring: Der Audi R8 V10 Performance Quattro Coupé. Autofreaks jeglichen Alters fotografieren ihn, sprechen uns an, sind begeistert. Unter der Windschutzscheibe finden wir abends einen Zettel: "Servus, wollte mal wissen, ob man eine Runde mitfahren könnte?" Mit Telefonnummer. Kein Witz.

Der Luxus hat seinen Preis: In Österreich sind für das Audi R8 Coupé V10 performance quattro 247.570 Euro, in Deutschland immerhin "nur" glatte 200.000 Euro zu berappen.

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