CLASSIC

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter
Vor 40 Jahren neu: Citroën SM

Mit fliegenden Fahnen

Wenn es einer Autofirma einmal so richtig miserabel geht, dann braucht sie was? – Genau: Ein hochkomplexes, exklusives Flaggschiff.

Johannes Gauglica

Hier geht's zu den Bildern

Im Jahr 1970 blieben der von André Citroën gegründeten Firma nicht mehr viele Jahre als unabhängiges Unternehmen vergönnt, und erste Vorzeichen dafür ließen sich bei einem Blick in die Unternehmensbilanz herauslesen.

Die Avantgardisten unter den Großserienherstellern hatten immer noch den 2CV und Derivate à la Dyane im Programm, dachten über einen Nachfolger für die seit 1955 produzierte DS nach (das sollte noch fünf Jahre dauern, er hieß dann CX) und ließen sich auf ein kostspieliges Abentauer mit der bankrotten Bastelbude Maserati ein.

Alfieris Experiment

Das bescherte den Italienern mit der glorreichen Renn-Vergangenheit einen Aufschub auf ihrem Weg in die Pleite, und Geld für Modelle wie den Bora, Merak und den kläglich gescheiterten Quattro Porte II.

Dafür wünschte sich Citroën ein standesgemäßes Triebwerk für ein geplantes neues Flaggschiff. Maserati-Motorenpapst Alfieri lieferte einen 90-Grad-V6-Motor ab. Nicht nur um ihn ranken sich Schauermärchen von Komplexität und Unzuverlässigkeit.

Ganz nach der damaligen Nomenklatur war der Name des neuen Coupés ein bedeutsames Kürzel aus zwei Buchstaben. DS stand für la déesse, die Göttin; ID für (no na) Idee; CX ist das französische Kürzel für den Luftwiderstandsbeiwert (bei uns heißt er cW). Und SM stand für Sport Maserati – aber hartnäckig hält sich bis heute die Deutung „Sa Majesté“.

Der Zweitürer mit Fastback war quasi der Beginn des französischen Anrennens gegen die Maxime „Oberklasseautos haben keine Heckklappe“; formal erinnerte der Wagen etwas an DS-basierte Rallye-Specials der 1960er. Designer Robert Opron lieferte einen Aluminium-Body mit dem cW-Wert von 0,3 ab.

Ungeliebt...

Die Leistungswerte des 2,7l-Motors lagen zwischen 170 und 180 PS, bemerkenswerter war wohl die Leistung der Bremsen – einigen Quellen zufolge erreichte erst der Super-Porsche 959 der1980er bessere Verzögerungswerte.

Daneben gab es ein gerüttelt Maß an Avantgarde wie des markentypische Hydropneumatik-Federungssystem, die erste geschwindigkeitsabhängige Servolenkung in Serie oder hydraulisch betätigte Kurvenlichter. Und es gab von Anfang an Schwierigkeiten mit der Zuverlässigkeit und den damit verbundenen Image-Schaden. Gerade zur falschen Zeit, denn Citroën war damals bereits ein Übernahmekandidat: Fiat hielt kurze Zeit eine Beteiligung, 1975 kam schließlich Peugeot zum Zug.

Die neuen Eigentümer machten mit einigen „Baustellen“ Schluss – ein kostspieliges Wankelmotor-Projekt für den GS wurde gestoppt und alle Autos zurückgekauft; Maserati wurde liquidiert; und für den bei Ligier endmontierten SM kam das Aus nach knapp 13.000 gebauten Exemplaren.

...und viel bewundert

Dennoch blieb der SM ein Inbegriff für gallischen Stolz. Damit hatten nicht zuletzt die Interpretationen des Karossiers Chapron zu tun.

Neben einer zweitürigen Cabriolet-Variante namens „Mylord“ und der etwas ungeschlachten viertürigen Limousine „Operá“, die beide nur in wenigen Exemplaren entstanden, baute Chapron mit dem SM Présidentielle das vielleicht schönste Repräsentationsfahrzeug für offizielle Anlässe der Republique Francaise.

Der gestreckte, offene Viertürer, gegen dessen Eleganz sich Pullman, Brougham und Phantom schwer taten, kam erstmals im Jahr 1972 zum Einsatz. Die zwei gebauten Wagen wurden von den Präsidenten Pompidou, Giscard d’Estaing, Mitterrand und Chirac benutzt. Die Beförderung von Monsieur Sarkozý blieb ihrer Majestät erspart.

News aus anderen Motorline-Channels:

Weitere Artikel:

Zwischen Kaiserwetter und Temperatursturz

Flachgau-Höllental Spring Classic 2025

Leider hatten sich nur 25 Teilnehmer zu dieser tollen Rallye am 4. und 5. April 2025 angemeldet. Ich kann allen Nicht-Teilnehmern nur sagen: Ihr habt was versäumt.

Der Saft des frühen Blitzes

Helden auf Rädern: Opel Kadett Impuls

Viele Hersteller probierten schon vor einem halben Jahrhundert, normale Autos zu elektrifizieren. Opels Ansatz beim Kadett Impuls war dagegen schon einen Schritt weiter.

Gleich, aber nicht

Helden auf Rädern: VW Mitra

Dieser VW Transporter ist kein VW Transporter. Oder zumindest nur teilweise. Jedenfalls nicht so, wie man es anhand der Optik vermuten würde. Eine wirre Geschichte, die nicht lange gutgehen konnte.

Ein halbes Jahrhundert in sechs Generationen

50 Jahre VW Polo

Autos sind immer Kinder ihrer Zeit – und kaum ein anderes zeigt diesen Schlüssel zu großer Beliebtheit besser als der VW Polo. Je nach Zeitgeist und Geschmack passte er sich den Wünschen und Bedürfnissenn der Kunden an, blieb seinem Grundmotto aber stets treu: leistbare Mobilität ohne Abstriche auf der Höhe der Zeit. Wir blicken zurück auf fünf bewegte Jahrzehnte, erzählt anhand der sieben Polo-Generationen.

Gutes Rezept, falscher Zeitpunkt

Helden auf Rädern: MG ZS 180

Als praktisch alles schon verloren war, lieferte MG Rover ein Paradebeispiel für cleveres Engineering. Vor allem, weil der ZS ursprünglich der Unsportlichste der Modellpalette war.

Der internationale Kompromiss

Helden auf Rädern: Monteverdi Safari

Wenn keiner mehr luxuriöse Sportwagen möchte, liegt die Lösung nicht immer bei preisgünstigen Modellen. Luxuriöse Offroader sind eine probate Alternative, und so verhalf der Safari Monteverdi zum größten Erfolg der Firmengeschichte.