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Jung seit einem halben Jahrhundert: der Mini

Projekt ADO15

Unter diesem Kürzel lief bei der British Motors Corporation die Entwicklung des in der Folge erfolgreichsten britischen Autos aller Zeiten.

Johannes.Gauglica@motorline.cc

In der rechten Navigation finden Sie zahlreiche Bilder zum Mini-Jubiläum!

Das Auto, das zwei Nachfolger und später sogar seine eigene Herstellerfirma überleben sollte, wurde zum Meisterwerk von Sir Alec Issigonis und – obwohl die Produktion schon im Jahr 1959 begann – zum Inbegriff der Swinging Sixties: der Mini.

Im April 1959 wurde er vorgestellt, ab August verkauft - und anfangs hieß er noch nicht Mini: zunächst ging der kleine Fronttriebler unter den Namen Austin Seven und Morris Mini-Minor auf die Jagd nach Kundschaft.

Die traute ihm ob seiner winzigen äußeren Abmessungen zunächst nicht viel zu; bis dahin ungekannte Raumausnützung und flinke Fahreigenschaften mussten sich erst durchsetzen. Issigonis legte mit dem Mini die Formel fest, die für kompakte Fahrzeuge mit Vorderradantrieb bis heute gilt.

Die erste Variante des Mini bezog aus einem quer eingebauten Vierzylindermotor mit 848 Kubikzentimetern tapfere 34 PS – immerhin soviel wie der größere VW Käfer. Das gewisse "Mehr" gab es ab 1961, da schaltete sich John Cooper ein.

Der Mini Cooper und Cooper S waren nicht nur begehrte "Boy Racer", sondern blamierten auch die teilweise viel größere deutsche und italienische Konkurrenz auf den Renn- und Rallyepisten. 1971 war es vorübergehend mit den Cooper-Varianten vorbei; ab 1990 stand der Mini Cooper bis zum Produktionsende wieder am Start.

Varianten...

Ab 1969 war "Mini" eine eigene Marke, daneben firmierte der flinke Fronttriebler unter verschiedenen Marken: wie gesagt als Austin und Morris, aber auch (mit zierlichem Stufenheck) von 1961 bis 1969 als Riley Elf und Wolseley Hornet. Lizenzproduktionen gab es zum Beispiel in Italien, Spanien, Chile, Australien, Südafrika... – um nur einige zu nennen!

Es gab vom Mini eine Kombi-Version (als Austin Countryman und Morris Traveller) sowie die dazugehörigen Klein-Lkw mit verblechten Seitenscheiben, außerdem auch einen Pickup. Beide überlebten bis zum Anfang der 1980er. Das spartanische Freizeitmobil Mini Moke, ursprünglich eine Entwicklung fürs Militär, wurde von 1964 bis 1993 gebaut.

...und Entwicklungen

Die Ahnengalerie des Mini reicht von Mk.I bis Mk.IV, die letzte Version ab 1990 hatte die klassischen 1.275 Kubik und wartete ab 1997 dank Benzineinspritzung und etlichen Feinarbeiten mit abgasgereinigten 63 PS bei 95 Nm Drehmoment auf.

Bis zum Schluss blieb es beim Viergang-Getriebe; eine Zeit lang war auch eine Viergang-Automatik erhältlich.

Ein weiteres technisches Intermezzo war die hydraulische Federung Hydrolastic (bzw. umgangssprachlich "Whisky-Soda"), die wegen ihrer Komplexität wieder ausgemustert wurde. Für noch mehr Leistung, mehr Gänge etc. entwickelte sich eine riesige, bis heute aktive Zubehör- und Tuningindustrie.

Sport und Musik

Der Mini Cooper erreichte Erfolge in ungezählten Rallyes und Rennen. Am berühmtesten sind bis heute die Siege bei der Rallye Monte Carlo.

Dort siegten Werksautos von BMC in den Jahren 1964 bis 1967 en suite, zumindest auf der Strecke. Im Jahr 1966 wurden sie wegen einer geringfügigen Regelwidrigkeit ausgeschlossen – ein bis heute nicht verschmerzter "Dolchstoß".

Die Sieger hießen Timo Mäkinen (1964), Paddy Hopkirk (1965), sowie Rauno Aaltonen (inoffiziell 1966, dann die gelungene Revanche 1967 - hier lesen Sie die ganze Geschichte!). Der Finne ist heute noch oft bei historischen Veranstaltungen mit Minis unterwegs, auch in Österreich.

Im Film war der Mini spätestens seit "The Italian Job" aus dem Jahr 1968 der erklärte Liebling nicht nur der Bankräuber. Auch Stars wie Peter Sellers oder die Beatles ließen sich gern am Mini-Volant fotografieren.

Sein eigener Nachfolger

Der designierte Mini-Nachfolger Nr. 1 nannte sich Clubman: diese komfortablere "Premium"-Variante des klassischen Mini mit umgestalteter Frontpartie feiert heuer ebenfalls ein kleines, von den Fans der Originals sicher weniger gefeiertes Jubiläum. Ab 1969 gab es Clubman, 1275GT und Clubman Estate.

Sie machten im Jahr 1980 Platz für den Nachfolger Nr. 2, den Metro. Dieser hatte ebenfalls ein zähes Leben und rollte bis 1998 vom Band – damit wurde er vom Mini noch um zwei Jahre überlebt.

Das tatsächliche Ende für den größten kleinen Briten, nach einer Reihe von Sondermodellen zum Abschied, im Jahr 2000. Der Abschied wurde von der neuen Konzernmutter BMW mit der Ankündigung eines Nachfolgers versüßt.

Von Mini zu MINI

Den Neustart der eigenständigen Marke MINI gab es im Jahr 2001. Der deutlich größere, leistungsstärkere "Neue" setzt stärker auf Styling und Premium-Appeal.

Die Rückkehr der Modelle Cooper und Cooper S, dazu ein Cabrio und eine Dieselversion ließen nicht lang auf sich warten. Seit 2007 ist die zweite Generation des "New MINI" auf dem Markt. Neu seit 2008 ist die Kombi-Variante Clubman, dazu kommen die leistungsstärksten Versionen "John Cooper Works" mit 211 PS.

"Real Mini" und "New MINI" werden im Rahmen des Aspern Revival am 25./26. April auf dem ehemaligen Flughafen in Wien ausgiebig gefeiert!

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