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Abarthiger Spaß

Fiat-Haustuner Abarth feiert heuer sein 70-jähriges Jubiläum. Und diese 70 Jahre Motorgeschichte haben es bis zum heutigen Tag in sich.

mid/rubö

Eigentlich war er Rennradler und Motorradmechaniker. Und eigentlich war er gar kein Italiener. Carlo Abarth (Bild oben) wurde am 15. November 1908 als Karl Abarth in Wien geboren. Sein Vater kam ursprünglich aus Meran. Als ein Fahrer des Wiener Motorrad-Rennteams, für das er arbeitete, ausfiel, sprang er ein. Er war schneller als der Fahrer, den er ersetzte.

Eine Knieverletzung beendete seine kurze, aber erfolgreiche Karriere. Er stieg auf Seitenwagen um. Schon Anfang der 1930er Jahre holte er aus seinen Maschinen mehr Leistung heraus - allein durch Veränderungen am Auspuff. Das Abarth-Tuning war geboren. Spektakulär war ein Rennen anno 1934. Carlo Abarth lieferte sich ein Langstrecken-Duell mit dem Orient-Express zwischen Ostende und Wien, das er tatsächlich gewann.

1949 hob Abarth sein Unternehmen in Italien aus der Taufe. Zunächst in Bologna, dann zog er nach Turin um. Von einer Pleitefirma übernahm er Rennwagen und gründete seine eigene Squadra. Mit 10.000 Einzelrennsiegen und zehn Weltrekorden zählt sie zu den erfolgreichsten der Welt.

Geld verdiente er allerdings mit dem Tuning von Fahrzeugen. Mit einem Tuning-Kit von Abarth konnte man seinen Cinquecento schon damals flotter machen. Aus den ursprünglich schmalbrüstigen 18 PS beispielsweise in den Baujahren 1965 bis 1972 wurden so immerhin bis zu 27 Pferdestärken. Dazu gab es besten Abarth-Sound aus dem Monza-Auspuff. Inspiriert von dem original Tuning-Kit verkauft die Klassikabteilung auch heute wieder so eine Box zum Selbertunen. Kostenpunkt: 2.000 Euro plus Umsatzsteuer.

Aber es ging auch größer. Schön war das Fiat-Flaggschiff aus der Reihe 2100/2300 allemal, aber Carlo Abarth wollte schon 1959 mehr. Nämlich eine elegante High-Performance-Limousine. Und so legte der Tuner Hand an und kitzelte aus dem Sechszylinder stattliche 142 PS, die das Abarth 2400 Coupé (Bild oben) bis auf Tempo 200 beschleunigte. Leider wurde nur eine Handvoll davon gebaut, ein Exemplar fuhr Carlo Abarth persönlich.

Schmal wie Zigarren oder flach wie Flundern waren die Rennmaschinen von Abarth. Die rote Rakete namens Abarth 1000 Monoposto (Bild links) zeigt, wie besessen der schnelle Carlo war. Jahrelang war er keine Rennen mehr gefahren, aber dann reizte es ihn doch wieder. Anlass war der 100. Firmenrekord, den der Cheffe selbst fahren wollte.

Und so hungerte er anno 1965 über 30 Kilogramm herunter, um in die Power-Zigarre zu passen. Das ehemalige Formel-2-Auto war mit einer 998 Kubik-Maschine und 105 PS ausgestattet, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 225 km/h. Carlos Strategie ging auf. Obwohl die Konkurrenz von BMW und Porsche mehr Leistung aufbieten konnte, holte er sich auf der Strecke von Monza die Beschleunigungsrekorde auf der Viertelmeile und auf der 500-Meter-Distanz.

Fast in Vergessenheit geraten ist eine Kult-Automarke, die ebenfalls zu Fiat gehörte. Autobianchi gibt es seit 1995 nicht mehr. Damals allerdings spielte sie eine große Rolle. Mit dem Autobianchi A112 (Bild links) wollte man auf den großen Erfolg von Mini reagieren. Und Abarth frisierte die fahrende Einkaufstasche für vier Personen noch auf. Der Mini-Rivale kam Anfang der 70er Jahre auf den Markt und hatte immerhin 58 PS. Auch der Innenraum war sportlich gehalten mit zusätzlichen Instrumente wie einem Manometer oder einer Öltemperaturanzeige.

Einer der erfolgreichsten Abarth-Rennwagen war der Fiat 124 Rally Group 4 (Bild links). Zwei Mal Europameister (1972 und 1975) und vier Mal Vize bei der Konstrukteursweltmeisterschaft (1972 bis 1975). Aluminium-Türen, Dach und Motorhaube aus Fiberglas - so senkte man schon damals das Fahrzeuggewicht. Zusammen mit den 200 PS aus der 1,8-Liter-Maschine war dieser 124er eine echte Rakete.

Diesel und Motorsport - das muss kein Widerspruch sein: Schon 1977 wollte man bei Abarth beweisen, wie leistungsfähig so ein Selbstzünder ist. Drei Teams jeweils in einem aufgemotzten Fiat 131 (Bild links) starteten in England beim London - Sydney - Marathon. Immerhin zwei davon kamen 30.000 Kilometer weiter tatsächlich in der australischen Küstenstadt an. Nach 45 Tagen Nonstop-Fahrt. Und ein Team hatte sogar in der Diesel-Kategorie gewonnen.

Zum Schluss noch ein Sprung in die Neuzeit. Mit dem 595 Esseesse (Bild links) legt Abarth zum Firmenjubiläum nochmal nach. Der 180-PS-Flitzer mit seinen 250 Nm Drehmoment wurde für diese Auflage vor allem optisch getunt. Neue Rennsitze, viel Carbon im Inneren. Und die weißen 17-Zoll-Sportfelgen prägen das äußere Erscheinungsbild. Dazu neue Brembo-Bremsen und eine, man muss schon sagen, sensationell klingende Auspuffanlage von Akrapovic - fertig ist das neue Mitglied der Skorpion-Familie. Der nächste Stich von Abarth. Warum der Skorpion zum Firmenlogo wurde? Ganz einfach: Carlo Abarth wurde in diesem Sternzeichen geboren.

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